VP Wien lehnt "Auftragsgutachten vom Verursacher" ab
Wien - Ein neuer Prüfbericht hat die gegen die Kunsthalle Wien erhobenen Vorwürfe wegen zu hoher Reisespesen und laxer Abrechnungsregelungen entkräftet. Laut der Gebarungsprüfung der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei IB Interbilanz Hübner habe sich Direktor Gerald Matt korrekt verhalten. Dass diese Prüfung im Auftrag der Kunsthalle erfolgte, kritisiert die Opposition: Zweifel könnten nur von unabhängigen Institutionen beseitigt werden, ließ Landesabgeordnete Isabella Leeb (VP Wien) per Aussendung wissen. Mit einem endgültigen Kontrollamtsbericht ist, laut Auskunft eines Sprechers der Behörde, erst 2012 zu rechnen; mit der Sichtung der Unterlagen habe man bereits begonnen.
Besagter Prüfbericht der Interbilanz hat neben Dienstreisen zwischen 2008 und 2010 (das erste Halbjahr 2009 wurde "aus Zeitgründen" ausgeklammert!) vier Ausstellungen sowie ein Buchprojekt untersucht. Die Reisekosten seien "angemessen" , die Projekte entweder Kooperationen oder Teil der "Nebentätigkeiten" , in denen sich Matt laut Vertrag darum bemühen muss, "die Interessen der Kunsthalle Wien zu fördern" . Produkt einer solchen Nebentätigkeit ist laut Prüfbericht das Buch Voyage autour de ma chambre, das künstlerische Fotografien von Matts Privatwohnung zeigt. Unterstützende Tätigkeiten von Mitarbeitern übersteigen laut Bericht nicht übliche Ausmaße.
Nicht zuletzt wegen des Fehlens eines Betriebsrats könnten sich Mitarbeiter nicht gegenüber solchen Mehrarbeiten wehren, kritisierte die VP die mangelnde Aussagekraft des Berichts. Auch der am Dienstag fristlos entlassene, ehemals leitende Kurator Thomas Mießgang, der seine Entlassung arbeitsrechtlich anfechten will, bemängelte den fehlenden Betriebsrat. "Die Belegschaft hat sich bisher immer gegen einen Betriebsrat entschieden" , hieß es dazu aus der Kunsthalle. (kafe, DER STANDARD - Printausgabe, 4./5. Juni 2011)