Klirr-Kommission nach Überschallknall

3. Juni 2011, 18:32
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Eine Kommission des Bundesheeres prüft, ob durch den Überschallflug von Eurofightern in Niederösterreich Fenster zu Bruch gingen. Wenn ja, muss das Verteidigungsministerium Schadenersatz zahlen.

Amstetten - C ist gleich Wurzel aus kRT. Mit dieser mathematischen Formel wird ausgedrückt, was die Eurofighter des Bundesheeres locker draufhaben - nämlich Schallgeschwindigkeit. Wenn Jagd auf ein unbekanntes Flugobjekt gemacht wird, geht es noch schneller. Was die Bevölkerung im Raum Amstetten am Donnerstagnachmittag durch einen ziemlich lauten Überschallknall mitbekam und sogar Fensterscheiben bersten haben lassen soll. Bleibt die Frage, wer für den Supersonic-Scherbenhaufen zahlen muss.

Der Grund für den sogenannten Priorität-Alpha-Fall im heimischen Luftraum war zur Enttäuschung von Ufologen nicht Alf (außerirdische Lebensform), sondern ein ungarisches Passagierflugzeug. Warum der Pilot sich vor dem Eintritt in den heimischen Luftraum nicht wie vorgeschrieben bei der Austrocontrol gemeldet hatte, ist unklar. Im steirischen Fliegerhorst Zeltweg wurde jedenfalls No-Radio-Contact-Alarm ausgelöst, eine Abfangrotte aus zwei Kampfjets stieg auf. Und weil der unbekannte Eindringling schon ziemlich weit war, mussten die Verfolger auf die Tube drücken: laut Bundesheer Mach 1,5 - was fast 2000 km/h entspreche. Abfangjägereinsätze sind zwar nicht so selten, zwischen 50 und 70 innerhalb eines Jahres, doch Überschallflüge im Ernstfall sind rar.

Der ungarische Zivilpilot verstand jedenfalls den Wink mit dem Zaunpfahl und holte seine Anmeldung schleunigst nach. Durch den Verdichtungsstoß der Jäger, der auf dem Boden als Knall wahrnehmbar war, wurde auch die Landbevölkerung auf den Einsatz aufmerksam.

Ob tatsächlich Fenster oder anderes zu Bruch gingen, muss noch erhoben werden. Das Bundesheer hat dafür eine Kommission eingerichtet, Ergebnisse sollen kommende Woche präsentiert werden. Für nachgewiesene Überschallschäden gebe es natürlich Schadenersatz, erklärt Bundesheer-Sprecher Peter Barthou.

Auf Nachfrage des Standard hieß es am Freitag im Rathaus von Amstetten, dass bisher keine Schäden gemeldet worden seien. Doch in Aschbach/Markt solle es geklirrt haben. Was in der dortigen Polizeiinspektion zwar bestätigt wurde, allerdings bezweifle man einen Zusammenhang mit dem Abfangjägereinsatz. Eher seien heftige Windböen schuld.

Pro Jahr ziehen mehr als 800.000 Flugzeuge ihre Kondensstreifen über Österreich, darunter rund 15.000 Militärmaschinen. Die zivile Austrocontrol stützt sich auf passives Radar, das mit Transpondern in den Maschinen kommuniziert. Das militärische Primärradarsystem ("Goldhaube") hingegen erfasst aktiv und selbstständig alles, was fliegt. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5. Juni 2011)

  • Ein Eurofighter auf dem Flug nach Zeltweg. Wenn es der Pilot eilig hat, 
ist der Jet schneller als der Schall. Dann allerdings kann es knallen. 
    foto: hbf/reich

    Ein Eurofighter auf dem Flug nach Zeltweg. Wenn es der Pilot eilig hat, ist der Jet schneller als der Schall. Dann allerdings kann es knallen. 

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