Hoheitliche Erschöpfung

2. Juni 2011, 19:08
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Seine Majestät konnte eine Ironieerschöpfung nicht hinter beschwipster Noblesse verstecken

Der penetrante ORF-Kaiser ist ja an sich ein Guter: Seine mittlerweile raren Fernsehauftritte waren immer von versöhnlicher Wirkung, wenn es um das Verhältnis zu geografischen Nachbarn ging. Auch seine patriotische Euphorien dämpfenden Kundmachungen kamen immer sympathisch und brauchbar daher.

Selbst sein frischer Versuch, aus Anlass des Qualifikationsspiels Österreich gegen Deutschland die Beziehungen der beiden Länder präventiv in amikale Bahnen zu lenken, mag womöglich brauchbare Effekte erzielen.

Dennoch: Seine Majestät Robert Heinrich I. konnte bei "Wir sind Kaiser - letzte Chance für Deutschland" eine gewisse Ironieerschöpfung nicht hinter beschwipster Noblesse verstecken. Gar viel wurde da aufgeboten - an Gästen, Zuspielungen und singenden und sonstigen Lakaien. Allein, irgendwie war der Langeweilewurm drin; es zog sich die Audienz (über 90 Minuten!) quälend dahin - und vergab auch so manche Chance. Statt etwa Herbert Prohaska, der ja durchaus Schmäh hat (diesen aber vor jedem zu kommentierenden Spiel ablegt) etwas mehr Zeit zu gewähren (wie auch dem deutschen Fußballkommentator Marcel Reif), mussten u. a. unbedingt auch noch Desiree Nick und Marika Lichter in die Sendung gepresst werden.

Nick, als nervige Sisi verkleidet, war natürlich nicht zu bremsen. Weder durch Bilder, auf denen man sie Känguru-Hoden essend sah, noch durch die verzweifelte kaiserliche Aufforderung an Lichter, sich mit ihrer ganzen Pracht auf Nick draufzusetzen. Als schließlich auch noch der Lugner reindurfte, war's um die Sendung geschehen. Sie wirkte wie ein überfahrener Dudelsack. (Ljubiša Tošić/DER STANDARD; Printausgabe, 3.6.2011)

  • Robert Palfrader, Herbert Prohaska, Rudi Roubinek.
    foto: orf/badzic

    Robert Palfrader, Herbert Prohaska, Rudi Roubinek.

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