Soziologin Monika Spethling-Reichhart schreibt über Qualitäten und Kompetenzen
Fundiertes Fachwissen, überdurchschnittliche Motivationsfähigkeit, perfektes Zeitmanagement, hervorragende Organisationskompetenz, große Belastbarkeit. Das sind Kriterien die bei Stellenausschreibungen für Führungskräfte häufig genannt werden. Diese nicht näher definierten Begriffe sind durchaus vielschichtig zu verstehen und passen perfekt in die kapitalistische Moderne, dessen Hauptziele marktökonomischer Natur sind. Hier stehen keine am Menschen orientierten Werte im Vordergrund sondern vorrangig wirtschaftliche Interessen.
Von natürlicher Autorität oder Authentizität ist hierbei selten die Rede. Warum eigentlich? Diese menschlichen Qualitäten sind im Geschäftsleben offensichtlich vernachlässigbar. Dabei tragen gerade diese stabilen, vertrauensfördernden Führungsqualitäten eines Vorgesetzten in einer Leitungsposition wesentlich zum Erfolg und zur Umsetzung von erwünschten Zielen bei. Auf Dauer wird es nur authentischen Persönlichkeiten gelingen, dass Mitarbeiter ein Gefühl der Wertschätzung und Zufriedenheit am Arbeitsplatz entwickeln können.
Mangelnde Leitungskompetenz
Führungskräfte, die sich dessen nicht bewusst sind und denen es kein Anliegen ist, ihre Mitarbeiter durch individuelle und authentische Rückmeldungen zu stärken, zeichnen sich durch mangelnde Leitungskompetenz aus. Ihre Führungsunfähigkeit zeigt sich in der restriktiven Ausübung von Macht und den damit verbundenen Befehlsanweisungen. Sie treffen ihre Entscheidungen im Alleingang, ohne das Wissen und die Erfahrungen der Mitarbeiter entsprechend zu berücksichtigen und zu nützen.
Unterschätze Kompetenzen
Die Notwendigkeit sich in andere Menschen einfühlen zu können wird häufig unterschätzt. Diese soziale Kompetenz zeigt sich gleichermaßen in der Fähigkeit des aktiven Zuhörens sowie in der gebührenden Wertschätzung bezüglich des geleisteten Arbeitseinsatzes. Wird dieser Kommunikationsstil gepflegt, können Missverständnisse rechtzeitig entdeckt und besprochen werden. Wer für (s)ein Unternehmen Effizienz und Erfolg anstrebt, sollte wissen, dass Menschen, die für eine erfüllende Aufgabe tätig sind, produktiver sind, als solche die unter großem Druck und krankmachendem Stress ihre Leistung erbringen müssen.
Führungskräfte, welche mit den Ressourcen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen achtsam umgehen, können deren kreative Potentiale stärken. Sie fördern und schätzen ihre individuellen Fähigkeiten, indem sie ihnen Vertrauen entgegen bringen. Sie wissen, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich mit einer Aufgabe identifizieren können, machen diese gerne und finden in derselben auch Erfüllung. Sie brauchen aus diesem Grund auch keine Mechanismen der Überwachung, Einschüchterung und Kontrolle anzuwenden. (Gast-Kommentar, Monika Spethling-Reichhart, derStandard.at, 6.6.2011)
Autorin
Monika Spethling-Reichhart ist Soziologin und Praxisberaterin und Hochschullehrerin an der KPH Edith Stein