Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Trotz aller zur Schau gestellten Verwerflichkeit auch immer wieder ein Moralist: das Enfant terrible Thor Kunkel.
Am Anfang fühlt man sich bei der Lektüre des neuen Romans von Thor Kunkel ja ein wenig auf den Arm genommen. Schließlich erwirbt man ja nicht unbedingt ein Buch, um sich über hunderte Seiten durch eine Sprache und einen Habitus zu quälen, die man in ihrer flotten Unbeschwertheit auch in diversen Lifestyle-Magazinen knapper und bündiger haben könnte. Schöner leben bedeutet in dieser Welt immer auch: schneller umblättern.
Allerdings ist die anfangs trügerische Ausgangslage von Subs nicht die geringste. Wie auch in seinen notorisch unterschätzten und vom Feuilleton oft nicht einmal ignorierten Vorgängerarbeiten nähert sich der deutsche Autor seinem Thema erst einmal über das Mittel der vordergründigen Affirmation. Im Angesicht zusammenbrechender Wirtschaftssysteme und kollabierender Sozialgefüge geht es hier um den Niedergang der Lohnarbeit und die Aushebelung ökonomischer Selbstbestimmung. Kunkel verortet diese, das wird schnell einmal klar, im Bereich der Chimäre.
Als Protagonisten werden uns in Subs zu Beginn zwei Paare vorgestellt, die, im Bereich des gesellschaftlichen Klischees angesiedelt, alle Potenziale bezüglich satirischer Verfremdung auf jeden Fall schablonenhaft bereithalten. Zum einen wäre da das im gehobenen Berliner Villenmilieu lebende Paar Claus und Evelyn. Schönheitschirurg der eine, Rechtsanwältin die andere. Sie suchen zwecks Sicherung ihres gehobenen Lebensstandards aufgrund des plötzlichen Verschwindens ihrer polnischen Perle Haushaltskräfte beziehungsweise dezidiert lustig "Sklaven", die auch ohne lästige Anmeldung bei der Steuer bereit sind, bienenfleißig hinter den Türen ihrer Villa dafür zu sorgen, dass der Weinkeller voll, die Böden geputzt und das anständig zubereitete Bioessen rechtzeitig auf dem Tisch steht.
Launig gibt Hausherr Claus eine Anzeige in der Zeitung auf, die Hilfskräfte für den Luxushaushalt sucht. Und tatsächlich melden sich neben einer stetig wachsenden Zahl von Langzeitarbeitslosen, überqualifizierten und deshalb chancenlos auf dem Arbeitsmarkt dastehenden Akademikern, Asylanten und anderen in einer sich verengenden Gesellschaft Überflüssigen ein Mann und eine Frau, die bereit sind, diese Annonce ernst zu nehmen. Der eine, ein arbeitslos gewordener Ex-Uni-Dozent für Philosophie namens Bartos, ist jenseits der 50 auf dem herkömmlichen Arbeitsmarkt schwer vermittelbar. Die andere ist eine junge, wasserstoffblonde Schönheit aus der Ukraine namens Lana, die bereit ist, auf ihrem Weg von der unterdrückten Klasse in den Westen strebender Ostler hin zu persönlichem Wohlbefinden für einige Zeit auch mit dem Verlust jeglicher persönlichen Rechte entgegenzuwirken - und im Zweifel chirurgisch eventuelle äußerliche Defizite nachzubessern. Allerdings können solch neue Beschäftigungsverhältnisse trotz scheinbar freiwilliger Entrechtung Bediensteter mit freier Kost und Logis und keinem Geld, das auch nicht notwendig ist bei keiner Freizeit, gründlich schiefgehen.
Thor Kunkels schon über seine Vorgängerarbeiten Das Schwarzlicht-Terrarium, Endstufe, Schaumschwester oder Kuhls Kosmos bekannter Arbeitsansatz ist jener, aufzuzeigen, dass Dekadenz eben auch eine Niedergangserscheinung zu sein hat. Er ist trotz aller Pornografie und in seinen Büchern zur Schau gestellten Verwerflichkeit der westlichen Gesellschaft immer auch ein heimlicher Moralist.
Im konkreten Fall, dem Untergang Babylons am Beispiel einer Zweiklassendienstleistergesellschaft, werden aus faulen Arbeitgeber-Willis schließlich Opfer, die Diener werden sehr schnell zu jenen Geistern, die man rief und nun nicht mehr los wird.
Thor Kunkel bewegt sich gern auf heiklem Terrain. Er sorgte nach dem längst vergriffenen Debüt Das Schwarzlicht-Terrarium mit seinem zweiten Roman Endstufe im Jahr 2004 in Deutschland für einen Literaturskandal. Immerhin weigerte sich der Suhrkamp-Verlag damals, die ohne gröbere Schwierigkeiten als Satire zu lesende Großtat, lange vor Quentin Tarantinos Inglourious Basterds eine grindige Nazi-Trash- und Pulp-Fiction-Geschichte zu erzählen, kurz vor der geplanten Veröffentlichung, das Buch auch tatsächlich zu publizieren. Für die folgenden Romane Schaumschwester, ein ungleich spannenderer Klon-Trash-Roman, als es zeitgleich Michel Houellebecqs Die Möglichkeit einer Insel war, sowie den wie üblich bei Kunkel auf jeden Fall auch pornografisch im Sinne seines ungleich angeseheneren norwegischen Kollegen Mathias Faldbakken drastisch zur Sache kommenden Disco-Roman Kuhls Kosmos benötigte Kunkel nicht nur regelmäßig neue Verlage. Sie wurden auch kaum rezipiert. Wie sich angesichts der Veröffentlichung von Subs wieder zeigen wird, eine Schande.
Thor Kunkel ist und bleibt der deutsche Großmeister des Trash. Leider hat diese literarische Gattung in unseren Breiten keinen Stellenwert. Man könnte ja die Blumen am Wegesrand verletzen, wenn man breitbeinig mit höhnischem Grinsen auf seiner die Öko- und Korrektheitsbilanz vernichtenden Schreibmaschine durch die Gegend pflügt. Aber wie meinte schon der alte Halunke Juvenal vor ein paar tausend Jahren: Difficile est satiram non scribere. (Christian Schachinger, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 4./5. Juni 2011)
Thor Kunkel, "Subs". € 19,90 / 448 Seiten. Heyne Hardcore, München 2011
"Ständig schaut man. Weil man das Gefühl hat, die Donau so im Griff zu haben, aber natürlich hat man nichts im Griff." Ein literarischer Bericht zur Hochwasserkatastrophe des Frühsommers 2013
Vladimir Vertlib liest am Dienstag im Jüdischen Museum Hohenems aus seinem neuen Roman "Schimons Schweigen"
Ich frage mich, wie die Leute das aushalten, die Musik den ganzen Tag. Ich meine damit die Beschallung, die permanente Beschallung, und speziell meine ich den Techno-Dreck
Warnte in seiner Dankesrede vor dem Zerfall Europas
Alles, was von Bedeutung ist, muss Widerstand hervorrufen: Über den Buchmarkt und das Schreiben
Der Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler über das Groteske, den Humor und das Geschichtenerfinden
In den 80ern eroberten Autorinnen das männerbesetzte Krimigenre. Krimiforscherin Brigitte Frizzoni über das Phänomen Frauenkrimi
In ihrem Romanerstling beweist Teresa Präauer eine Vorliebe für alles, was fliegt. Ein Gespräch über Ironie, Zeichnen und die Bodenhaftung
Aus Plänen und Träumen gerissen: Christoph W. Bauer vermittelt Lebensbilder von Menschen, die 1938 fliehen mussten
Sibylle Lewitscharoff will den Verlag verlassen, wenn sich im Verlagsstreit Minderheitsgesellschafter Barlach durchsetzt
Der Brite wurde mit satirischen Serie über den Anti-Helden Henry Wilt berühmt
Autor nach Vortrag mit Fatwa belegt
Autor Thomas Baum hat eine Geschichte zum Thema Mehrsprachigkeit geschrieben - Vermittelt wird sie mit Speak-Datings
Lexikonsparte ist für Medienriesen nicht rentabel
Angeschrieben wird hier nicht! Alain Mabanckous kongolesische Bar als groteskes Welttheater
59-Jähriger starb an Krebs - Sein letztes Buch, das noch in diesem Monat erscheinen soll, befasst sich mit seiner Krankheit
Neu übersetzt und endlich in den gebührenden Rang erhoben: Michail Bulgakows "Das hündische Herz"
Der durch zahlreiche Romane auch international bekannte Schriftsteller starb am Samstag 83-jährig in Tel Aviv
Der amerikanische Autor und Irakkrieg-Veteran Kevin Powers legt mit "Die Sonne war der ganze Himmel" einen bildstarken Antikriegsroman vor
Mit 12.000 Euro dotierter Preis wird im Zweijahrestakt vergeben
Viele Jahre nach Primo Levi, Jean Améry und Jorge Semprún fügt Otto Dov Kulka der Literatur über die Nazilager neue Aspekte hinzu
Lesereihe im Museumsquartier startet am 11. Juli mit Robert Schindel
Zwangsjackenschön: Clemens Berger erzählt in seinem neuen Roman von entsorgten Zahnbürsten und sich verschleißenden Leidenschaften
Minderheitsgesellschafter sieht "Überschuldungsszenario rechtsmissbräuchlich konstruiert"
"Ginster": Ein Antikriegsroman des Feuilletonisten und Kulturphilosophen Siegfried Kracauer in einer Neuauflage
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.