Oracle übergibt OpenOffice an Apache

3. Juni 2011, 12:05
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Lizenz soll entsprechend angepasst werden - Libreoffice-Projekt zeigt sich enttäuscht über verpasste Chance

Die zuletzt reichlich wechselhafte Geschichte der freien Office-Suite OpenOffice.org nimmt nun eine neue Wendung: Softwarehersteller Oracle hat die Übergabe des Source Codes an die Apache Software Foundation beantragt. Als Incubator-Projekt soll es künftig unter neuer Ägide in die Apache-Welt eingepasst werden, die Rolle des Mentors übernimmt ASF-Mitgründer Jim Jagielski.

Community

In einer Stellungnahme von Seiten Oracles heißt es, dass man mit diesem Schritt vor allem externe EntwicklerInnen und Unternehmen zur Zusammenarbeit bewegen will. Etwas, das das Projekt auch dringend benötigt, immerhin steht man derzeit praktisch vollständig ohne Community da. Diese hatte sich nach Jahren der Auseinandersetzungen mit Sun / Oracle nämlich praktisch zur Gänze verabschiedet und arbeitet in der Document Foundation mittlerweile mit LibreOffice recht erfolgreich an einer OpenOffice-Abspaltung.

Abwarten

Unterstützung für OpenOffice kommt hingegen von IBM, das sich über die Weitergabe des Code an die ASF erfreut zeigt. IBM nutzt schon seit längerem OpenOffice als Basis für das eigene Lotus Symphony, insofern kommt dieses Signal nicht gänzlich überraschend. Abzuwarten bleibt, ob es OpenOffice unter Apache-Riege tatsächlich gelingt, ein funktionsfähiges Projekt zu werden, immerhin ist die Community mittlerweile weitergezogen. Auch sieht es nicht danach aus, als würde Oracle selbst noch relevante Entwicklungsressourcen in das freie Office stecken.

Kritik

Entsprechend zwiegespalten sieht man die Entwicklung bei LibreOffice: Einerseits wird der Schritt auf die Community zu prinzipiell begrüßt, andererseits herrscht Unverständnis darüber, warum sich Oracle nicht einfach der Document Foundation angeschlossen hat. Auf diese Weise hätte man eine Wiedervereinigung der beiden Projekte vornehmen können, die jetzige Ankündigung sei also nicht zuletzt auch eine verpasste Chance.

Wechsel

Mit dem Wechsel zur ASF steht für OpenOffice übrigens ein Lizenzwechsel an, der wohl nicht zuletzt für IBM von Interesse ist: So soll das freie Office künftig unter der Apache-Lizenz veröffentlicht werden, womit Dritte Modifikationen an der Software vornehmen und veröffentlichen können, ohne den Source Code dazu zu liefern. (red, derStandard.at, 03.06.11)

  • Die Vögel ziehen weiter: OpenOffice wird zum Apache-Projekt.
    grafik: openoffice

    Die Vögel ziehen weiter: OpenOffice wird zum Apache-Projekt.

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