Das Spiel der Marktkräfte gegen den Euro

  • Stephan Schulmeister: Umschuldung wäre Steilvorlage für Goldman.
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    Stephan Schulmeister: Umschuldung wäre Steilvorlage für Goldman.

Wie eine erfolgreiche Verteidigung der Währungsunion aufgestellt sein muss

Wie eine erfolgreiche Verteidigung der Währungsunion aufgestellt sein muss, um sich gegen die Doppelpasskünste von Ratingagenturen und Investmentbankern durchzusetzen. - Kein Fußballkommentar.

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Bis vor 18 Monaten haben "die Märkte" die Bonität der einzelnen Euro-Länder nahezu gleich bewertet. Plötzlich erinnerten sich "die Märkte", dass sie doch erst kürzlich US-Schrottpapieren Bestnoten gegeben hatten und besannen sich ihrer Rolle als Richter über Gut und Böse: Die Anleihenzinsen der "Schlendriane" stiegen immer mehr, zuerst jene von Griechenland (auf derzeit 17 Prozent!), dann von Irland (auf neun Prozent) und Portugal (elf Prozent), gefolgt von den Spanien (sechs Prozent) und Italien (fünf Prozent). Die wenigen Guten wurden belohnt, insbesondere der Musterknabe Deutschland: Die Anleihenzinsen sanken auf drei Prozent.

Ende der Märchenstunde: Märkte sind kein Subjekt, die wichtigsten Akteure im Staatsschuldenspiel sind Ratingagenturen (RAG) und die Finanzalchemiebanken (FAB) wie Goldman Sachs, Deutsche Bank, BNP Paribas etc. Nach der Finanzkrise haben die FABs die Spekulation mit "credit default swaps" (CDS) auf Staaten ausgeweitet (nur 16 Banken bilden den "Derivatives Dealers' Club", alle CDS-Geschäfte werden über sie abgewickelt).

Pass und Rückpass

Die Zinsschübe kommen im Wesentlichen durch das "Doppelpassspiel" zwischen RAGs, FABs und sonstigen Tradern zustande: Die Agentur Moody's stuft die Bonität Griechenlands herab, das FAB-Team übernimmt den Ball und erhöht die CDS-Prämien (nicht ohne vorher CDS günstig gekauft zu haben), damit rollt der Ball weiter zu den Anleihehändlern, die Zinsen steigen, weil ja das Risiko griechischer Staatspapiere gestiegen ist. Nun folgt ein eleganter Rückpass zur Agentur S&P. Sie stuft Griechenland wegen der hohen Zinsen weiter zurück. Nun übernimmt wieder das FAB-Team usw.

Wie bei allen OTC-Derivaten muss man einen Partner finden, der sich weniger auskennt als man selbst - Goldman Sachs oder die Deutsche Bank sind bekannt für ihre diesbezüglichen Fähigkeiten. Selbst die Harvard Universität hat mit einem Zinsswap 1 Mrd. $ (!) an Goldman verloren, Gemeinden oder die ÖBB wurden von der Deutschen Bank vergleichsweise besser behandelt.

Wie bei allen profitablen Spekulationen nützen die Profis reale Probleme aus, der Finanzsektor agiert keinesfalls "abgekoppelt". Natürlich hat Griechenland ein enormes Schuldenproblem und Irland ein Bankenproblem etc. Entscheidend für den Spekulationserfolg ist, diese Probleme gezielt an- und auszuspielen. Dem dienen die "Doppelpässe".

Die Euro-Verteidigung verfügt zwar mit Schäuble, Lagarde, Juncker, Trichet und anderen über tüchtige Einzelspieler, aber sie sind ratlos und haben keine gemeinsame Strategie. Ratlos sind sie, weil sie doch immer das freie Spiel der Marktkräfte propagiert haben, und nun dies ... Unkoordiniert agieren sie, weil sie auf nationale Interessen Rücksicht nehmen müssen, insbesondere im Hinblick auf populistische Massenmedien.

Kein Rettungsschirm für Spanien und Italien

Verblieb als gemeinsamer Nenner: Rettungsschirm (EFSF) plus härtere Sparmaßnahmen - Ersterer spielte den FABs in die Hände (sie erhielten eine Garantie auf jene Staatsanleihen, deren Renditen sie selbst in die Höhe getrieben hatten), Zweite verschärfen die soziale und politische Lage an der Peripherie der EU dramatisch.

Mit dem Angriff auf Spanien und Italien - Belgien ist noch auf der Warteliste - tritt das "Doppelpassspiel" in die entscheidende Phase. Gelingt es, die Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen in die Gegend von sieben Prozent zu treiben (eine Umschuldung Griechenlands wäre eine ideale Steilvorlage), so muss sich die Euro-Verteidigung etwas ganz Neues einfallen lassen. Spanien und Italien passen nämlich unter keinen Rettungsschirm: Die Staatsschulden der beiden Länder sind fünfmal so groß wie jene von Griechenland, Irland und Portugal zusammen.

Eine gute Verteidigung erfordert eine genaue Analyse des gegnerischen Angriffziels. Kurzfristig folgen die RAGs und FABs mit der Ausweitung des Spiels auf Spanien und Italien nur ihrem Profitstreben und damit ihrer einzigen moralischen Verpflichtung (wie wir von Friedman und Hayek gelernt haben). Gründe für eine schlechtere Beurteilung dieser Länder finden sich leicht, nicht zuletzt die Folgen der verschärften Sparpolitik.

Langfristig geht es den Finanzakrobaten um die Unterminierung der Währungsunion. Dafür braucht es keinerlei "Verschwörungen", die FABs und RAGs kennen ihre Interessen: Der Euro war von Anbeginn ein Projekt, das nicht zum neoliberal-finanzkapitalistischen Zeitgeist passte, sein Hauptmotiv war ein politisches, nicht ökonomisches. Es hat den FABs wichtige Geschäftsfelder weggenommen - man erinnere sich nur an die Spekulation mit Hart- und Weichwährungen in der EU. Ein Scheitern des Euro würde dies wieder gutmachen. Und es würde den USA sehr entgegenkommen, die Position des Dollar als Leitwährung hat schließlich gelitten in den letzten Jahren.

Teufelskreis durchbrechen

Eine erfolgreiche Euro-Verteidigung muss vier Anforderungen genügen:

1) Sie muss den europäischen Zusammenhalt stärken, also das Ausspielen der Mitgliedsländer gegeneinander unterbinden.

2) Sie darf einzelne Länder, insbesondere Deutschland, nicht schlechterstellen.

3) Sie muss unternehmerisches Handeln (wieder) mehr honorieren als Finanzkunststücke.

4) Sie muss (so) eine langfristige Überwindung der Staatsschuldenkrise durch wirtschaftliche Expansion ermöglichen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Politik die zwischen Real- und Finanzwirtschaft vermittelnden Preise (im Raum: Wechselkurs, in der Zeit: Zinssatz) stabilisiert, und zwar entsprechend den Gleichgewichtswerten der (neoliberalen!) Wirtschaftstheorie (Zinssatz = Wachstumsrate, Wechselkurs = Kaufkraftparität). Denn die Aktivitäten auf den Finanzmärkten produzieren Preise, die in nahezu grotesker Weise von den Fundamentalgleichgewichten abweichen. Ein konkreter Lösungsansatz sähe so aus:

  • Der Rettungsfonds wird zum "Europäischen Währungsfonds" (EWF) ausgebaut.
  • Der EWF stellt den Euroländern Finanzmittel durch Ausgabe von Eurobonds zur Verfügung.
  • EZB und EWF geben eine Garantie für die Staatsschuld sämtlicher Euroländer ab. Damit gibt es keinen Grund für Risikoprämien und Wucherzinsen.
  • EZB und EWF legen gemeinsam das Zinsniveau der Eurobonds fest, und zwar wegen des nötigen Schuldenabbaus etwas unter der erwarteten (nominellen) Wachstumsrate (derzeit auf 2 % bis 3 % - für Sparguthaben bekommt man schließlich noch weniger).
  • Dadurch wird der langfristige Zins nach einem ähnlichen Verfahren festgelegt wie der (kurzfristige) EZB-Leitzins ("Mengentender").
  • Jene Neuemissionen, welche zu diesen Konditionen keine privaten Abnehmer finden, werden vom EWF übernommen (analog zum "quantitative easing" der US-Notenbank).
  • Die Vergabe der Mittel an die einzelnen Mitgliedsländer wird klaren Richtlinien unterworfen.

Der Teufelskreis von Wucherzinsen, verstärkten Sparbemühungen, Dämpfung des Wirtschaftswachstums, steigender Verschuldung und noch höheren Zinsen, wäre damit ausgeschaltet. Das Elend der Symptokuren, die nach den jüngsten Drohungen gegen Griechenland sogar noch verschärft wurden, hätte ein Ende. Allerdings: Courage müssten sie schon aufbringen, unsere Staatenlenker/innen, und ökonomischen Hausverstand dazu. Die Änderungen des rechtlichen Rahmens wären dann das geringere Problem. (Kommentar der anderen, Stephan Schulmeister, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.6.2011)

STEPHAN SCHULMEISTER ist Wirtschaftsforscher in Wien.

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wieso wird Schulmeister eigentlich nicht "Spekulant"? Er weiß ja besser als alle anderen, wies wirklich wirklich in echt und so geht.

Daneben wirkt so ein kümmerliches WIFO-Gehalt ja doch recht armselig.

Können Sie sich eigentlich in Ihrer kleinen Welt auch noch was andereres vorstellen, als dass es nur ums Geld verdienen geht?

Staatsschuldenfinanzierung durch "Märkte"

Ich teile Deine Meinung, daß die Finanzierung der Staatsschuld den Marktteilnehmern entzogen werden muß. Sie haben eindeutig versagt, indem sie bis zur Krise praktisch keine Zinsspreads innerhalb der Euroländer verrechneten und jetzt Griechenland einen Malus von 14 Prozentpunkten (!!!) aufhalsen - von dem sie selbst profitieren, wenn sie Staatsanleihen kaufen. Statt der intendierten Disziplinierungsfunktion ein klarer und sehr teurer Interessenkonflikt.
"Panik" auf den Märkten, "Angst"..... daß ich nicht lache: wenn sie solche Sensibelchen sind, sollen sie die Finger von der Staatsfinanzierung lassen und diese öffentlichen Institutionen, die zumindest politisch legitimiert sind, überlassen.

Ein wichtiger Punkt fehlt:

- Rausschmiss der Briten (Trojaner) aus der EU!

Der Angriff auf EU Staaten bzw. auf den Euro wird von britischer Seite nicht nur gebilligt, sondern an der Londoner Börse aktiv mitgestaltet. Weiters fallen sie in der EU nur als Bremser und Nörgler auf.

Sie sind und waren nie überzeugte Europäer!

SHAME ON YOU!

Die meisten ÖkonomInnen sind neoliberal

Schade, dass es nur wenige ÖkonomInnen wie Stephan Schulmeister gibt.

Die meisten ÖkonomInnen sind leider neoliberal.

Hauptsache sie sind "liberal"

Na bum, Courage!
den ganzen Banken Geld und Geschäfte wegnehmen braucht nicht nur Courage, die ganzen Politiker zerstören sich damit ihre Zukunftsperspektiven in der Privatwirtschaft.
Das wird wohl nichts, schade!

Der Euro ist eben nur was für wirtschaftlich stabile Staaten. Der Club-Med gehört zweifelsfrei nicht dazu.

So a bledsinn

die eu ist ein friedensprojekt - und der euro die zugehörige währung.

das gefällt mir sehr gut ...

schon lange nichts so vernünftiges gelesen, sehr erfrischend als bekennender Europäer. Ich bin schon lange der Meinung, wir brauchen sowas wie die "Vereinigten Staaten von Europa". Aber ich fürchte, die allgemeine Kleinkarietheit wird das nicht zulassen. Schade darum ...

Nachtrag Naomi Klein

Mir fällt dazu immer das Buch "Die Schock-Strategie" ein. Zähe zum lesen, aber erinnert mich verdächtig an alles das, was zur Zeit passiert.

Der hat tatsächlich behauptet:

Die Währungen der sechs Gründerstaaten waren doch immer schon stabil und man hätte mit diesen Ländern den Euro machen sollen.
Le "Franc"?
La "Lira"?
STABIL?
Und dann nennt er noch den Schilling. Als ob Ö. seit 1958 bei der EWG gewesen wäre.
So ein Knallkopp.
Solchen Leuten zuhören, aber bitte nur im Kabarett.

geh, der alte saufschädl....

Schön wäre eine Lösung mit einer Perspektive von ein paar Jahren.

Das Damoklesschwert wird aber wohl noch sehr sehr lange baumeln. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es fällt, ist deutlich größer, als dass es verschwindet.

Herr Sch. das Dopelpassspiel

gibt es auch in der Realwirschaft. Es laeuft mit Subvention, Abschottung und Ausgrenzung. Gibt es ein Zusammenspiel beider, führt das zu explosiver InflationsInflation. S. Simbabwe.
Ihr Punkte sind IMO "trotzdem" korrekt.
Besonders schön wäre, wenn Sie statt den freien Markt den Kapitalismus angriffen. Beide können nicht gleichzeitig existieren.

Den "freien markt" gibt es nicht - siehe artikel

Aber Die denkstopper-Dachbeter sagen

der freie Markt sei an die Wand gefahren.
Zuerst wird er geknebelt und dann sei er daran Schuld, dass es ihn nicht gibt?

Aber die Denkstopper-nachbeter sagen.

jetzt kann man schon

simbabwe mit europa vergleichen und bekommt grüne stricherl

prägt unser volkswirtschaftliches verständnis - es werden annahmen und erfahrungen mit komplett unterschiedlichen vorraussetzungen zusammengemischt und daraus modelle gebildet die immer zutreffen sollen

ja mit denen sogar zukunftsprognosen auf promille genau ausgerechnet werden können - und das ganze wird dann noch als wissenschaft bezeichnet

wenn unserer volkswirte mal zu sich und dem rest der welt ehrlich sind wird sich vielleicht eine lösung finden - abseits dem zwanghaften festhalten an bestimmten theorien

Sie haben in allem recht

und beweisen trotzdem nichts damit.
Um den Gesundheitszustand von Systemen zu verstehen, ist es meist hilfreich die pathologischen Fälle zu durchdenken?
Falls selbstständiges Denken eine Opion ist. Es gibt ja genügend Denkstopper zum anklammern.
Der schreckliche Mugabe hat Simbabwe finanztechnisch und realwirtschaftlich von der Umwelt abgeschnitten und die Umwelt hat sich durch Ausgrenzung geraecht. Inflationsexplosion unvermeidlich.
Genau das ist es, was die Protektionsökonomen GR, ... empfehlen.

hier 2 grafiken - zum besseren verständnis :

a. der US- $ seit 200 jahren ...
http://www.sharelynx.com/chartstem... tAbuse.php
siehe insbes. grafik 6 - und jene über die schulden der us-präsidenten, wegen dem neo-liberalen geschwätz über die staatsschulden unter "ihren regenten" ...

b. die verschuldung a l l e r wi-sektoren der USA :
= das ca. 4 fache des bip
(griechenland hat nur die hälfte)
http://www.mmnews.de/index.php... farkt-2011
und die wi-forscher debattieren darüber, dass schulden + schulden = rettungspaket ? ? ?

eigentlich wird nicht bewiesen

sondern widerlegt

und die systeme sind eben zu unterschiedlich um von einem zum anderen zu schließen

sie können z.b. nicht änderungen und auswirkungen in deutschland auf griechenland anwenden - da gibt es eine unterschiedliche geschichte eine unterschiedliche mentalität eine unterschiedliche politische kaste unterschiedlich weit entwickelte volkswirtschaften

und dementsprechend haben die selben handlungen auch unterschiedliche auswirkungen

mit reiner mathematik ala physik ist da nichts auszurichten auch wenn das von den "wissenschaftern" angestrebt wird

und was in simbabwe passiert ist gilt nicht auch für andere länder unter anderen vorraussetzungen

Also, es stimmt, es wird nich gelingen

fuer alles mathematische Beweise zu finden. Weitaus nicht.
Aber es hat selten geschadet Muster, Strukturen und Zusammenhänge zu erkennen.
Eine real- und finanztechnische Isolation führt zu Hyperinflation. Full stop.
Und jetzt widerlegen Sie Bote, dass das in einem GR mit Drachme nicht geschehen wird.

auch sie haben ... nichts bewiesen.

ausser dass - hier ist sumbawa dem rest der welt ja gleichzusetzen - ein zinseszinsbasierten schuldgeldsystem (unabhängig vom kontinent und dem regime...) früher oder später in den ruin führt :
d.h. krieg, bankrott von staaten oder gemanagter schuldennachlass.
und dann beginnt das spiel von vorne ...

ist d a s ... wirklich so schwer zu verstehen ?

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