In der Stille der Nacht

3. Juni 2011, 16:39

Der Mitsubishi i-MiEV war eine positive Überraschung. Am Namen könnte man noch feilen und zumindest im deutschsprachigen Raum den Mief wegbekommen

Keine Frage, dass dieser Wagen eine ganze Menge auch gewichtiger Nachteile hat und dass die Zeit noch nicht ganz reif ist. Die Reichweite ist läppisch, das Nachladen ist mühsam: Die wenigsten werden zu Hause eine Konstellation vorfinden, die ihnen ein praktisches und bequemes Aufladen ermöglicht. Und wo der Strom herkommt, weiß man schließlich auch nicht. Ja, schon, aus der Steckdose. Aber wurde er in einem Atomkraftwerk erzeugt oder in einem Kohlekraftwerk?

Das Fahren ist hingegen zweifelsfrei toll, so viel Euphorie sei zugelassen. Zuerst einmal Irritation: Drehen am Zündschlüssel - rennt der Motor? Stille. (Und Piepen.) Aber der Wagen fährt an. Geräuschlos biegt der i-MiEV aus der Parklücke. Passanten schauen irritiert, da fehlt etwas, ein Radfahrer verreißt den Lenker. Der unmittelbare Bewegungsradius dieses Autos ist mangels Geräuschkulisse schwer einzuschätzen.

Maßlose Neugier

Jetzt wird beherzt Gas gegeben. Oder gibt man hier etwa Ampere? Gar Watt? Die Beschleunigung ist jedenfalls ordentlich. Und sehr stringent. Lustig ist es ja an der Ampel, wenn die Krachmacher und Benzinfresser nebenan mitleidig auf einen herabschauen, mache tun ja gar so, als ob man in einem Mopedauto unterwegs wäre. Dann aber, wenn es Grün wird, lässt man die Stinker hinter sich. Die Beschleunigung ist richtig gut. Und 130 km/h auf der Autobahn sind auch drin.

Selbst bei vorschriftsmäßigem Tempo kann es passieren, dass man von der Polizei angehalten wird. Grund: maßlose Neugierde. Und ja, die Beamten wollen Probe fahren.

Ein besonderes Vergnügen ist der i-MiEV in der Nacht. In der Stille der Nacht. Wenn man selbst nicht als akustischer Umweltverschmutzer unterwegs ist, sondern lautlos durch die Stille schneidet, vielleicht ein bisschen Superfly hört, aber offen ist für die Umgebung. Und erst wenn man selber leise ist, hört man, wie laut und lärmig die anderen sind.

Was nervt, ist die Reichweite. Gerade man wenn so mit sich und dem Auto zufrieden durch die Stadt zieht, fällt dann der Blick auf den Reichweitenanzeiger. 73 Kilometer nur noch. 68. 62. Weit geht's nicht mehr. Der i-MiEV hat eine Reichweite von gut hundert Kilometern - das ist ein Wert, bei dem man bei einem anderen Auto schon mit dem Reservetank fährt. Hier geht's erst los.

Gestrenger Wächter

Die fallende Reichweite hat etwas Bedrohliches. Unvorhergesehene Wege und Umwege können den Fahrer in eine Ausnahmesituation katapultieren. Und auch die Aussicht, Martin, den gestrengen Wächter über den Standard, wieder mit dem Begehr des Einlasses konfrontieren zu müssen, sind kaum verlockend. Martin muss dann das große Tor aufsperren, dann kann der i-MiEV im Hof des Palais Trauttmansdorff mit einem Verlängerungskabel in der Küche neben dem Geschirrspüler angeschlossen werden, das macht insgesamt keinen schlanken Fuß und provoziert eine Reihe belustigter Fragen von netten Kollegen.

Auch zu Hause wirkt es seltsam, wenn man aus dem zweiten Stock das Kabel herablässt, um das Auto anzuhängen. Sinn macht der i-MiEV also nur, wenn man zu Hause (oder am Arbeitsplatz) einen Garagenplatz samt Steckdose hat und den Wagen ganz selbstverständlich und täglich anhängen kann.

Alles andere ist Zukunftsmusik. Gern auch leise.
Beschleunigung aus der Steckdose: Der Mitsubishi i-MiEV fährt ausschließlich mit Strom. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. der Standard hat den i-MiEV einem Praxistest unterzogen: Zwei wackere Gesellen machten sich auf den Weg, die Praktikabilität dieser innovativen Fortbewegung in der Stadt zu ergründen. Ohne Rücksicht auf Verluste. (Michael Völker/DER STANDARD/Automobil/03.06.2011)


Vom 23. Bezirk nach Simmering sind es rund 15 Kilometer. Bei der Abfahrt zeigt der voll aufgeladene i-MiEV eine Reichweite von 114 Kilometern an. Rund 20 Minuten später, mitten im Arbeiterbezirk, reicht die Ladung noch für 116 Kilometer.

Die Reichweitenanzeige orientiert sich ganz klar an den zuletzt gefahrenen Kilometern. Wer als vorausschauender Fahrer nach einem gestressten Manager in den i-MiEV steigt, kommt mit der gleichen Ladung bedeutend weiter.

Wer alle Stromfresser abschaltet, macht die Energie zur Reichweite. Wer die Klimaanlage ausschaltet und stattdessen das Fenster aufmacht, hat schon ein paar Kilometer gewonnen.

Reichweite maximieren

Sehr viel Energie kann man sich holen, wenn man den Motor ordentlich als Generator nutzt und die Bremsenergie nicht über die Scheiben an den Vorderrädern vernichtet, sondern in den Akku füllt. Tippt man sanft auf das Bremspedal, schaltet sich der Generator ein und lädt die Batterie, erst beim starken Bremsen arbeiten die Klötze.

Anders als der kürzlich hier getestete und an sich baugleiche C-Zero hat der i-MiEV drei unterschiedliche Modi zum Fahren. Neben dem normalen Drive- und dem Comfort-Modus gibt es einen für erhöhte Bremsenergierückgewinnung. Diesen Gang nutzt man vorzugsweise, wenn man vom Kahlenberg runterfährt - man kann ihn aber auch schnell einlegen, wenn vor einem die Ampel auf Rot springt. Der Wagen verzögert dann deutlich, und der nächste Start ist schon wieder zu einem guten Teil in den Akkus.

Jetzt kann man sich, wenn man den i-MiEV teilt, einen Spaß daraus machen, die Reichweiten durch eine besonders vorausschauende Fahrweise in lichte Höhen zu treiben.

Nach weiteren gut 30 Kilometern im Stadtverkehr purzelt die Reichweite auf 99 Kilometer. Mit eingeschalteter Klimaanlage und einem ambitionierten Gasfuß reicht die volle Ladung der Akkus nicht einmal annähernd so weit.

Dieses Vorhaben dient aber weniger dazu, die nervliche Belastungsgrenze des Kollegen Völker zu testen, sondern viel mehr soll der Versuch zeigen, wie sparsam man unterwegs sein kann - natürlich ohne ein Verkehrshindernis darzustellen. Und da geht doch einiges. Nur fühlt man sich bei Verbrennungsmotoren weniger dazu genötigt als bei einem Fahrzeug, das gerade einmal etwas mehr als hundert Kilometer weit kommt und nur eine Steckdose kennt - nämlich die im Hof des Standard.

Ohne Steckdose in der Garage ist man dem Wagen ein wenig ausgeliefert. Aber das ist auch schon die einzige Situation, in der man als Tester leicht verzweifelt. Denn sonst fehlt es dem i-MiEV an nichts. Vier Sterne hat er sich im Crashtest geholt, das ESP macht seine Arbeit sehr sauber, und von der Sitzheizung über die Klimaanlage bis hin zum Autoradio und den elektrischen Fensterhebern fehlt nichts von dem, was wir heute in einem Fahrzeug finden wollen - auch wenn es noch so viel Strom frisst.

Eine Stelle finden wir dann schon, an der wir noch weiter Energie sparen würden, wenn wir könnten. Auch wenn es nicht viel bringt, aber die Sicherung der Alarmtröte würden wir sofort ziehen und in weitem Bogen wegwerfen. Denn der i-MiEV piepst in einem fort. Natürlich dann, wenn der Gurt nicht geschlossen ist - aber auch wenn die Türe offen ist und der Schlüssel steckt, oder wenn der Schlüssel steckt, der Wagen aber noch nicht läuft und beim Anstarten. Das lautlose Fahren ist ja ein Genuss, aber das "Pling" beim Anstarten lässt einen dann doch an das sonore Blubbern eines V8-Motors denken und kurz aufseufzen. (Guido Gluschitsch/DER STANDARD/Automobil/03.06.2011)

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Josef Maurer
00
12.6.2011, 22:21
ich bin ihn gefahren

und ich sag mal (wobei sich viele, die Elektro-Autos schon gefahren sind anschließen):
das ist die Zukunft des Automobils. Ohne Frage und Diskussion. Vom Fahrgefühl her unvergleichlich (alleine der Drehmoment!), ist leise und stinkt nicht (im Autolift mit offenen Fenster! - bitte mal mit Verbrennungsmotor probieren ;) ).
Die Reichweite? Als 2. Auto egal (und als solches werden die Elektroautos kommen und einen Technologieschub bei den Batterien auslösen)
Das mühsame Tanken? Mühsam?!? i über Nacht an die Steckdose und alles ok (wie gesagt, als 2. Auto)

An alle Zweifler: Probieren und geläutert zurückkommen! ;)

Don schlau on
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Der iMIV schaut dem tata Nano ähnlich

nur der Preis stimmt nicht

Eiffel LaTour
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i-MiEV

Apple steigt ab sofort auch in den Heizung- Lüftungs- und Sanitärsektor ein, erstes Produkt bereits gelauncht, das i-MiEV, die Toilette, die sich per USB Kabel ans Mac Book anschließen lässt. Je nach Art des verrichteten Geschäfts wählt das MacBook das passende Unterhaltungsprogramm, vom kurzweiligen Failblog.org-Clip hin zu Monumentalschinken wie "Lawrence from Arabia".

Racksatte
12

Also ich freue mich schon auf die ersten "echten" Elektrofahrzeuge. Alleine das Drehmoment reißt die Wurscht vom Teller.
Nur bitte, liebe Industrie, baut die Wagerl a bisserl scheener als den Eimief. Der ist so hässlich, dass ich keinen Cent dafür bezahlen möchte.
Und die Reichweite erweitern, wäre nett. Bzw tauschbare Akkus, so dass man an der nächsten Tankstelle den leeren Akku abgibt, und einen vollen dafür erhält.

Bis dahin bleibt die leider Abhängikeit vom Öl...aber das muss uns wohl erst ausgehen, bis die Forschung in die alternativen Energien ernsthafter vorangetrieben wird...

Der Waehlerwille
 
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ein hässliches Auto mit einem sehr falsch gewählten Namen?

Uniquin
 
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wieso, der name ist mindestens genau so häßlich wie das auto.

Der Waehlerwille
 
00
So besehn, muss ich Ihnen unumwunden recht geben.

maxauthority
04

Findet irgendwer dieses auto huebsch? Warum schafft man es nicht, die leute fuer e-Autos zu begeistern, indem mal huebsche autos baut? Der iMiEV ist so ziemlich das haesslichste auto neben dem fiat multipla, das ich je gesehen hab.

ehschowissn2
03

also, der vergleich mitm fiat multipla... das hat selbst der imiev nicht verdient!

iMac
21
Kosten

Was das Auto kostet, d.h. was bei der Herstellung an Energie verbraucht wurde, wird hier leider nicht erwähnt. Da bleibt einem die Elektro-Euphorie nämlich leider gleich einmal im Hals stecken.

Heavyweather
00

Darauf schauen die Hersteller schon...mehr Energie kostet mehr Geld.
Je länger z.B. die Produktion dauert desto mehr kostet sie an Energie und Geld.

NoComment
00

ich denk ein fetter x5 etc. wird um einiges mehr energie brauchen, alleine schon von der stahlmasse her. die batterien sind auch nicht mehr so schlimm in der herstellung (das "die prius-batterien zerstören die welt"-geschichte hat sich ja mittlerweile als fake herausgestellt).

M.Honeybee
00

Kostet das Gleiche wie andere Autos. Nur die Batterie könnte man separat beleuchten.

Sonst: Preis: 35.900,- oder 499,- / Monat. = Ohne Batterie-Tausch-System so teurer wie zwei normale Autos gleicher Größe.

Parkschwein
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echt, wie verhalten sich denn die herstellungskosten im vergleich zu einem konventionellen automobil?

J4ReD
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Das ist der Preis der Innovation. Am Anfang (also jetzt) sind die E-Autos noch nur für Freaks und Innovatoren.
Aber das wird noch, in den nächsten Jahren werden sowohl die Kosten als auch der Energieaufwand der Produktion sinken.

Jedoch verbraucht auch die Herstellung eines Verbrennungs-KFZ auch sehr viel Energie und Rohstoffe... Nur so nebenbei. Aber der raucht halt während des Betriebes auch ordentlich. Und das stört (vor allem in der Stadt).

iMac
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Naja, man kann's natürlich auch unter dem optimistischen Filter sehen. Aber wenn man sich zB. den Preis eines Prius ansieht (um einiges Günstiger, komplexere Technologie), sieht man schon, dass da bei der Batterieerzeugung noch einiges an Innovation notwendig ist. Ich sehe da momentan keine ausreichende Entwicklung zur Lösung des Batterieproblems. Aber ansonsten bin ich natürlich auch Ihrer Meinung: Stinker raus aus der Stadt. Geht aber auch einfacher: Fahrrad, Füße, Öffis, Pendlerförderung, Benzin statt Diesel, gewichtsabhängige Steuer, Hybrid... Da sehe ich zu wenig Bewegung.

J4ReD
00

100% zustimmung.

Mehr Fahrräder, Fußgänger, Öffis usw. sind kurz und langfristig der beste ausweg.
Aber wenn ein Teil der Benziner auf der Straße elektrisch werden (für die, die es brauchen) und die luft hier besser wird, würde es mich doch sehr freuen.

Aber zur Innovation, natürlich gibts noch spielraum- die Technologie steht noch am Anfang und viel Innovation ist möglich (und nötig), aber ich habe keine Zweifel, dass die E-Autos eine große Zukunft haben.

Uniquin
 
00

wir haben auch eine andere jahreszeit namens winter, da funktionierts weder mit dem fahrrad noch mit dem e-mobil. ich sehe keinen grund warum die e-mobilität nicht binnen 3 jahren wieder aus der berichterstattung fliegt. die dinger sind um klassen unpraktischer als das was wir jetzt haben, dafür 3 bis 5 mal so teuer. nebenbei entfällt die drittgrößte steuereinnahme für den staat (Mineralölsteuer).

J4ReD
01

Ich bleib da bei meinem Analog vom Benzinauto.

Also als das erste Auto vorgestellt wurde war es langsamer, um etliches teurer und unpraktischer (wartung etc.) als ein Pferd.

Und womit bewegen wir uns heute fort? Mitm Pferd oder mitm Auto?

Und in 3 jahren wird das E-Mobil aus der Berichterstattung rausfallen, das stimmt. Aber deshalb, weil es normalität geworden ist- und es ist ja langweilig, über den ist-zustand zu berichten.

ravenna
21

Und? Verbrauch? Es ist ja nicht so, dass Elektro-Autos "gratis" fahren. Bei einem schlechten Strom-Mix stoßen die mehr CO2 aus, als ein sparsamer Diesel.

diskutier
00

können sie ihre behauptungen auch mit quellen belegen?

Sarang He
00
Deine Bemerkung hat nur mehrere Haken

Diese sparsamen Diesel, die im bei diesem schlechten Strommix unter alltagsbedingungen weniger CO2 ausstossen sind z.Z. kommerziell nicht verfügbar.

und so einen schlechten Strom-Mix bekommt man in Österreich als Privater eigentlich gar nicht.

ravenna
20

Erste Aussage ist falsch und die zweite bedingt auch. Wenn Sie ein E-Auto untertags "tanken", bekommen Sie keinen Wasserkraftstrom mehr. Der ist mit der Grundlast verbraucht. Ihr zusätzlicher Strombedarf wird durch Auslands-AKWs, Gas- oder Kohlekraftwerke gedeckt.

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