Iberico-Schweine

Baumsterben bedroht Jamónproduktion

3. Juni 2011, 17:15
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    foto: der standard/jan marot

    "Wo sind die Eicheln?", mögen sich die Schweine wohl fragen.

In der Provinz Huelva, wo Steineicheln Basisnahrung der Iberico-Schweine sind, fürchten Züchter um ihre Zukunft und die des berühmten "Jamón"

Kork- und Steineichen übersähen Spaniens Südwesten mit grünen Farbtupfern, doch stetig mehr gelblich-braune Kronen stören das pittoreske Landschaftsbild. Das lässt José Luis García Palacios, Präsident von Encina, dem Forum zum Schutz der "Dehesas" davor bangen, "dass seine Urenkel keine Eichen mehr sehen werden". Jene beweideten Eichenhaine gelten als einzigartiges Kulturland, in deren Schatten sich die iberischen Schweine an deren Eicheln laben - was dem Fleisch einen unvergleichlichen Geschmack gibt.

Den Eichen drohe binnen eines Jahrhundert ihr Ende, wie eine aktuelle Studie des spanischen Umweltministeriums prophezeit. Grund dafür wären die längeren Trockenperioden mit steigenden Temperaturen als Folgen des Klimawandels und eine rasch-tödliche Infektion mit einer pilzähn- lichen Phytophthora-Art (altgr. "Pflanzenvernichter"). Sterben die Dehesas, wäre neben der Topqualität-Schinken "Iberico de Bellota" (dt. Eichel) ein weiteres Nationalsymbol, der spanische Stier, bedroht.

Todholz-Skulpturen

Was einem "Herzinfarkt" des Baumes gleicht, geschieht mitunter binnen Tagen. Die Krankheit, gemeinhin "La Seca" (die "Trockene") genannt, verwandelt diesen in eine apokalyptisch-anmutendende Todholz-Skulptur. Wenn sie nicht sofort letal endet, folgt ein jahrelanges, irreversibles Absterben.

In der Extremadura gab es um das Jahr 2000 knapp 400 von der "Seca" gezeichnete Gebiete - und Andalusien zählt aktuell mehr als 500 Brennpunkte. In der Provinz Huelva sind gemäß einer von Encina in Auftrag gegebenen Studie der Universitäten Huelvas und Córdobas rund 1,5 Millionen Bäume betroffen. "Ich habe viel gesehen, aber die 'Seca' ist anders. Diese Plage hat die Haine unserer Vorfahren vernichtet", klagt etwa Juan García Bermejo (76), Landwirt aus Berrocal bei Rio Tinto (Huelva).

Lange waren Wissenschafter von einer multikausalen Krankheit ausgegangen, doch Enrique Cardillo vom IPROCOR Baum-, Holz- und Korkforschungszentrum in Badajoz (Extremadura) konnte als Hauptgrund Phytophtora cinnamomi, der Wurzelfäule bewirkt, nachweisen. Der Erreger wäre in bis zu 80 Prozent der Fälle für das "Ersticken" der Bäume verantwortlich. Derselbe hatte bereits Kaliforniens Orangenplantagen dezimiert, wo man das Problem brachial durch Rodung und Aufforstung gelöst hatte. Beim Orangenbaum mag das ökonomisch verkraftbar sein, trägt dieser doch binnen drei Jahren wieder saftige Früchte. Bei Steineichen müssten Bauern, wie auch die Iberico-Schweine, bis zu 30 Jahre warten, auf dass wieder Eicheln fallen.

"Phytophtora Cinnamomi wurde aus Ozeanien eingeschleppt", sagt Cardillo zum Standard. Es sei ein naher Verwandter der Kraut- und Knollenfäule Phytophthora infestans. Besonders im Südwesten Spaniens wären Bäume anfälliger, sagt Cardillo, da sie auf sandigem, silikathaltigem Grund stehen. Begleitende Pilzinfekte wie Hypo-xylon mediterraneum oder Diplodia-Arten spielten lediglich eine untergeordnete Rolle.

Hoffnungslos wäre die Situation laut Cardillo aber keineswegs. Gegen die Seuche könnte Phosphonsäure - sie findet etwa in Zahnpasten Verwendung - Furore machen, wie er erfolgreich in Pilotversuchen testen konnte. Schon in den 1970er-Jahren entdeckte man zufällig, dass sie die Widerstandskraft von Pflanzen gegen Pilzinfekte, wie etwa dem "Mehltau" bei Weinreben, steigern kann. Rechtzeitig in die Stämme der Eichen in gefährdeten Gebieten gespritzt, steigere das laut Cardillo deren eigene Abwehr und reduziere die Mortalität beträchtlich.

Ganz ohne Chemie will indes Francisco Volante, Schweinezüchter und begeisterter Hobby-Forscher aus Huelva, der "Seca" über gesteigerte "Artenvielfalt" begegnen. Seine patentierten Vogelhäuser sollen Fledermäusen und Vögel anlocken. Sie sollen Insekten, die als Verbreiter der Sporen der Phytophthora dienen, dezimieren. Eine Idee, die bei Andalusiens Regionalregierung, die im Juni 2010 ein "Gesetz zum Schutz der Eichenhaine" verabschiedete, großen Zuspruch findet. (Jan Marot aus Huelva/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5. Juni 2011)

Eclectus
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wenn es Phytophthora cinnamomi ist, der die Eichen zum Absterben bringt, dann verbreiten nicht die Insekten die Sporen, sondern es ist wiedermal der Mensch. Phytophthora cinnamomi wird hauptsächlich durch Strassenbau, Erdbewegung, weidenden Viehbestand, und nicht zu vergessen, unser Schuhwerk verbreitet. Einmal in der Erde schwimmen die Sporen von Wurzel zu Wurzel. In Australien ein enormes Problem, da noch mehr sichtbarer Waldbestand, wenn auch bedroht....Traurig zu sehen, langsam absterbende Bäume/Wälder, die wiederum Nahrungsträger für viele Tierarten sind/waren....Mein Beitrag, immer das Schuhwerk reinigen, auf den vorgegebenen Wegen bleiben und nicht überall hineinlatschen, auch wenn´s schön wäre!!

Sternchen100
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Mitschuld wird für das Baumsterben wohl auch Stress sein, weil man das ganze Grundwasser abpumpt für Golfplätze, Tourismuszentren und Glashausanbau (Tomaten, Gurken, Orangen, Weintrauben...).

Einst war ganz Spanien bewaldet, dann holzte man im großen Stil ab für den Schiffsbau und führte Schafe ein. Die maurischen Bewässerungsanlagen im Süden ließ man verfallen. Und seitdem vertrocknet das gesamte Land.

org.com
 
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wär ewig schade um den bellota der peta negras
unvergleichlicher genuss

terremoto
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es ist wohl eher schade um die armen schweine, die als pata negra enden müssen...

org.com
 
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peta negra (dt. schwarz fuß) ist der landläufige name der schweine.
enden tun sie dann als jamon iberico und wenns ein glückliches schwein war, dass sich an den eicheln fett fressen konnte ohne zusätzliche maßt, heißts noch bellota...

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