Wettbüros lassen 14-Jährige zocken

3. Juni 2011, 18:12
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Zwei Drittel achten nicht auf den Jugendschutz

Salzburg - Ein 14-Jähriger betritt ein Wettlokal, setzt sich an einen Spielautomaten und zockt. Danach platziert er eine Fußballwette. Ein Mitarbeiter hilft dem Jugendlichen sogar, die Wette abzugeben. Obwohl der Zutritt zu Wettlokalen und die Teilnahme an Wetten erst ab 18 Jahren gestattet ist.

Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt die Arbeiterkammer (AK) Salzburg bei einem Jugendschutztest. Sechs von neun Wettbüros in der Stadt Salzburg ließen einen 14-jährigen Tester in ihr Lokal. Nur drei Mitarbeiter der getesteten Wettbüros fragten nach dem Alter und verwehrten den Zutritt. In drei Lokalen konnte der Tester problemlos an einem Automaten spielen, und in zwei Wettbüros durfte er Fußballwetten mit einem Einsatz von fünf Euro abgeben. "Der Jugendschutz wurde einfach negiert", fasst AK-Präsident Siegfried Pichler die Ergebnisse zusammen.

Der jugendliche Tester wurde bewusst von der AK ausgesucht, da er seinem Alter entsprechend und nicht älter aussieht. Der Test wurde an einem Nachmittag in der Sterneckstraße, der Ignaz-Harrer-Straße und am Bahnhof durchgeführt. In den Lokalen sei wenig los gewesen, also hatten die Mitarbeiter die Chance, den Jugendlichen zu erkennen.

"In Salzburg gibt es ein großes Manko im Jugendschutz", zieht AK-Konsumentenschützerin Daniela Gabler Bilanz. Deshalb führe die AK stichprobenartigen Jugendschutztests durch. Die Konsumentenschützer haben nun alle getesteten Betreiber angeschrieben. Ihnen werde ihr persönliches Ergebnis mitgeteilt und nahegelegt den Jugendschutz künftig einzuhalten, erklärt AK-Präsident Siegfried Pichler die Vorgehensweise. In absehbarer Zeit wiederhole die AK den Test. Komme es erneut zu einer Jugendschutzverletzung, werde die AK Anzeige erstatten und den Namen des Wettbüros öffentlich nennen, warnt AK-Präsident Pichler. Bei einem Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz droht dem Betreiber eine Geldstrafe von 3700 Euro. Bei einem wiederholten Vergehen kann dem Besitzer die Gewerbeberechtigung entzogen werden. (ruep/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5. Juni 2011)

  • Kaum Hindernisse für Jugendliche beim Zocken.
    foto: der standard/heribert corn

    Kaum Hindernisse für Jugendliche beim Zocken.

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