Stumme Zeugen

3. Juni 2011, 09:24
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Das Vorarlberger Frauenmuseum in Hittisau widmet sich heuer umfassend dem Thema Gewalt an Frauen

Hittisau - Dreißig rot lackierte Silhouetten stehen derzeit als "Silent Witnesses - Stumme Zeuginnen" im Vorarlberger Frauenmuseum Hittisau. Sie stehen für jene dreißig bis vierzig Frauen, die pro Jahr in Österreich ermordet werden. Täter sind oft die eigenen Ehemänner, Lebensgefährten, Brüder oder ehemalige Partner.

Die Ausstellung "Silent Witnesses. Stumme Zeuginnen" wurde vom Verein Autonome Frauenhäuser Österreich konzipiert und von der Künstlerin Ursula Janig gestaltet. Sie soll den weiblichen Opfern von Gewalt eine Stimme geben.

Parallel dazu läuft derzeit im Frauenmuseum Hittisau die bis zum 21. August verlängerte Ausstellung "Frauen im Kreuzfeuer" der britischen Kriegsfotografin Jenny Matthews. Seit mehr als zwanzig Jahren dokumentiert die Fotografin weltweit die Überlebenskämpfe und Überlebensstrategien von Frauen während und nach bewaffneten Konflikten.

Unterschwellige Gewalt

Gemeinsam bilden die beiden Ausstellungen das zweite Modul des Schwerpunktprojekts 2011 des Frauenmuseums zum Thema "Frauen und Gewalt". Gewalt an Frauen kann körperlicher, sexueller, psychischer oder auch ökonomischer Natur sein.

Sie kann aber auch unterschwellig in der Gesellschaftsstruktur verankert sein und durch ungleiche Machtverhältnisse Frauen benachteiligen. "Gewalt an Frauen ist nicht an Herkunft, sozialer Stellung, Alter oder Einkommen gekoppelt", sagt Ulrike Furtenbach, die Leiterin der Gewaltschutzstelle des Instituts für Sozialdienste (IfS) Vorarlberg.

Dabei spielt insgesamt Gewalt in der Familie die größte Rolle: 90 Prozent aller Gewalttaten werden nach Schätzungen der Polizei im sogenannten sozialen Nahraum ausgeübt. "Allein in Vorarlberg wurden im vergangenen Jahr 143 Betretungsverbote aufgrund von familiärer Gewalt ausgesprochen.

In 134 Fällen - das sind 96 Prozent - waren die Opfer Frauen", sagt Ulrike Furtenbach. (Raffaela Rudigier, DER STANDARD, Printausgabe 3.6.2011)

  • Jenny Matthews Bilder, hier Wahlen in "Afghanistan 2009", zeigt das Frauenmuseum in Hittisau.
    foto: der standard/matthews/fm hittisau

    Jenny Matthews Bilder, hier Wahlen in "Afghanistan 2009", zeigt das Frauenmuseum in Hittisau.

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