Rette sich, wer kann

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Endlich wird in Österreich eingeführt, was sich in Deutschland, Tschechien, Slowenien und der Schweiz längst bewährt

Rettungsgasse nennt sich die jüngst dem harmonischen Zusammenwirken der Regierung entsprungene Errungenschaft. Dabei wird dem gemeinen Autofahrer im Fall eines Unfalls auf der Autobahn verordnet, so weit an den rechten Fahrbahnrand beziehungsweise Mittelstreifen zu fahren, dass Einsatzkräfte in der frei werdenden Gasse durchbrausen können.

Klingt grundvernünftig. Endlich wird in Österreich eingeführt, was sich in Deutschland, Tschechien, Slowenien und der Schweiz längst bewährt.

So weit die Theorie. Dass der Gassenhauer in Österreich einer wird, muss jedoch bezweifelt werden. Denn Herr und Frau Österreicher sind zumindest auf Schnellstraßen nicht wirklich hilfsbereit. Man könnte auch sagen, sie sind überfordert, unfähig - oder asozial, was sich nicht selten in testosteronübersteuertem Selbstbewusstsein manifestiert. Wer die Rechtsfahrordnung beharrlich ignoriert, wird auch nicht für einen Notarztwagen auf die - selbst an Lkw-freien Sonntagen als minderwertig empfundene - erste Spur wechseln.

Wer das weltweit seit Jahrzehnten bewährte Reißverschlusssystem bis heute nicht kapiert, wird per Verordnung ab Jänner 2012 kaum für eine Feuerwehr Platz machen. Und wer den Pannenstreifen notorisch als Überholspur missbraucht, wird sich in Zukunft über die Annehmlichkeit einer Rettungsgasse vermutlich eher freuen. Ein Erziehungseffekt ist auch von bis zu 2180 Euro Strafe nicht zu erwarten. Denn das Geld liegt zwar auf der Straße und die Staatskassen sind leer, aber es gibt schon jetzt kaum Polizisten, die es einsammeln. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/03.06.2011)

 

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