Parlamentswahl mitten in der Budgetkrise

4. Juni 2011, 23:41
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    foto: apa/epa/lopes

    Jose Sócrates, Premier

Bürgerliche Sozialdemokraten können bei vorgezogenen Neuwahlen mit Erfolg rechnen

Lissabon - Mitten in seiner historischen Haushaltskrise wählt das hoch verschuldete Portugal am Sonntag ein neues Parlament. Mehr als 9,6 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre 230 Abgeordneten in der Hauptstadt Lissabon neu zu bestimmen. Als Favorit gilt die sozialdemokratische Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Pedro Passos Coelho. Die Wahl wurde nötig, nachdem der sozialistische Regierungschef Jose Socrates im März zurückgetreten war. Zuvor hatte seine Minderheitsregierung eine Parlamentsabstimmung über ein Sparprogramm verloren, das einen Antrag auf Finanzhilfen der Europäischen Union, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank abwenden sollte. Anfang Mai beantragte Portugal Unterstützung im Umfang von 78 Milliarden Euro.

Opposition voran

Nach einer am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage des Fernsehsenders TVI und der Zeitung "Público" wollen bei den vorgezogenen Parlamentswahlen an diesem Sonntag nur 31,1 Prozent der Wähler der Sozialistischen Partei (PS) ihre Stimme geben. Die oppositionelle bürgerliche Partei der Sozialdemokratie (PSD) von Spitzenkandidat Pedro Passos Coelho liegt in der Wählergunst mit 36,6 Prozent deutlich vorne.

Zusammen mit dem rechtskonservativen Demokratischen und Sozialen Zentrum (CDS), dem 11,6 Prozent der Befragten ihre Stimmen geben wollen, ist das bürgerliche Lager der absoluten Mehrheit sehr nahe. Eine Koalitionsabsprache gilt zwar als möglich, liegt jedoch noch nicht vor. Ins Lissabonner Parlament werden der Umfrage zufolge am Sonntag auch wieder das Bündnis von Kommunisten und Grünen (CDU) mit 7,4 Prozent sowie der Linksblock (BE) mit 6,0 Prozent gewählt werden.

Bestes Wahlergebnis

Vor dem Hintergrund der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Nelkenrevolution von 1974 sind im ärmsten Staat Westeuropas rund 9,6 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, die bis zu 230 Mandate der Versammlung der Republik neu zu vergeben. Die Neuwahlen sind nötig, weil Sócrates das Handtuch geworfen hatte. Zuvor hatte seine Minderheitsregierung im Parlament keine Mehrheit für das vierte Sparpaket innerhalb von elf Monaten finden können.

Der 53-Jährige Sócrates hatte die Sozialisten 2005 zur absoluten Mehrheit und zum besten Wahlergebnis der Geschichte geführt. Nach mehreren Krisen und Korruptionsaffären in seiner ersten Amtszeit konnten die Sozialisten die Parlamentswahlen von September 2009 nur mit 36,5 Prozent der Stimmen gewinnen.

Die neue Regierung wird wohl Anfang Juli die Amtsgeschäfte übernehmen. Sie muss dann sofort die mit dem 78 Milliarden Euro schweren Hilfspaket verbundenen Sparauflagen, die Anfang Mai mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds ausgehandelt worden waren, in Gang bringen. (APA)

byron sully
10

das paradoxe ist ja, daß beide großparteien in etwa das gleiche sparprogramm durchziehen möchten, aber die PSD erst dann, wenn sie selber die regierung stellen darf. heuchelei bis zum gehtnichtmehr.

sturmy
01
empört euch, seit misstrauisch, vertraut keiner Farbe, Politiker= farbloses Gerümpel, ich gehe nicht mehr wählen....

nichtkaefer
00

Ein Hoch der Phraseologie!

living reef
22
und das kalb wählt selber seinen schlächter...

DirtyHarry
12
?

"Bürgerliche Sozialdemokraten" - ist das jetzt der neue Name für die gegenwärtige österreichische Regierung?

Alsacien
11
In Portugal arbeitet man seit eh und je

... mit diesem Etikettenschwindel: die portugiesischen "Sozialdemokraten" (Partido Social Democrata, PSD) sind in Wirklichkeit "konservativ" und Mitglied der Europäischen Volkspartei:
http://de.wikipedia.org/wiki/Frak... Demokraten

Genauer betrachtet, wie jeder politisch erfahrene Portugiese weiß, stehen aber PSD und PS unter einer gemeinsamen Führung: http://tinyurl.com/2ud8uml

Horst Holzinger
09
Die eigentliche Regierung stellt die EU-Finanzkommission dar,

die zwar gar nicht zur Wahl steht, aber das Land regiert.

Willkommen in der Demokratie á la EU und ihren Massnahmen zur Rettung der Banken, Versicherung und Fonds.

olhão
01

Die Zeitung Publico, Fersehensender TVI und SIC gehören zu den anerkannten rechten informations--medien.
PS Partido sosialista, sind Sozialdemokraten.
PSD Partido Social Democrata, sind Christ Demokraten und gehören so zu der wichtigste rechte Partei in Portugal, die Namen der Parteien sorgen ständig für Missverständnisse im Ausland und in Portugal.
Mal abwarten auf die Wahlen, PSD möchte gerne "tea Partie Szenarium".
PS möchte gerne staatliche soziale Absicherung.
Was diese Statistiken anbelangt, gehen wir gerade sozialpolitisch in der entgegengesetzte Richtung der USA.

Stalo Ramón
01

Naja, was Sie sagen stimmt schon, aber wen kümmerts ob die PSD die offizielle Schwesternpartei der ÖVP ist? Christ- und Sozialdemokraten kann man so wie so immer schwerer unterscheiden!
Was eher und vor allem für unsere Lieblingsnachbarn verwirrend sein muss, ist, dass das Bündnis zwischen der KP und dden Grünen CDU heißt(Parteifarbe blau). Da gibts im Wahlkampf dann auch immer wieder geile Bilder mit einem Meer aus CDU-Fahnen, die aus Deutschland sein könnten, und dazwischen rote Fahnen, Sowjet- und DDR-Fahnen usw

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