"Man kann ja nicht einmal tot sein"

Renate Graber, 3. Juni 2011, 18:59
  • Rudolf Taschner: "Gerechtigkeit ist etwas Kaltes. Wenn einem Gerechtes widerfährt, aber nicht mehr, ist man fast ein bisserl enttäuscht."
 
  
 

 
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    Rudolf Taschner: "Gerechtigkeit ist etwas Kaltes. Wenn einem Gerechtes widerfährt, aber nicht mehr, ist man fast ein bisserl enttäuscht."

Der Mathematiker Rudolf Taschner hält Gerechtigkeit für eine Illusion und Gelassenheit für das Wichtigste im Leben

Der Mathematiker Rudolf Taschner hält Gerechtigkeit für eine Illusion und Gelassenheit fürs Wichtigste im Leben. Warum ihm die Unendlichkeit näher ist als die Null, was das Unsagbare am Endlich-Sein ist und wo ihn selbst das Heimweh überfällt, erfragte Renate Graber.

***

STANDARD: Was sagt Ihnen 15444?

Taschner: 15444? Eins-fünf-vier-vier-vier? Ich weiß nicht, ein Datum vielleicht?

STANDARD: Es ist die Nummer eines Kontos, hinter dem die Justiz Karl-Heinz Grasser vermutet.

Taschner: Ach ja, Sie suchen einen Konnex zwischen Nummer und Grasser.

STANDARD: Eine Idee?

Taschner: Nein. Das ist nicht einmal eine Primzahl.

STANDARD: Was fasziniert so an Primzahlen?

Taschner: Dass man nicht ganz genau weiß, wie sie aufeinander folgen. Sie tun das ganz wirr, es gibt riesige Abstände und dann wieder Primzahlzwillinge wie 17 oder 19, die sich nur um zwei unterscheiden. Aber kein Mensch weiß, ob es unendlich viele solcher Zwillinge gibt. Carl-Friedrich Gauß haben sie sehr fasziniert: Statt in gefährlichen Situationen zu beten, hat er die nächsten Primzahlen errechnet.

STANDARD: Und Blaise Pascal hat gerechnet, um sein Kopfweh los zu bekommen.

Taschner: Alle bekommen Kopfweh, wenn sie sich mit der Mathematik beschäftigen, Pascal hat sie betrieben, um es los zu werden.

STANDARD: Sie lehren an der Uni, bringen im math.space Kindern wie Erwachsenen die Mathematik lustvoll näher, beschäftigen sich mit Philosophie. Jemand nannte Sie einen Universalgelehrten ...

Taschner: Ein schönes Wort. Das wär' ich sehr gern. Wobei, Professor ist auch ein schöner Begriff, der steht auf meiner Visitenkarte.

STANDARD: Vielleicht steht am Grabstein dereinst "Gelehrter". 

Taschner: Ach, auf meinem sollen nur der Name und die zwei Jahreszahlen stehen. Ist doch ganz egal, was am Grabstein steht: Die Welt ist ja vorbei, wenn man tot ist. Man kann ja nicht einmal tot sein.

STANDARD: Weil man nicht mehr "ist"?

Taschner: Entweder "tot" oder "sein": Beides geht nicht. 

STANDARD: Wie sagt man dann?

Taschner: Schwierig. Da bricht alle Logik zusammen.

STANDARD: Nochmal kurz zu Grasser. Interessiert Sie diese Causa?

Taschner: Haben wir keine anderen Sorgen?

STANDARD: Wenn wir uns nicht mit den Niederungen der Politik beschäftigen: Laufen wir da nicht Gefahr, das Wichtige in der Politik zu vernachlässigen?

Taschner: Das sind keine Niederungen, das ist Kehricht.

STANDARD: Der interessiert den Wissenschafter nicht, weil er keine Geheimnisse darin vermutet?

Taschner: Das ist alles sehr offensichtlich, und es geht auch nicht nur um Gesetze oder Schuld und Unschuld. Es gibt doch den Anstand, aber unsere Gesetze ersetzen ihn. Die Leute werden durch Gesetze pädagogisiert und verlernen so den Anstand, das ist fürchterlich. Sie interessieren sich nicht mehr für das Savoir-vivre, das ist schade.

STANDARD: Das Wort anständig kann ja ziemlich missbraucht werden. Göring hat bei seiner Verhaftung gesagt, "Jetzt habe ich wenigstens zwölf Jahre anständig gelebt."

Taschner: Unglaublich, das war ein anderer Anstand; das Zyankali hatte er schon in der Tasche, als er das gesagt hat.

STANDARD: Damit hat er sich seinem Prozess entzogen. Waren die Nürnberger Prozesse in Ihren Augen gerecht?

Taschner: Das kann man bei Prozessen nie sagen, denn wir können mit Urteilen kein Leid aufheben. Was ist mit den Menschen, die in Srebrenica ihre Familie verloren haben? Bringt ihnen der Prozess gegen Ratko Mladic das Gefühl, der Gerechtigkeit werde Genüge getan? Hätte bin Laden vor ein Gericht gehört?

STANDARD: Was meinen Sie?

Taschner: Man muss anderswo ansetzen. Der Begriff Krieg hat sich verändert. Früher gab es eine Kriegserklärung, dann wurden Söldner eingestellt fürs Kämpfen, die wussten, dass es um ihr Leben geht ...

STANDARD: ... der anständige Krieg.

Taschner: Sozusagen. Napoleons Kriege waren dann schon schlimm, und der erste ganz schreckliche Krieg war der Amerikanische Bürgerkrieg ab 1861: das erste große Schlachten. Heute führen Staaten gegen Staaten Krieg oder NGOs gegen Staaten...

STANDARD: Welche NGOs führen Kriege?

Taschner: Al Kaida ist so etwas wie eine NGO. Aber was ich sagen will: Wo immer heute Krieg geführt wird: Man hält sich nicht mehr an die alten Regeln, was man nicht einmal im Kriegsfall machen darf. Immanuel Kant hat diese Regeln aufgestellt, Brunnenvergiften etwa. Es gibt Dinge, die darf man selbst im Krieg nicht tun, weil sonst kein Friedenschließen mehr möglich ist. Dann bleibt nur mehr die Vernichtung. Das haben wir bei Hitler und seinem Russland-Feldzug gesehen. Al Kaida kämpft auch so, und darum haben die Amerikaner bin Laden vernichtet.

STANDARD: Es gibt ja auch noch das "gerechte Vergessen". Im Westfälischen Frieden 1648, nach dem 30-jährigen Krieg, hat man das postuliert oder Churchill nach dem Zweiten Weltkrieg. Österreich ist im Vergessen ja besonders gut.

Taschner: Das heilsame Vergessen, das gibt es. Aber wenn Sie von Österreich reden: Wir kauen nicht an der Zeit 1938 bis 1945, sondern an 1934 bis 1938. Was da herumgeredet wird, dabei war der Bürgerkrieg bei uns im Vergleich zum spanischen eine Schießerei. Wir können diese Zeit mit ihren zwiespältigen Figuren wie Engelbert Dollfuß, der gleichzeitig Arbeitermörder und Opfer der Nazis war, oder Kurt Schuschnigg, der kämpfen hätte lassen müssen, sowieso nur historisch betrachten. Beurteilen können wir sie nicht mehr. Und vergessen kann man nur, wenn man weiß, was man vergessen will. Aber was diese Zeit betrifft, wissen wir noch gar nicht, was wir in die Scheunen der Geschichte stellen wollen - und dann ohne Emotionen bedenken wollen.

STANDARD: Apropos Savoir-vivre: 2007 hat Sie Kanzler Alfred Gusenbauer auf den Opernball eingeladen. Sie sind hingegangen?

Taschner: Sicher, das Kanzleramt hat angerufen und uns gefragt. Wir dachten, das sei ein Fake ...

STANDARD: Der Ö3-Mikro-Mann? Aber den kennen Sie eher nicht.

Taschner: Doch, kenne ich. Qualtinger hat diese Fakes übrigens auch gemacht. Bei uns war es keiner, und der Ball war sehr schön.

STANDARD: Sie tanzen gern?

Taschner: Mit meiner Frau sehr gern. Obwohl sie erklärt, ich könne es nicht so richtig. Aber ich werde es ihr immer wieder zeigen.

STANDARD: In Ihrem jüngsten Buch geht es um Gerechtigkeit. Wir sind hier im Café im Justizpalast und gerade an der Justitia vorbei gegangen. Wohnt hier die Gerechtigkeit?

Taschner (lacht): Das glaube ich nicht. Hier wohnen die Urteile. Gerechtigkeit ist ein diffuser Begriff und viel weiter als die Justiz das je fassen könnte. Wer kann nur gerecht sein?

STANDARD: Der besonnene Herrscher, sagt Platon.

Taschner: Ja, jetzt gibt es aber nur noch Institutionen, und die haben Agendas. Da wird es schwierig mit der Gerechtigkeit.

STANDARD: Sie halten Gerechtigkeit für eine Illusion. Lässt sich Gerechtigkeit am besten über Ungerechtigkeit definieren?

Taschner: Ja, denn die Ungerechtigkeit ist manifest.

STANDARD: Was ist denn das Gerechteste, das Ihnen je passiert ist?

Taschner: Das Gerechteste? Völlig uninteressant. Wissen Sie, das Gerechte ist gar nicht so wichtig, Gerechtigkeit ist etwas Kaltes. Der Mensch möchte mehr: Er strebt nach Glück. Wenn einem Gerechtes widerfährt, aber nicht mehr, ist man fast ein bisserl enttäuscht.

STANDARD: Das Ungerechteste in Ihrem Leben?

Taschner: Ich war ein Kind, als ich meine Eltern verlor. Das war Schicksal, aber gerecht war es nicht. Gerecht war dann, dass ich ins Gymnasium und Internat des Theresianum kam. Es war wie bei Harry Potter: herrlich.

STANDARD: Sie beschäftigen sich mit Geschichte, sagen, das Einzige, was sie uns lehrt, sei Melancholie. Sie wirken aber recht fröhlich.

Taschner: Soll ich mir deshalb eine Depression antun? Ich versuche, das Sanguinische in mir wachzuhalten.

STANDARD: Wenn man viel versteht, muss man da nicht traurig werden?

Taschner: Nein, der große Meister Eckhart, einer der tiefsten Denker überhaupt, lehrt Gelassenheit. Gelassenheit ist das Wichtigste. Was kann einem schlimmstenfalls passieren im Leben?

STANDARD: Dass es endet. Ist eigentlich die Unendlichkeit das Interessanteste in der Mathematik?

Taschner: Schon. Zahlen sagen nur: Zähl mich weiter. Das Tolle ist, dass es ewig weitergeht.

STANDARD: Beunruhigt das nicht?

Taschner: Im Gegenteil. Das ist wie Weihnachten: Wurde Ihr Wunsch erfüllt, ist es vorbei und Sie spüren diese Melancholie der Erfüllung. Das erleben wir auch in der Politik: Unsere Träume aus den 50ern und 60ern sind erfüllt, jetzt haben wir keine Visionen mehr.

STANDARD: Die Unendlichkeit interessiert Sie mehr als ihr Gegenteil, die Null. Warum haben gerade die Inder die Null erfunden?

Taschner: Die indische Welt ist voll von Göttern, die sind im Haus, im Garten, unterm Tisch, überall. Irgendwann kommt einer drauf: Da ist nichts. Leere. Null. Er findet es herrlich. Null ist auch etwas Interessantes: Null ist ein Geheimnis.

STANDARD: Leere müsste Ihnen gefallen. Sie sagen, die Mathematik sei ohne Pathos und Kitsch ...

Taschner: Das Unpathetische ist sehr wichtig.

STANDARD: Sicher ist Ihre Wohnung nicht sehr voll geräumt.

Taschner: Wenig Bilder, keine Nippes.

STANDARD: Sie lieben die Stadt. Man sagt, Sie bekämen schon in Purkersdorf Heimweh. Wirklich?

Taschner: Stimmt. Ich liebe Wien und die Aura dessen, was hier einmal gewesen ist.

STANDARD: Hätten Sie 1900 gelebt, wären Sie sicher im Café Central neben Peter Altenberg gesessen ...

Taschner: ... und nach 1945 hätt' ich auf der Marmorplatte vom Kaffeehaustisch gerechnet. Mein Lehrer, Edmund Hlawka, hat das gemacht nach dem Krieg, als das Papier so knapp war. Der Ober hat es dann wieder abgewischt.

STANDARD: Ins Café Mozart gehen Sie so gern, weil Mozart auch ein Mathematik-Talent war?

Taschner: Er war sehr gut, konnte sehr gut kombinieren, auch vorwärts und rückwärts sprechen. Er war ein Großer, aber menschlich? Naja, sehr in sich selbst verliebt.

STANDARD: Kennen Sie ein liebenswertes Genie?

Taschner: Albert Schweitzer etwa war ein toller Mensch. Martin Buber (österreichisch-isrealischer jüdischer Religionsphilosoph; Anm.) war ein großer Mensch und tiefer Denker. Es gibt tiefe Denker, die große Menschen waren und große Denker, die minimale Menschen waren. Martin Heidegger (deutscher Philosoph und bis 1945 NSDAP-Mitglied; Anm.) etwa: menschlich eine miese kleine Figur, aber ein großer Denker. Interessanterweise sagte er nicht: "Ich denke", sondern "Es denkt".

STANDARD: Ihr Lieblingsplatz in Wien?

Taschner: Der Michaelerplatz. Da hat man alle Baustile: alte Burg, Looshaus ...

STANDARD: Jugendstil gefällt dem klaren Mathematiker am besten?

Taschner: Ich bin ja, Gott bewahre, nicht nur Mathematiker. Auch Barock ist toll, da wurde die Differentialrechnung entwickelt. Die Renaissance hatte genaue Proportionen, also Zahlenverhältnisse, im Barock hat man begonnen, durch Null zu dividieren.

STANDARD: Darf man nicht.

Taschner: Im Barock tat man es, und alles wurde anders. Und dann hat man Null durch Null dividiert. Beim Differenzieren ist es erlaubt, allerdings ist die Null als Grenzwert zu verstehen.

STANDARD: Warum ist die Null gefährlich, wie Sie sagen?

Taschner: Weil wenn Sie Null durch Null dividieren, bekommen Sie alles.

STANDARD: Schlecht?

Taschner (lacht): Das ist die Büchse der Pandora.

STANDARD: Sie sagen, die Mathematik habe das Ziel, den Zufall zu bändigen. Wäre es nicht schade um den Zufall?

Taschner: Der Zufall bekommt seinen Sinn überhaupt erst durch die Mathematik. Nehmen Sie die Wahrscheinlichkeitstheorie, mit der Sie zum Beispiel sagen können, dass Sie mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Sechstel einen Sechser, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent eine ungerade Zahl würfeln können. Damit diese Theorie stimmt, müssen Sie aber richtig, also zufällig, würfeln. Sie dürfen nicht den Würfel einfach auf eine Seite legen. Der Zufall ist also Bedingung dafür, dass ich diese mathematische Theorie anwenden kann. Versicherungsmathematiker und Croupiers kriegen den Zufall in den Griff. Ein Mensch muss "zufällig" sterben, damit die Versicherungsgesellschaft ihre Prämien so errechnen kann, dass sie Gewinne daraus lukriert. Man kann anhand vieler zufälliger Ereignisse berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eintreten. Der Zufall lässt sich aber nur im Ensemble berechnen, nie im Einzelnen.

STANDARD: Dass Sie am 17. Jänner 1994 Ihre Frau im Café Engländer kennen gelernt haben ...

Taschner: ... war nicht Zufall, sondern Schicksal.

STANDARD: Welche Formel mögen Sie eigentlich am wenigsten?

Taschner: Es gibt einen Beweis vom Vierfarbensatz, der ist aber noch nicht schön. Sie müssen sich den Vierfarbensatz so vorstellen: Sie haben eine Landkarte, und versuchen die Länder mit Farben so zu belegen, dass keine Länder mit gleicher Farbe aneinander stoßen. Das ist ein schöner Satz - aber der Beweis, dass man mit vier Farben auskommt, kann bisher nur mit dem Computer geführt werden. Das ist kein schöner Beweis.

STANDARD: Was wäre ein schöner Beweis?

Taschner: Man sitzt vor dem Problem und ruft plötzlich aus: "Aaah, jetzt verstehe ich es." Von Euklid (griechischer Mathematiker, ca. 300 vor Christus; Anm.) gibt es einen schönen Beweis dafür, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Alle, die ihn lesen, weinen: Die einen, weil sie's noch immer nicht begriffen haben, die anderen, weil er so schön ist.

STANDARD: Manche nennen Sie ja den "Marcel Prawy der Mathematik", weil Sie den Leuten Mathematik so locker beibringen wie er einst die Oper. Mit Plastiksackerl, in denen Prawy seine Habe aufgehoben hat, kann ich sie mir aber nicht sehr gut vorstellen.

Taschner: Ist auch kein so guter Vergleich. Erstens ist Prawy leider schon tot und zweitens passen Plastiksackerl wirklich nicht zu mir. Aber Prawy war ein großer Mann. Ein Kollege sagte sehr nett so: "Der Marcel Prawy ist der Taschner der Musik." (lacht)

STANDARD: Verbessern Sie die Welt mit dem, was Sie tun?

Taschner: Eine Dame sagte einmal zu mir: "Wissen Sie, ich habe es noch immer nicht verstanden. Aber auf einem viel höheren Niveau." Eigentlich sollen die Leute nach meinen Vorlesungen von sich selbst etwas mehr verstehen.

STANDARD: Klingt schon ziemlich philosophisch. Ticken Mathematiker und Philosophen sehr unterschiedlich?

Taschner: Ein richtiger Mathematiker ist ein Philosoph.

STANDARD: Weil wir gerade bei Plastiksackerl und Ihrem Stil waren: Sie treten nur in Anzug und Krawatte auf; niemand hat Sie je im T-Shirt gesehen. Entspricht das Ihrem Bild des Gelehrten?

Taschner: Es gefällt mir einfach, und ich besitze kein T-Shirt. Aber es gibt auch schlampige und chaotische Mathematiker.

STANDARD: Die hohe Mathematik ist also nicht nur etwas für Ordnungsfreaks wie Monk?

Taschner: Monk?

STANDARD: Adrian Monk: TV-Serienheld, Detektiv, sehr zwanghaft.

Taschner: Naja, als Kind habe ich in den Gängen des Theresianums versucht, nicht auf die Linien zwischen den Kehlheimer Platten zu treten. Ich studiere auch Autonummern und freu' mich, wenn ich die 313 sehe (Autonummer von Donald Duck; selbiger geboren am 13. März; Anm.). Verrückter Mathematiker eben.

STANDARD: Sie nennen sich einen frommen Agnostiker. Wieso?

Taschner: Genau wissen wir's ja nicht.

STANDARD: Vorsichtshalber fromm?

Taschner: Nein, mit Vorsicht hat das nichts zu tun, das wäre zu feig. Es hat mit der Sehnsucht zu tun.

STANDARD: Sehnsucht wonach?

Taschner: Das weiß man ja eben nicht. Eine Sehnsucht hin zum Transzendenten vielleicht. An den Satz "Voilà, das war das Leben, alles vorbei" glaube ich nicht. 

STANDARD: Worum geht's im Leben?

Taschner: Es geht ums Verstehen. Und um Weisheit, Sehnsucht und Wehmut: Wir ahnen, was wir erreichen wollen, wir wissen, dass wir es nicht erreichen werden, aber wir sollen die Sehnsucht danach niemals aufgeben. Irgendwann einmal fallen wir in Gottes Hand. Glauben Sie mir, das ist es. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.6.2011)

RUDOLF TASCHNER (58) stammt aus Niederösterreich und besuchte, nachdem er mit zehn Jahren Vollwaise geworden war, das Internat des Theresianum in Wien. Er studierte Mathematik und Physik, seit 1977 lehrt er an der TU Wien, ist Professor am Institut für Analysis und Scientific Computing. Der leidenschaftliche Citoyen und Denker bringt Interessierten die Mathematik locker näher, als Autor und bei seinen Vorlesungen im math.space im Museumsquartier. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, mit denen und derentwegen er auch Sport betreibt: Eislaufen.

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Posting 176 bis 225 von 338
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Sie sind ja komplett ahnungslos ???

Sie sollten mal ein Grammatikbuch aufschlagen und sich den Unterschied zwischen einem Hilfsverb und einem Vollverb anschauen.

Oder eigentlich ist es egal, ob Sie den Unterschied kennen oder nicht und deshalb pseudophilosophischen Schwachsinn reden. Aber einem Professor sollte es halt nicht passieren.

Jaja, Grammatikbuch, klar ...

Kann etwas tot sein, das gar nicht leben kann?

Ja, sicher.

Tote Leitungen, tote Batterien, tote Materie, tote Hosen, totes Meer ... mit ein bisschen Fantasie koennen Sie vieles als tot bezeichnen, das nie gelebt hat oder leben wird.

Aber darum geht es hier nicht. Es ist ein reines Sprachproblem.

Für sie ist es ein Sprachproblem, für uns ein

Logik-Problem, das IST das Problem...

"Tot sein" vermittelt das Bild als ob man in der Totenstarre verharrt und immer weiter so "ist". Taschner will offensichtlich darauf hinaus, dass man nach dem Tod nicht 'mal mehr im toten Zustand verharrt, sondern gar nicht mehr ist.

Man ist aber nicht "gar nicht mehr", wenn man tot ist. Man kann die DNS auch aus einem Koerper entnehmen, der bereits verwest ist, naemlich aus den Knochen und den Zaehnen.

Also auch das Argument zieht nicht wirklich.

Geben Sie ein Stück von ihrem Dasein her, wenn sie beim Frisör waren? Der Umstand, dass DNA stukturell nach dem Tod zT erhalten bleiben mag impliziert für mich nicht die Ausdehnung des Seins. Oder kann ich etwa das Sein von jemanden zur Gänze zerstören, in dem ich chemisch dessen DNA-Stränge postum zerstöre?

Da würde noch eher einsehen, wenn von jemanden ein (Lebens-)Werk erhalten bleibt, dass er nicht ganz nicht mehr ist.

Es gibt natuerlich Faelle, in denen man nach dem Sterben keine DNS mehr nehmen kann und der Koerper wirklich total zerstoert ist.

Aber das fuehrt schon zu weit, weil es in Wirklichkeit ganz einfach um ein sprachliches Problem geht.

Zu sagen, dass ich nicht tot sein kann, ist Schwachsinn, weil die Betonung auf "tot" liegt und das "sein" nur ein Hilfsverb ist, das das "tot" unterstuetzt..

"Sein" als Vollverb hat die Bedeutung "existieren".

Man kann die beiden nicht vermischen. Das ist so, als wuerde man den Nobelpreis mit dem Benzinpreis gleichsetzen. Selbes Wort, andere Bedeutung.

Ich bin fast sicher, dass Taschner das auch weiss und dass das Ganze nur peinliches Verlegenheitsgequassel war.

"Aber das fuehrt schon zu weit, weil es in Wirklichkeit ganz einfach um ein sprachliches Problem geht."

Da sind wir einer Meinung. "Wenn ich tot bin" sagt sich leichter als "wenn ich gestorben sein werde". Übrigens ist im zweiten Fall das "sein" richtig, weil es sich nicht auf den Zustand nach dem Sterben bezieht, sondern auf das vergangene Sterben.

Ja, zwei Hilfszeitwoerter hintereinander. Haesslich.

Ich spiele uebrigens sehr selten die Sprachpolizei, aber die Bemerkung des Professors ist mir gegen den Strich gegangen. Wahrscheinlich, weil sie so pseudo-bedeutungsschwer ist.

"pseudo-bedeutungsschwer"

Das ist ein Begriff, der mir nicht eingefallen ist; mir ist aber Ähnliches in den Sinn gekommen. Eigentlich ist mir der Taschner sympathisch, hab ein ein paar Bücher von ihm gelesen, es gibt auch ein nettes Mathematik Schulbuch und bei diversen ORF-Sendungen hat er Kluges gesagt. In letzter Zeit allerdings kann ich mich nicht so sehr begeistern für seine Äußerungen. Richtig bewusst wurde es mir, als er guest starring beim Pröll'schen Schuldenvideo war.

Naja, vielleicht wirds wieder.

nichts verstanden, hm?

wieso? er/sie hat schon recht: man sollte eig. eine rein sprachliche konstruktion (hier einvhilfsverb) nicht mit einem (hier noch dazu potentiell philosophisch aufgeladenen) begriff vermischen, darum ging es ihm/ihr.

sie - selber - :-\ (spiegel)

Versucht da jemand das Unerklärbare zu erklären?

Es gibt auf Bayern alfa auch so einen Astrodampfplauderer, dem kann ich besser in die "Wissenssümpfe" folgen, und bei Taschner kommt mir oft vor er kennt sich selber nicht aus und beginnt dann religiös zu fabulieren....

Aber es gibt auch schlampige und chaotische Mathematiker...Tshirt???

Mathematik, das Sein in Pixel zerlegt um nicht an der Begrenztheit unserer Bio-Festplatte zu verzweifeln....

pseudophilosophisches geschwurbel mit

mathe-touch. da faselt ein privilegierter professor über gerechtigkeit, politik und 'unendlich', 'unschöne' computerbeweise, zufall und gott, an den er nicht glaubt, aber sich doch ein hintertürl offen hält.

ein schwachmathisch-tillosophischer opportunist.

bist wohl bei einer seiner prüfungen durchgefallen was ;-)

Taschner und Oberhummer

die zwei sind super! Wenn man mehr Menschen zu den Naturwissenschaften bringen will, braucht man genau solche "Typen". Interessant, ein wenig schrill, mit durchaus ungewöhnlichen Meinungen.
Durfte bei beiden ein wenig studieren und es war sehr interessant.

wobei Mathematik natürlich keine Naturwissenschaft ist, sondern eine Geisteswissenschaft. Allenfalls auch Hilfswissenschaft für Naturwissenschaften, indem sich Naturwissenschaften der Sprache der Mathematik bedienen.

In der Mathematik geht es um Theorienbildung die mit den bestehenden math. Theorien widerspruchsfrei ist.

Wenn die Teletubbies Heidegger treffen ...

"Man kann ja nicht einmal t. sein" ...
Bin ich aber froh, dass ich nicht einmal T. sein muss!

katholischer Mief als Philosophie verpackt,
Wissenschaftler des Jahres ohne Publikationen, ein Selbstvermarktungsgenie, Der Standard= Bühne

Wissenschaftler des Jahres ohne Publikationen

Dieser Titel wird von Journalisten vergeben und die haben andere Kriterien ...

Ja, genau, darum sollte man es auch Medienstar des Jahres nennen und nicht irreführenderweise Wissenschaftler. Dieser Mann verzapft trotzdem belangloses, seichtes, selbstgefälliges Zeug, das nur für sehr einfache Gemüter als Weisheit daherkommt.

auf den punkt gebracht! danke.

dieses interview zeigt, wie die furcht vor tiefen gedanken banalitäten erzeugt.

sehr selbstverliebt
ne kleine nummer die ganz groß aufgebläht wird ist noch immer keine primzahl

bäuerlicher Kaffeetratsch

Er behauptet, Quasselsuse Heidegger ("das Nichts nichtet...") sei ein großer Denker gewesen.
Sie glaubt, dass ein gewisser Monk jedermann bekannt sei.
Wie überaus traurig.

Ihr Posting ist ja echt nur mehr peinlich.

Wenn Mathematik zur Naturpyramide der Effizienz (Leibniz, Lagrange) gehört, dann ist Gerechtigkeit ein »unschöner« Grenzwert der, der ersten Pyramide entgegengesetzen ineffizienten Pyramide der Zivilisierung (Verbesserung) des Menschen.

Wäre Rudolf Taschner doch bei seinen Leisten geblieben !

Warum wollen sie andere so beschränken? Machen sie das mit sich selbst auch? Das wichtigste für uns alle ist doch die stetige weiterentwicklung!

Weil Taschner (nur) auf Wunsch seines Verlegers in diesem Feld herumdilettiert (Selbstangabe).

jemand kann in Ö Prof werden, ohne etwas von vanity numbers zu wissen.

herrlich!

Die richtigen Profis sitzen natürlich wie immer hier im Forum.

nettes interview

besonders mit der thematik auf die zufälligkeit.
aber ein mathematiker der ans schicksal glaubt?
ist doch auch ein bisschen ein widerspruch in sich selbst.
^_^
bitte belegen sie einmal schicksal mathematisch, das könnte schwer werden :D

Kein Widerspruch

Deshalb sagt er ja auch, dass jeder Mathematiker auch ein Philosoph sein muss.

Dass Sie existieren, ist wohl Schicksal. Ein mathematischer Beweis, dass Sie existieren, wird nämlich innerhalb der Mathematik nicht gelingen. Es handelt sich (bei Ihrer Existenz) um eine reine Annahme, die aber praktisch gut funktioniert.
Abgesehen davon gibt es z.B. in der Mathematik diverse Grenzwertsätze. Eine Folge von Funktionen mit gewissen Eigenschaften konvergiert (zwangsläufig = schicksalhaft) gegen eine bestimmte andere Funktion. Unter gegebenen Voraussetzungen kann eine Funktion (die ihre Voraussetzungen nicht kennen muss, diese sind einfach gegeben) ihrem Schicksal also nicht entfliehen ... (Z.B. "konvergieren" wir Menschen gegen den Tod.) Was liegt jetzt das Problem in einem bestimmten einzelnen Ereignis ein Schicksal zu sehe

und wie kann der M. Prawy jetzt doch "tot" "sein"???

Tief?

- so kann man sich "tiefst" in die tasche denken...!
;)

warum muss der Standard immer den Taschner interviewen... Interviewt mal einen richtigen Mathematiker.... Bitte....

und was würden die uns erzählen?

und wer sollte das sein?
Dafür gibts ja das internet mit zahlreichen Blogs, die sich auf verschiedensten Niveaus mit Mathematik beschäftigen.

Start here: http://rjlipton.wordpress.com/ (Gödels lost letter)

sqrt(5)=1+2 e^(2*pi*i/5)+2 e^(8*pi*i/5)

es werden meistens Leute interviewt, die ZUSÄTZLICH zu ihrem normalen Beruf auffallen.
Was immer man davon hält, aber wenn jemand ein Projekt wie math space ins Leben ruft, das großen Anklang findet und Bücher schreibt, die von einem breiten Publikum gelesen werden, dann tut er etwas, das auffällt und aus dem "normalen" Berufsleben heraussticht.

Wenn jemand in die Öffentlichkeit, auf die Öffentlichkeit zugeht, sich präsentiert etc - dann ist er auch präsent.

Mathematiker, die sich lieber auf ihr Fach konzentrieren, wollen vielleicht gar nicht in der Öffentlichkeit stehen und Interviews geben.

T scheint mehr politischer

Mathematiker zu sein, als ich dachte. Mainstreammathematik?
Mathematik macht nicht die Welt, manche Mathematiker tun nur so.
Vor allem die "schöne" Mathematik gilt oft nur in lächerlich kleinen Domänen.
Die Wahrscheinlichkeitstheorie ist kein ungefährlicher Verführer. Philosophisch sehr fragwuerdig. Ehrliche Finanzmathematiker wissen das.
Axiomatische und algorithmische Mathematik sind nicht einerlei. Kein Wort darüber im 21. Jhdt.?
Kein Wort über die "Krise" der Mathematik als Datenkomression durch die neuen Computermuskeln - Brute Force statt ausgeklügelter Schemata, ... ?Prozesse als computation verstehen ...?
Übrigens wir wissen alle, was gerecht ist. Wir haben die Feststellung aber an Religionen, Idelogien, Justiz, .. outgesourct.

Mensch, Philosophie, Mathematik (i)

»Axiomatische und algorithmische Mathematik sind nicht einerlei«

»Brute Force statt ausgeklügelter Schemata, ... Prozesse als computation verstehen«

Da fühle ich mich als Philosoph in meinen Bedenken gegenüber dieser Entwicklung verstanden. Der daraus entspringende »Restplatonismus« (Kant: idea est conceptus archetypus) muß m. E. nicht im Dunkel der Metaphysik versinken, wenn man die analytische Sprachphilosophie mit »ruach« oder der »Einbildungskraft« der anthropologischen Psychologie ergänzt, was übrigens besser mit der Neurologie des Gedächtnisses übereinstimmt. Ich halte das »Schema« (bei Kant der Begriff einer Idee) für den optimalen Kompromiss zwischen räumlicher Einbildungskraft und zeitlicher Linearität der Verschriftlichung.

Als Mathematiker denke ich

eher an die Sprache der Mathematik und die operationale Semantik von Sätzen. Ganz praktisch.
In der Praedikatenlogik sind 2 Funktionen identisch, wenn sie identische I/O Beziehungen haben. In der Realität gibt es aber Zeit und Resourcen und diese bestimmen Kosten und Risiken der Mathematik mit.
Ich befürchte, ich enttaeusche Sie da.
Es ist wie im Leben, wir Mathematiker betrachten ungern "Entwicklung- und Betriebskosten" in einem. Wir machen das Naheliegende zuerst. Zb bauen wir ein AKW .....

Mensch, Philosophie, Mathematik (ii)

Der Mathematik geschieht mit der Algorithmisierung das Gleiche, was dem Menschen mit der Verwandlung statististischer Beschreibbarkeit zum kybernetischen Regelkreis der Normierung geschieht (Vogl, J.: Regierung und Regelkreis. Historisches Vorspiel. In: PIAS, Claus 2004: Cybernetics – Kybernetik. The Macy-Conferences 1946-1953. Berlin. S. 71; oder: Siegert, B.: Analysis als Staatsmaschine. Die Evidenz der Zeichen und der Ausdruck des Infintesimalen bei Leibniz. In: I. Baxmann et. al., Das Laokoon-Paradigma. Zeichenregime im 18. Jahrhundert, Akademie-Verlag 2000). Hätte Kant eine intellektuelle Anschauung zugelassen, könnte gesagt werden: »Gedanken ohne Anschauung sind leer, Anschauung ohne Begriffe sind blind« (K.d.r.V. B 75).

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