Journalisten nach Folter-Bericht verklagt

Sicherheitsdienst reichte Verleumdungsklagen ein

Nairobi/Khartum - Nach Berichten über die Folter und Vergewaltigung einer jungen Oppositionellen in einem Gefängnis des sudanesischen Sicherheitsdienstes stehen zwei Journalisten nun selbst unter Anklage. Der sudanesische Sicherheitsdienst NISS reichte vor dem Presserat des afrikanischen Landes Verleumdungsklagen gegen die beiden ein. Das sudanesische Militär und der Ministerrat schlossen sich zudem der Klage gegen einen Redakteur der Zeitung "Ajras Alhurria" an, berichtete das Afrikanische Zentrum für Gerechtigkeit und Friedensforschung (ACJPS) am Freitag.

Gegen mehrere andere Journalisten würde wegen ihrer Berichterstattung über den Fall noch ermittelt. Sie sollen in den kommenden Wochen vor dem Presserat erscheinen, hieß es. Der Sicherheitsdienst habe außerdem Strafanzeige gegen die Medienvertreter gestellt.

Auf die Misshandlung der jungen Frau hatten auch Menschenrechtsorganisationen nach ihrer Verhaftung bei Protesten Ende Jänner aufmerksam gemacht. Nach ACJPS-Angaben hat sie den Sudan nach ihrer Freilassung verlassen. Es werde befürchtet, dass nach den Verleumdungsklagen des Sicherheitsdienstes Opfer von Folter und Missbrauch noch seltener den Schritt in die Öffentlichkeit wagen, warnte die Organisation, die sich vor allem mit den Menschenrechten im Sudan befasst und der Oppositionsbewegung nahe steht.

Im Jänner hatten hunderte sudanesische Studenten gegen hohe Lebenshaltungskosten, aber auch gegen die regierende Nationale Kongresspartei (NCP) von Präsident Omar al-Bashir demonstriert. Ähnlich wie in Ägypten und Tunesien nutzten sie soziale Netzwerke, um den Protest zu organisieren. Die Proteste wurden von den Sicherheitskräften mit Härte niedergeschlagen, Dutzende Studenten wochenlang festgehalten. (APA)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.