"Terrorismus kann keine Probleme lösen"

3. Juni 2011, 18:32
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    Helmut Wintersberger (71) ist Soziologe und Politologe, lehrte an Universitäten in Wien und Italien.

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    Silvius Magnago (1914–2010) distanzierte sich stets von Gewaltanwendung und setzte ausschließlich auf Verhandlungen.

Ex-Bumser Helmut Wintersberger im STANDARD-Interview - Legte 1961 Brandsätze in Rom

1961 legte Helmut Wintersberger Brandsätze in Rom, um die italienische Regierung in Sachen Südtirol unter Druck zu setzen. Im Gespräch mit Gianluca Wallisch erklärt er, warum die Gewalt der falsche Weg war.

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STANDARD: Waren Sie Anfang der 1960er-Jahre Freiheitskämpfer, Aktivist oder Terrorist?

Wintersberger: Ich habe mit dem Wort "Terrorist" kein Problem. Wir haben illegale Mittel eingesetzt. Ja, wir haben diese Linie damals überschritten.

STANDARD: Menschen sollten aber nie zu Schaden kommen?

Wintersberger: Nein, bei den Aktionen, an denen ich beteiligt war, nicht. Allerdings wurde mir im Gefängnis, nach der frühzeitigen Explosion eines Brandsatzes in Rom, bewusst, dass mehr passieren hätte können. Dass dies nicht der Fall war, betrachte ich heute als großes Glück im Unglück.

STANDARD: Haben Sie damals dem Terrorismus abgeschworen?

Wintersberger: Ja, aber das dauerte schon einige Zeit. Ich fragte mich: Welches Problem kann der Terrorismus schon wirklich lösen? Er kann bloß für weitere Gewalt sorgen, aber niemals Probleme lösen.

STANDARD: Wie kam der politische Prozess also wieder in Schwung?

Wintersberger: Aus meiner Sicht durch Bruno Kreisky, der seit 1959 Außenminister war. Er war auf österreichischer Seite die entscheidende Person. Er brachte das Thema vor die Uno und an den Verhandlungstisch zurück. Die Autonomie heute ist eindeutig das Ergebnis von guten Verhandlungen - und nicht von Gewalt.

STANDARD: Und was war mit Landeshauptmann Silvius Magnago?

Wintersberger: Ich war mit ihm nicht immer einer Meinung. Aber sein Lebenswerk war schon beachtlich. Er setzte auf Verhandlungen, war beharrlich und hat viel erreicht. Nicht umsonst gilt die Südtirol-Autonomie heute als Modellbeispiel in Europa.

STANDARD: Ist das Südtirol von 2011 das, wofür Sie eingetreten sind?

Wintersberger: Der jetzige Zustand entspricht wohl nicht meinen damaligen Vorstellungen, aber aus heutiger Sicht bin ich zufrieden. Die Volksgruppen leben friedlich nebeneinander, und ich bin überzeugt, dass sie in der Zukunft noch weiter zusammenrücken werden. Ich glaube da an die Zivilgesellschaft, die der Politik um einiges voraus ist.

STANDARD: Wie stehen Sie zur Doppelstaatsbürgerschaft?

Wintersberger: Es ist ganz klar, dass Südtirol zu Italien gehört und nicht zu Österreich. Das heißt also, sich mit Italien zu arrangieren. Österreich ist ohnehin Schutzmacht. Die Doppelstaatsbürgerschaft ist nicht notwendig, nicht im heutigen Europa. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2011)

Kommentar posten
19 Postings
Freygeist
21
12.6.2011, 02:20
Ein Tirol !!

bläh! bläh!
01
12.6.2011, 14:10

also mich hat am brenner noch keiner aufgehalten...also wo ist eigentlich noch das problem? ein tirol haben wir spätestens seit dem EU-beitritt.

Bugio
21
Zwei Fragen

Wäre die Berliner Mauer auch ohne die Südtiroler-Attentäter im Jahre 1961 gebaut worden ?

Gab es einen Zusammenhang zwischen den Attentaten im Jahre 1961 und dem 1960 gedrehten Film "Que gioia vivere" ("Halt mal die Bombe Liebling") ?

e g c
00
"Terrorismus kann keine Probleme lösen"

Was für eine Ohrfeige! ... für all die Ewiggestrigen.

e g c
01
"Ich glaube da an die Zivilgesellschaft, die der Politik um einiges voraus ist."

Ein wahres Wort!
Abgesehen von einigen lautstarken Ewiggestrigen, die es nie lernen werden, kommen die Leute untereinander bestens aus.
Nur viele der südtiroler Politiker verdienen ihren Lebensunterhalt damit, die Menschen gegenseitig aufzuhetzen.

omar chamra
11
Gut, dass es auch solche Menschen gibt, die

Einsichten gewinnen.

hatee
 
45
Sagen Sie mir das ich mich verlesen habe...

steht hier tatsächlich "ex-BUMSER"?

ach ach, ich sollte erwachsen werden, aber das is aufglegt...

Heliogabal
20
Bumser ist eine Germanifizierung

in Tirol nennt man sie die Bumsara (von Bumserer ... Bums!...Explosionsgeräusch)

Wesentliches (Un)Wesen
00

Ach so, na dann.

triebstrü
 
313
"Terrorismus kann keine Probleme lösen"

Stimmt.
Aber er kann auf Probleme aufmerksam machen.
Ohne Südtirol-Bumser wäre das Südtirol-Problem nie von der Diplomatie ernst genommen, und daher auch keiner Lösung zugeführt worden.

Regression zur Mitte
 
00
12.6.2011, 13:09

Genau, der Satz ist ausschliesslich moralischer Kategorie. Die taktische Wirkung von Terror ist die Eskalation. Die Folterungen der Aktivisten waren eine Eskalation in dieser Richtung. Und viele sind der Meinung das diese Folterungen zur19er Kommission gefuehrt hatten. Ein Politikwissenschaftler sollte das wissen.

Freygeist
02
12.6.2011, 02:28

Der Meinung bin ich auch, ohne ein "lautes Zeichen" wäre die Unterdrückung durch Italien wohl nicht beendet worden...trotzdem, das faschistische Siegesdenkmal in Bozen muss weg und die Einigkeit Tirols bleibt ein langfristiges Ziel!

Karl Heiden1
00

In der Diplomatie wäre das Problem auch "verhungert". Letztlich hat der politische Druck aus Österreich und die Beharrlichkeit der SVP-Führung (Magnago) zu einer Lösung (Autonomie)geführt.

Karl Heiden1
30
Seltsam,

was da jetzt plötzlich alles als "Ex-" auftaucht aus der Versenkung! Trittbrettfahrer und Wichtigtuer?

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
51
Ich habe den Artikel eigentlich nur angeklickt, weil ich geglaubt habe, es würde um Bumsen gehen

Das hätt' ich mir sparen können:(

Dr. Eckstein
 
00

Im Interesse aller: Sparen Sie sich doch den Umweg über den Standard und klicken Sie gleich hier: www.youporn.com

Schnurz Homunculus
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und was hat das mit Südtirol zu tun?

Karl Heiden1
01
Ein "Kinderkreuzzügler".

Wurde von seiner eigenen Bombe in Rom schwer verletzt und war danach "geheilt" von Terrorideen.

Adolf Ogi
112
Ferndiagnose:

Bildungslücke

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