Kaiserhaus für Groupies

3. Juni 2011, 17:33
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Gesammelt wird in China wie in Deutschland: Ein Faible für Nostalgie und historische Provenienz eint die Fangemeinde

Der Streit um des Kaisers Bart steht im Dorotheum an der Tagesordnung - zuweilen auch ganz konkret, wenn solche Gesichtshaare von Kaiser Franz Joseph zur Versteigerung gelangen. 2009 ließ sich Mario Plachutta Schnipsel der legendären Barttracht 6900 Euro kosten. Das Haar in der Suppe werden Gäste der Wiener Rindfleisch-Dynastie allerdings vergeblich suchen, da es fern der Öffentlichkeit im verglasten Stellrahmen verwahrt bleibt. 2006 war der Gastronom vom Bazillus befallen worden und dürfte mittlerweile wohl über die größte Privatsammlung verfügen.

Ein Faible für Nostalgie und historisch relevante Provenienz eint die sukzessive wachsende Fangemeinde. Seit 1994 bietet das Dorotheum unter dem Titel "Kaiserhaus" einmal jährlich Memorabilien und Erinnerungsstücke der k. u. k. Monarchie an. Betreut wird die Sparte vom familiär "vorbelasteten" Georg Ludwigstorff - sein Urgroßvater diente in der kaiserlichen Leibgarde, und seine Großmutter war Hofdame Zitas. Mehr als in anderen Sparten nennt er museale Institutionen zu seiner Stammklientel. Gemessen an Nationen und Kaufkraft dominiert Österreich gefolgt von Süddeutschland (15 %), China (10 %) sowie Italien und Japan (je 5 %).

Sisis Reitstrumpfhose

Neben Objekten aus dem Umfeld Kaiser Franz Josephs zählen solche von Kaiserin Sisi zu den international mit Abstand beliebtesten. Zu den aktuell (6. Juni) angebotenen Devotionalien gehört neben einem Fächer, ein Geschenk ihrer Tochter Marie Valerie zum 47. Geburtstag (12.000-15. 000 Euro), auch eine (ungetragene) Reitstrumpfhose (2400-3400). Die Sonderanfertigung mit flachen Nähten und einem Taillenumfang von 50 cm war 1898 beim spezialisierten Hoflieferanten bestellt, aber nach der Ermordung der Kaiserin nicht ausgeliefert worden. Zu den weiteren Highlights gehören ein kaiserlicher Kämmererschlüssel (500-800), ein reines Würdensymbol ohne Sperrfunktion, oder ein Konvolut von 30 Hoftafelbonbonnieren (6000-8000) mit fotografischen Porträts verschiedener Mitglieder des Hauses Habsburg.

Für Groupies von Franz Joseph offeriert das Dorotheum aktuell eine Kinderzeichnung mit der Darstellung eines Wettkampfs auf der Rennbahn von Bad Ischl (1800-2800), weiters zwei Briefe an Katharina Schratt, in denen sich der Kaiser über ein Massageangebot amüsiert, - sowie eine Haarlocke (500-700). Warum immer wieder solches DNA-Gut auf den Markt gelangt, ist einfach erklärt. Bereits zu Lebzeiten des Kaisers trieb damit nicht nur sein Friseur einen regen Handel, sondern soll sich sogar Leibkammerdiener Eugen Ketterl damit das Gehalt aufgebessert haben. (kron, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 4./5. Juni 2011)

  • Hoftafelbonbonnieren mit Porträtfotos der Habsburger.
    foto: dorotheum

    Hoftafelbonbonnieren mit Porträtfotos der Habsburger.

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