Der "schwarze Hautkrebs" ist eine der bösartigsten Tumorarten - Durchbruch im Kampf gegen das fortgeschrittene Melanom
Er ist die Krebsart, die hierzulande am weitesten verbreitet ist: Jeder zweite Österreicher über 60 dürfte davon betroffen sein. Doch zum Glück ist Hautkrebs nicht gleich Hautkrebs. Die häufigsten Tumorerkrankungen der Haut - das sogenannte Plattenepithelkarzinom und das Basalzellkarzinom - sind zum Glück weitaus weniger aggressiv wie der "schwarze Hautkrebs", der durch das unkontrollierte Wachstum der pigmentbildenden Zellen der Haut entsteht.
Das Melanom, um es medizinisch korrekt zu nennen (vom griechischen Wort "melos" für schwarz), macht zwar weniger als fünf Prozent der Hautkrebsfälle aus, ist aber für fast 80 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Weltweit erhalten etwa 160.000 Menschen jährlich die Diagnose Melanom, die meisten davon leben in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland. In Österreich waren es zuletzt etwas mehr als 1000 Personen gewesen, Tendenz eher steigend. "Dafür nimmt die Anzahl der Todesfälle leicht ab", sagt Hubert Pehamberger, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie der Med-Uni Wien.
Tödliches Spätstadium
Dass in den letzten Jahren etwas weniger Österreicher am Melanom sterben, ist vor allem der verbesserten Früherkennung zu verdanken (siehe Wissenskasten): Wenn der schwarze Hautkrebs im Frühstadium vom Hautarzt diagnostiziert wird, ist er nämlich noch verhältnismäßig gut behandelbar: Drei von vier Patienten leben noch mindestens zehn Jahre, wenn das Melanom zum Zeitpunkt der Diagnose nicht tiefer als einen Millimeter geht. Hat das Melanom allerdings bereits Metastasen gebildet, überlebte bis jetzt nicht einmal einer von zwanzig Patienten länger als zwei Jahre.
Der Hauptgrund dafür ist, dass das Melanom auf so gut wie keine der gängigen Chemotherapien anspricht "und es in den vergangenen 30 Jahren so gut wie keinen Fortschritt bei den Behandlungsmöglichkeiten gab", so Pehamberger. Das ändert sich nun aber gerade: Zwei neue Präparate haben sich in klinischen Tests mit großen Erfolgen bewährt. Diese Durchbrüche wurden am Wochenende bei der Asco vorgestellt, der wichtigsten und weltgrößten Krebsforscherkonferenz, die dieser Tage in Chicago stattfindet.
Ganz besondere Aufmerksamkeit genoss dabei eine klinische Studie (Phase 3), bei der die Wirkung eines neuen Präparats namens Vemurafenib der Firma Roche vorgestellt wurde. Dieser Wirkstoff war so erfolgreich, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde - um der Kontrollgruppe ebenfalls den neuen Wirkstoff zur Verfügung zu stellen. Konkret verlängerte Vemurafenib das Gesamtüberleben von Patienten mit fortgeschrittenem malignen Melanom signifikant.
Konkret sank das Sterberisiko um 63 Prozent im Vergleich zu Chemotherapie. Und im Vergleich zur bisher gängigen Therapie verringerte das Präparat das Risiko, dass sich die Erkrankung verschlechterte, um 74 Prozent. Diese Ergebnisse wurden am Sonntag zeitgleich mit der Präsentation in Chicago auch im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
Dieses neue Präparat ist dabei ein Beispiel für die sogenannte personalisierte Therapie in der Krebsmedizin. Als Vorbild dafür gilt das Brustkrebsmedikament Herceptin, das ganz gezielt bei einer bestimmten Patientengruppe wirkt, was sich vorab durch einen Biomarker testen lässt.
Vemurafenib hemmt ähnlich selektiv eine mutierte Form des sogenannten B-Raf-Proteins, die bei etwa der Hälfte aller Fälle von metastasierendem Melanom auftritt und für das Tumorwachstum sorgt, wie Jürgen Becker von der dermatologischen Abteilung der Med-Uni Graz erklärt. Entsprechend gibt es zum neuen Medikament, dessen Zulassung bereits beantragt wurde, einen Test, um die Genmutation zu erkennen.
Für Patienten mit malignem Melanom bedeutet das, "entweder zu den Gewinnern oder den Verlierern" zu gehören, wie es Pehamberger formuliert: Hat ihr Melanom ein mutiertes B-Raf-Protein, wirkt das Präparat zielgerichtet und führt dabei auch zu einer signifikanten Verkleinerung des Tumors. Hat er es freilich nicht, dann weiß man schon im Vorhinein, dass auch der B-Raf-Hemmer Vemurafenib nicht hilft.
Verlängerte Lebenszeit
Für diese Patienten gibt es immerhin noch ein anderes Präparat, das seit kurzem in den USA bereits zugelassen ist, nämlich Ipilimumab. Das ist ein monoklonaler Antikörper, der von der Firma Bristol-Myers Squibb entwickelt wurde und zu einer verstärkten Immunantwort auf den Hautkrebs führt. Das bedeutet ebenfalls eine beträchtliche Verlängerung der Lebenszeit bei den Patienten - allerdings auch mit zum Teil erheblichen und im Vergleich zur Chemotherapie neuen Nebenwirkungen.
Eine andere Nebenwirkung des Medikaments, das nun auch in Kombination mit Vemurafenib getestet wird, dürfte zu einem Faktor für die Sozialversicherungsträger werden: In den USA kostet allein die erste Behandlungsrunde (vier Gaben in zwei Monaten) mehr als 100.000 Dollar. (Klaus Taschwer aus Chicago, DER STANDARD, Printausgabe, 06.06.2011)
Wissen: Hautkrebsrisiko vermindern
Sonne ohne Reue" - das ist nach wie vor das Motto der 1988 gestarteten Präventionskampagne gegen Hautkrebs. Denn zu viel UV-Strahlung ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für das Entstehen von Tumoren der Haut. Entsprechend sollte übermäßiger Sonnengenuss dringend vermieden werden, sagt Darmatologie-Professor Hubert Pehamberger. Da die Haut leider nicht vergisst, gilt das insbesondere auch für Kinder und Jugendliche. Blonde und rothaarige Menschen, die zu Sonnenbränden neigen, sind "naturgemäß" stärker gefährdet.
Zur Prävention gehört außerdem das Tragen von - möglichst UV-undurchlässiger - Kleidung, von Hüten und Sonnenbrillen sowie die Verwendung von Sonnencremen. Zwar war lange umstritten, ob diese das Risiko tatsächlich reduzieren. "Eine neue australische Studie scheint das nun aber zu belegen", sagt Pehamberger, um sogleich zu ergänzen: "Sonnencremes sind kein Freibrief zum Sonnenbrand."
Bei der Selbstkontrolle der Muttermale sollte vor allem darauf geachtet werden, ob diese sich verändern, dunkler und unregelmäßig werden. Spätestens dann sollte der Hautarzt aufgesucht werden - wenn das nicht ohnehin bereits schon im Laufe der Vorsorgeuntersuchungen geschieht, die auch eine Muttermalkontrolle durch Fachärzte vorsehen. (tasch)