Zusätzlicher dritter Prüfungsantritt an vielen Unis noch nicht fix - Entscheidung bis Ende Juni
Wien - Eine verpflichtende, wenn auch unverbindliche
Voranmeldung bis Ende August, nur noch eine statt bisher drei
Prüfungswiederholungen und keine Möglichkeit mehr, Prüfungen aus
einem späteren Teil des Studiums vorzuziehen - ab Herbst kommen mit
der Neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) auf
Studienanfänger gleich mehrere neue Hürden zu. Wie genau diese
aussehen, ist aufgrund der Autonomie der Unis jedoch sehr
unterschiedlich. Während manche Unis die STEOP sehr restriktiv
gestalten, führen andere die Regelung einfach ad absurdum.
Studieneingangsphasen gibt es zwar auch schon jetzt an den
Unis.
Der große Unterschied ist aber, dass bisher in diesem Teil des
Studiums keine strengeren Regeln bei den Prüfungsantritten gegolten
haben als im Rest des Studiums. Ab Herbst haben die Unis zwar die
Möglichkeit, den Studenten einen weiteren Prüfungsantritt und damit
zwei Wiederholungen zu gewähren - allerdings liegt das im Bereich von
deren Autonomie. Es könnte also Unis geben, in denen man nach dem
dritten erfolglosen Prüfungsantritt für ein Fach gesperrt ist.
Bekanntgabe bis Ende Juni
Noch sind bei weitem nicht alle Studienpläne adaptiert, die
Senate
haben noch bis spätestens Ende Juni Zeit, um die überarbeitete
Curricula bekanntzumachen. Ein Rundruf der APA zeigt allerdings, dass
die Zahl der Prüfungen, die die Studenten im Rahmen der STEOP
absolvieren müssen, je nach Uni enorm variiert. Zwischen vier und 30
ECTS (das entspricht dem Arbeitspensum eines Semesters) umfasst die
Eingangsphase, innerhalb derer verschärfte Prüfungsmodalitäten
gelten.
Es gebe große Unterschiede bei den Vorgaben, die die Senate der
einzelnen Unis den Studienrichtungen für die Anpassung der Curricula
machen, berichtet auch Marianne Roth von der Uni Salzburg von einem
Treffen der Senatsvorsitzenden aller Unis. "An kleinen Unis wird die
STEOP sehr offen gehandhabt", sagt die Senatsvorsitzende.
Auch an der Uni Salzburg sei dies der Fall: "Man kann etwas Positives
daraus machen, und das versuchen wir. Wir werden sie in Salzburg
sicher nicht als Knockout-Phase nutzen."
In Salzburg ist die STEOP mit zwei Vorlesungen im Umfang von
vier
bis zwölf ECTS kurz gehalten. Noch kürzer ist sie allerdings an der
Uni für Bodenkultur mit zwei Vorlesungen zwischen vier und sechs
ECTS, dort ist auch schon ein dritter Prüfungsantritt fix.
Vier Prüfungen im ersten Halbsemester
An der Wirtschaftsuniversität (WU) wurde einfach die bereits
seit
dem Wintersemester 2010/11 gültige verschärfte Eingangsphase zur
Studieneingangsphase umgewandelt. Dabei geht es um vier Prüfungen im
Umfang von 15 ECTS, die möglichst im ersten Halbsemester absolviert
werden sollen. Zuletzt ist das allerdings nur einem Viertel der
4.150 Erstsemestrigen geglückt, etwa 40 Prozent haben hingegen keine
einzige Prüfung bestanden bzw. sind gar nicht angetreten. Wer nicht
alle vier Prüfungen schafft - ob es dafür zwei oder drei Antritte
geben wird, soll erst am 22. Juni feststehen - ist künftig für alle
WU-Studien gesperrt.
Nicht ganz im Sinne des Gesetzgebers scheint die STEOP an der
Uni
Graz geregelt: Dort umfasst sie zwischen sechs und 24 ECTS,
allerdings können die Studenten auch Prüfungen aus später
vorgesehenen Teilen des Studiums vorziehen. Im ersten Studienjahr
können sie damit bis zu 40 ECTS sammeln und zusätzlich freie
Wahlfächer im Umfang von 20 ECTS belegen. Einen Widerspruch zum
Gesetz, laut dem erst der "positive Erfolg" in der
Studieneingangsphase dazu berechtigt, weitere Lehrveranstaltungen und
Prüfungen zu machen, sieht der dortige ÖH-Vorsitzende Cengiz Kulac
nicht. Immerhin gebe es auch eine Mindeststudiendauer, sagt er zur
APA. Daher sei es stimmig, wenn den Studenten ermöglicht werde, im
ersten Studienjahr die vorgesehenen 60 ECTS zu absolvieren.
Umfangreiche STEOP an Uni Wien
Zwischen 15 und 30 ECTS umfasst die STEOP an der Uni Wien und
ist
damit im Verhältnis zu anderen Standorten besonders umfangreich.
Einschnitte bringt sie etwa bei Lehramtsstudien, da sie unabhängig
vom Fach eine Pädagogik-Einführungsvorlesung beinhalten soll. Die
Folge: Wer diese Prüfung auch beim zweiten bzw. dritten Antritt nicht
besteht (der Senat entscheidet Mitte Juni über einen zusätzlichen
Prüfungstermin), ist für alle Lehramtsstudien an der Uni Wien
gesperrt.
Dass die Studieneingangsphase je nach Uni und innerhalb der
Unis
wieder je nach Studium derart unterschiedlich ausgestaltet ist, liegt
an den vagen Vorgaben des Gesetzgebers: Dieser schreibt nämlich nur
vor, dass die STEOP aus mindestens zwei Prüfungen bestehen und ein
Semester dauern muss. Die Unis müssen außerdem zwei Prüfungstermine
pro Semester anbieten. (APA)