"Man kann ja nicht einmal tot sein"

Renate Graber, 3. Juni 2011, 18:59
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    Rudolf Taschner: "Gerechtigkeit ist etwas Kaltes. Wenn einem Gerechtes widerfährt, aber nicht mehr, ist man fast ein bisserl enttäuscht."

Der Mathematiker Rudolf Taschner hält Gerechtigkeit für eine Illusion und Gelassenheit für das Wichtigste im Leben

Der Mathematiker Rudolf Taschner hält Gerechtigkeit für eine Illusion und Gelassenheit fürs Wichtigste im Leben. Warum ihm die Unendlichkeit näher ist als die Null, was das Unsagbare am Endlich-Sein ist und wo ihn selbst das Heimweh überfällt, erfragte Renate Graber.

***

STANDARD: Was sagt Ihnen 15444?

Taschner: 15444? Eins-fünf-vier-vier-vier? Ich weiß nicht, ein Datum vielleicht?

STANDARD: Es ist die Nummer eines Kontos, hinter dem die Justiz Karl-Heinz Grasser vermutet.

Taschner: Ach ja, Sie suchen einen Konnex zwischen Nummer und Grasser.

STANDARD: Eine Idee?

Taschner: Nein. Das ist nicht einmal eine Primzahl.

STANDARD: Was fasziniert so an Primzahlen?

Taschner: Dass man nicht ganz genau weiß, wie sie aufeinander folgen. Sie tun das ganz wirr, es gibt riesige Abstände und dann wieder Primzahlzwillinge wie 17 oder 19, die sich nur um zwei unterscheiden. Aber kein Mensch weiß, ob es unendlich viele solcher Zwillinge gibt. Carl-Friedrich Gauß haben sie sehr fasziniert: Statt in gefährlichen Situationen zu beten, hat er die nächsten Primzahlen errechnet.

STANDARD: Und Blaise Pascal hat gerechnet, um sein Kopfweh los zu bekommen.

Taschner: Alle bekommen Kopfweh, wenn sie sich mit der Mathematik beschäftigen, Pascal hat sie betrieben, um es los zu werden.

STANDARD: Sie lehren an der Uni, bringen im math.space Kindern wie Erwachsenen die Mathematik lustvoll näher, beschäftigen sich mit Philosophie. Jemand nannte Sie einen Universalgelehrten ...

Taschner: Ein schönes Wort. Das wär' ich sehr gern. Wobei, Professor ist auch ein schöner Begriff, der steht auf meiner Visitenkarte.

STANDARD: Vielleicht steht am Grabstein dereinst "Gelehrter". 

Taschner: Ach, auf meinem sollen nur der Name und die zwei Jahreszahlen stehen. Ist doch ganz egal, was am Grabstein steht: Die Welt ist ja vorbei, wenn man tot ist. Man kann ja nicht einmal tot sein.

STANDARD: Weil man nicht mehr "ist"?

Taschner: Entweder "tot" oder "sein": Beides geht nicht. 

STANDARD: Wie sagt man dann?

Taschner: Schwierig. Da bricht alle Logik zusammen.

STANDARD: Nochmal kurz zu Grasser. Interessiert Sie diese Causa?

Taschner: Haben wir keine anderen Sorgen?

STANDARD: Wenn wir uns nicht mit den Niederungen der Politik beschäftigen: Laufen wir da nicht Gefahr, das Wichtige in der Politik zu vernachlässigen?

Taschner: Das sind keine Niederungen, das ist Kehricht.

STANDARD: Der interessiert den Wissenschafter nicht, weil er keine Geheimnisse darin vermutet?

Taschner: Das ist alles sehr offensichtlich, und es geht auch nicht nur um Gesetze oder Schuld und Unschuld. Es gibt doch den Anstand, aber unsere Gesetze ersetzen ihn. Die Leute werden durch Gesetze pädagogisiert und verlernen so den Anstand, das ist fürchterlich. Sie interessieren sich nicht mehr für das Savoir-vivre, das ist schade.

STANDARD: Das Wort anständig kann ja ziemlich missbraucht werden. Göring hat bei seiner Verhaftung gesagt, "Jetzt habe ich wenigstens zwölf Jahre anständig gelebt."

Taschner: Unglaublich, das war ein anderer Anstand; das Zyankali hatte er schon in der Tasche, als er das gesagt hat.

STANDARD: Damit hat er sich seinem Prozess entzogen. Waren die Nürnberger Prozesse in Ihren Augen gerecht?

Taschner: Das kann man bei Prozessen nie sagen, denn wir können mit Urteilen kein Leid aufheben. Was ist mit den Menschen, die in Srebrenica ihre Familie verloren haben? Bringt ihnen der Prozess gegen Ratko Mladic das Gefühl, der Gerechtigkeit werde Genüge getan? Hätte bin Laden vor ein Gericht gehört?

STANDARD: Was meinen Sie?

Taschner: Man muss anderswo ansetzen. Der Begriff Krieg hat sich verändert. Früher gab es eine Kriegserklärung, dann wurden Söldner eingestellt fürs Kämpfen, die wussten, dass es um ihr Leben geht ...

STANDARD: ... der anständige Krieg.

Taschner: Sozusagen. Napoleons Kriege waren dann schon schlimm, und der erste ganz schreckliche Krieg war der Amerikanische Bürgerkrieg ab 1861: das erste große Schlachten. Heute führen Staaten gegen Staaten Krieg oder NGOs gegen Staaten...

STANDARD: Welche NGOs führen Kriege?

Taschner: Al Kaida ist so etwas wie eine NGO. Aber was ich sagen will: Wo immer heute Krieg geführt wird: Man hält sich nicht mehr an die alten Regeln, was man nicht einmal im Kriegsfall machen darf. Immanuel Kant hat diese Regeln aufgestellt, Brunnenvergiften etwa. Es gibt Dinge, die darf man selbst im Krieg nicht tun, weil sonst kein Friedenschließen mehr möglich ist. Dann bleibt nur mehr die Vernichtung. Das haben wir bei Hitler und seinem Russland-Feldzug gesehen. Al Kaida kämpft auch so, und darum haben die Amerikaner bin Laden vernichtet.

STANDARD: Es gibt ja auch noch das "gerechte Vergessen". Im Westfälischen Frieden 1648, nach dem 30-jährigen Krieg, hat man das postuliert oder Churchill nach dem Zweiten Weltkrieg. Österreich ist im Vergessen ja besonders gut.

Taschner: Das heilsame Vergessen, das gibt es. Aber wenn Sie von Österreich reden: Wir kauen nicht an der Zeit 1938 bis 1945, sondern an 1934 bis 1938. Was da herumgeredet wird, dabei war der Bürgerkrieg bei uns im Vergleich zum spanischen eine Schießerei. Wir können diese Zeit mit ihren zwiespältigen Figuren wie Engelbert Dollfuß, der gleichzeitig Arbeitermörder und Opfer der Nazis war, oder Kurt Schuschnigg, der kämpfen hätte lassen müssen, sowieso nur historisch betrachten. Beurteilen können wir sie nicht mehr. Und vergessen kann man nur, wenn man weiß, was man vergessen will. Aber was diese Zeit betrifft, wissen wir noch gar nicht, was wir in die Scheunen der Geschichte stellen wollen - und dann ohne Emotionen bedenken wollen.

STANDARD: Apropos Savoir-vivre: 2007 hat Sie Kanzler Alfred Gusenbauer auf den Opernball eingeladen. Sie sind hingegangen?

Taschner: Sicher, das Kanzleramt hat angerufen und uns gefragt. Wir dachten, das sei ein Fake ...

STANDARD: Der Ö3-Mikro-Mann? Aber den kennen Sie eher nicht.

Taschner: Doch, kenne ich. Qualtinger hat diese Fakes übrigens auch gemacht. Bei uns war es keiner, und der Ball war sehr schön.

STANDARD: Sie tanzen gern?

Taschner: Mit meiner Frau sehr gern. Obwohl sie erklärt, ich könne es nicht so richtig. Aber ich werde es ihr immer wieder zeigen.

STANDARD: In Ihrem jüngsten Buch geht es um Gerechtigkeit. Wir sind hier im Café im Justizpalast und gerade an der Justitia vorbei gegangen. Wohnt hier die Gerechtigkeit?

Taschner (lacht): Das glaube ich nicht. Hier wohnen die Urteile. Gerechtigkeit ist ein diffuser Begriff und viel weiter als die Justiz das je fassen könnte. Wer kann nur gerecht sein?

STANDARD: Der besonnene Herrscher, sagt Platon.

Taschner: Ja, jetzt gibt es aber nur noch Institutionen, und die haben Agendas. Da wird es schwierig mit der Gerechtigkeit.

STANDARD: Sie halten Gerechtigkeit für eine Illusion. Lässt sich Gerechtigkeit am besten über Ungerechtigkeit definieren?

Taschner: Ja, denn die Ungerechtigkeit ist manifest.

STANDARD: Was ist denn das Gerechteste, das Ihnen je passiert ist?

Taschner: Das Gerechteste? Völlig uninteressant. Wissen Sie, das Gerechte ist gar nicht so wichtig, Gerechtigkeit ist etwas Kaltes. Der Mensch möchte mehr: Er strebt nach Glück. Wenn einem Gerechtes widerfährt, aber nicht mehr, ist man fast ein bisserl enttäuscht.

STANDARD: Das Ungerechteste in Ihrem Leben?

Taschner: Ich war ein Kind, als ich meine Eltern verlor. Das war Schicksal, aber gerecht war es nicht. Gerecht war dann, dass ich ins Gymnasium und Internat des Theresianum kam. Es war wie bei Harry Potter: herrlich.

STANDARD: Sie beschäftigen sich mit Geschichte, sagen, das Einzige, was sie uns lehrt, sei Melancholie. Sie wirken aber recht fröhlich.

Taschner: Soll ich mir deshalb eine Depression antun? Ich versuche, das Sanguinische in mir wachzuhalten.

STANDARD: Wenn man viel versteht, muss man da nicht traurig werden?

Taschner: Nein, der große Meister Eckhart, einer der tiefsten Denker überhaupt, lehrt Gelassenheit. Gelassenheit ist das Wichtigste. Was kann einem schlimmstenfalls passieren im Leben?

STANDARD: Dass es endet. Ist eigentlich die Unendlichkeit das Interessanteste in der Mathematik?

Taschner: Schon. Zahlen sagen nur: Zähl mich weiter. Das Tolle ist, dass es ewig weitergeht.

STANDARD: Beunruhigt das nicht?

Taschner: Im Gegenteil. Das ist wie Weihnachten: Wurde Ihr Wunsch erfüllt, ist es vorbei und Sie spüren diese Melancholie der Erfüllung. Das erleben wir auch in der Politik: Unsere Träume aus den 50ern und 60ern sind erfüllt, jetzt haben wir keine Visionen mehr.

STANDARD: Die Unendlichkeit interessiert Sie mehr als ihr Gegenteil, die Null. Warum haben gerade die Inder die Null erfunden?

Taschner: Die indische Welt ist voll von Göttern, die sind im Haus, im Garten, unterm Tisch, überall. Irgendwann kommt einer drauf: Da ist nichts. Leere. Null. Er findet es herrlich. Null ist auch etwas Interessantes: Null ist ein Geheimnis.

STANDARD: Leere müsste Ihnen gefallen. Sie sagen, die Mathematik sei ohne Pathos und Kitsch ...

Taschner: Das Unpathetische ist sehr wichtig.

STANDARD: Sicher ist Ihre Wohnung nicht sehr voll geräumt.

Taschner: Wenig Bilder, keine Nippes.

STANDARD: Sie lieben die Stadt. Man sagt, Sie bekämen schon in Purkersdorf Heimweh. Wirklich?

Taschner: Stimmt. Ich liebe Wien und die Aura dessen, was hier einmal gewesen ist.

STANDARD: Hätten Sie 1900 gelebt, wären Sie sicher im Café Central neben Peter Altenberg gesessen ...

Taschner: ... und nach 1945 hätt' ich auf der Marmorplatte vom Kaffeehaustisch gerechnet. Mein Lehrer, Edmund Hlawka, hat das gemacht nach dem Krieg, als das Papier so knapp war. Der Ober hat es dann wieder abgewischt.

STANDARD: Ins Café Mozart gehen Sie so gern, weil Mozart auch ein Mathematik-Talent war?

Taschner: Er war sehr gut, konnte sehr gut kombinieren, auch vorwärts und rückwärts sprechen. Er war ein Großer, aber menschlich? Naja, sehr in sich selbst verliebt.

STANDARD: Kennen Sie ein liebenswertes Genie?

Taschner: Albert Schweitzer etwa war ein toller Mensch. Martin Buber (österreichisch-isrealischer jüdischer Religionsphilosoph; Anm.) war ein großer Mensch und tiefer Denker. Es gibt tiefe Denker, die große Menschen waren und große Denker, die minimale Menschen waren. Martin Heidegger (deutscher Philosoph und bis 1945 NSDAP-Mitglied; Anm.) etwa: menschlich eine miese kleine Figur, aber ein großer Denker. Interessanterweise sagte er nicht: "Ich denke", sondern "Es denkt".

STANDARD: Ihr Lieblingsplatz in Wien?

Taschner: Der Michaelerplatz. Da hat man alle Baustile: alte Burg, Looshaus ...

STANDARD: Jugendstil gefällt dem klaren Mathematiker am besten?

Taschner: Ich bin ja, Gott bewahre, nicht nur Mathematiker. Auch Barock ist toll, da wurde die Differentialrechnung entwickelt. Die Renaissance hatte genaue Proportionen, also Zahlenverhältnisse, im Barock hat man begonnen, durch Null zu dividieren.

STANDARD: Darf man nicht.

Taschner: Im Barock tat man es, und alles wurde anders. Und dann hat man Null durch Null dividiert. Beim Differenzieren ist es erlaubt, allerdings ist die Null als Grenzwert zu verstehen.

STANDARD: Warum ist die Null gefährlich, wie Sie sagen?

Taschner: Weil wenn Sie Null durch Null dividieren, bekommen Sie alles.

STANDARD: Schlecht?

Taschner (lacht): Das ist die Büchse der Pandora.

STANDARD: Sie sagen, die Mathematik habe das Ziel, den Zufall zu bändigen. Wäre es nicht schade um den Zufall?

Taschner: Der Zufall bekommt seinen Sinn überhaupt erst durch die Mathematik. Nehmen Sie die Wahrscheinlichkeitstheorie, mit der Sie zum Beispiel sagen können, dass Sie mit einer Wahrscheinlichkeit von einem Sechstel einen Sechser, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent eine ungerade Zahl würfeln können. Damit diese Theorie stimmt, müssen Sie aber richtig, also zufällig, würfeln. Sie dürfen nicht den Würfel einfach auf eine Seite legen. Der Zufall ist also Bedingung dafür, dass ich diese mathematische Theorie anwenden kann. Versicherungsmathematiker und Croupiers kriegen den Zufall in den Griff. Ein Mensch muss "zufällig" sterben, damit die Versicherungsgesellschaft ihre Prämien so errechnen kann, dass sie Gewinne daraus lukriert. Man kann anhand vieler zufälliger Ereignisse berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eintreten. Der Zufall lässt sich aber nur im Ensemble berechnen, nie im Einzelnen.

STANDARD: Dass Sie am 17. Jänner 1994 Ihre Frau im Café Engländer kennen gelernt haben ...

Taschner: ... war nicht Zufall, sondern Schicksal.

STANDARD: Welche Formel mögen Sie eigentlich am wenigsten?

Taschner: Es gibt einen Beweis vom Vierfarbensatz, der ist aber noch nicht schön. Sie müssen sich den Vierfarbensatz so vorstellen: Sie haben eine Landkarte, und versuchen die Länder mit Farben so zu belegen, dass keine Länder mit gleicher Farbe aneinander stoßen. Das ist ein schöner Satz - aber der Beweis, dass man mit vier Farben auskommt, kann bisher nur mit dem Computer geführt werden. Das ist kein schöner Beweis.

STANDARD: Was wäre ein schöner Beweis?

Taschner: Man sitzt vor dem Problem und ruft plötzlich aus: "Aaah, jetzt verstehe ich es." Von Euklid (griechischer Mathematiker, ca. 300 vor Christus; Anm.) gibt es einen schönen Beweis dafür, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Alle, die ihn lesen, weinen: Die einen, weil sie's noch immer nicht begriffen haben, die anderen, weil er so schön ist.

STANDARD: Manche nennen Sie ja den "Marcel Prawy der Mathematik", weil Sie den Leuten Mathematik so locker beibringen wie er einst die Oper. Mit Plastiksackerl, in denen Prawy seine Habe aufgehoben hat, kann ich sie mir aber nicht sehr gut vorstellen.

Taschner: Ist auch kein so guter Vergleich. Erstens ist Prawy leider schon tot und zweitens passen Plastiksackerl wirklich nicht zu mir. Aber Prawy war ein großer Mann. Ein Kollege sagte sehr nett so: "Der Marcel Prawy ist der Taschner der Musik." (lacht)

STANDARD: Verbessern Sie die Welt mit dem, was Sie tun?

Taschner: Eine Dame sagte einmal zu mir: "Wissen Sie, ich habe es noch immer nicht verstanden. Aber auf einem viel höheren Niveau." Eigentlich sollen die Leute nach meinen Vorlesungen von sich selbst etwas mehr verstehen.

STANDARD: Klingt schon ziemlich philosophisch. Ticken Mathematiker und Philosophen sehr unterschiedlich?

Taschner: Ein richtiger Mathematiker ist ein Philosoph.

STANDARD: Weil wir gerade bei Plastiksackerl und Ihrem Stil waren: Sie treten nur in Anzug und Krawatte auf; niemand hat Sie je im T-Shirt gesehen. Entspricht das Ihrem Bild des Gelehrten?

Taschner: Es gefällt mir einfach, und ich besitze kein T-Shirt. Aber es gibt auch schlampige und chaotische Mathematiker.

STANDARD: Die hohe Mathematik ist also nicht nur etwas für Ordnungsfreaks wie Monk?

Taschner: Monk?

STANDARD: Adrian Monk: TV-Serienheld, Detektiv, sehr zwanghaft.

Taschner: Naja, als Kind habe ich in den Gängen des Theresianums versucht, nicht auf die Linien zwischen den Kehlheimer Platten zu treten. Ich studiere auch Autonummern und freu' mich, wenn ich die 313 sehe (Autonummer von Donald Duck; selbiger geboren am 13. März; Anm.). Verrückter Mathematiker eben.

STANDARD: Sie nennen sich einen frommen Agnostiker. Wieso?

Taschner: Genau wissen wir's ja nicht.

STANDARD: Vorsichtshalber fromm?

Taschner: Nein, mit Vorsicht hat das nichts zu tun, das wäre zu feig. Es hat mit der Sehnsucht zu tun.

STANDARD: Sehnsucht wonach?

Taschner: Das weiß man ja eben nicht. Eine Sehnsucht hin zum Transzendenten vielleicht. An den Satz "Voilà, das war das Leben, alles vorbei" glaube ich nicht. 

STANDARD: Worum geht's im Leben?

Taschner: Es geht ums Verstehen. Und um Weisheit, Sehnsucht und Wehmut: Wir ahnen, was wir erreichen wollen, wir wissen, dass wir es nicht erreichen werden, aber wir sollen die Sehnsucht danach niemals aufgeben. Irgendwann einmal fallen wir in Gottes Hand. Glauben Sie mir, das ist es. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.6.2011)

RUDOLF TASCHNER (58) stammt aus Niederösterreich und besuchte, nachdem er mit zehn Jahren Vollwaise geworden war, das Internat des Theresianum in Wien. Er studierte Mathematik und Physik, seit 1977 lehrt er an der TU Wien, ist Professor am Institut für Analysis und Scientific Computing. Der leidenschaftliche Citoyen und Denker bringt Interessierten die Mathematik locker näher, als Autor und bei seinen Vorlesungen im math.space im Museumsquartier. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder, mit denen und derentwegen er auch Sport betreibt: Eislaufen.

Kommentar posten
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Arbeiterführer Kuhaltinger
 
00
29.6.2011, 19:13
Ich kenne ihn nicht

ich habe nur das streckenweis seltsame Interview mit der Stöckl gehört: da fragt man sich "Mag Sie ihn nicht? Will Sie ihn aufs Glatteis führen?" Manchmal hat man den EIndruck 1 Rad zuviel und manchmal 1 Rad zuwenig. Aber was dem Taschner wohl fehlt, ist ein Disput a´la Cambridge oder Oxford.

Ich bin die Büchse der Pandora
01
In mir steckt der Taschner Rudi

Lass ich ihn raus, dividiert er Null durch Null und bekommt alles.

Der Unterschied zwischen dem Hilfszeitwort "sein" und dem substantiviertem Wort "Sein" fällt ihm schwer. Daher plappert er den philosophischen Sein-Unsinn gedankenlos nach.

So jetzt reichts. Jetzt sperr ich diese philosophische Intelligenzbestie wieder ein.

Sosokrates
00
"Athen zahlt Tausenden Toten Pensionen"

Die sind formal am Leben und in Wirklichkeit mausetot.

Von wegen Sein oder Nichtsein, Leben oder Nichtlebendigsein.

In Griechenland von heue gibt es auch noch eine dritte Möglichkeit.

Das hätten sich Epikur und Shakespeare nicht gedacht.

Jonathaan
00
Das sind die

Untoten des Philosophen Friederich Adalim, der alles schön brav nachbetet, was er während seines Philosophiestudiums gehört hat.

Wahrscheinlich gehört er zu den Wenigen, die auch noch stolz sind auf seinen Doctor phil.

Jonathaan
00
Zum Thema Gerechtigkeit

Taschner gibt nur den Istzustand wieder. Faktum ist, dass es da erhebliche Defizite bei der Gerechtigkeit gibt. Das kann jeder Soziologe, Richter, Rechtsanwalt und jeder, der mit offen Augen durch die Welt geht, bestätigen.

Anders ausgedrückt: Zwischen Sollen und Sein , zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt es in Sachen Gerechtigkeit erhebliche Unterschiede.

Da hat Taschner völlig Recht.

Ein Scherz ist seine abstrakte (inhaltlich formal richtige) Aussage betreffend die Teilung Null durch Null, denn dann bekäme man alles. Und was ist dieses abstrakte Alles??? Nichts!!!
Mit der Wirklichkeit hat das alles nichts zu tun, überhaupt nichts. Das sind nur die lauen Spässe eines Mathematikers.

Clara Phlik
23
"Man kann ja nicht einmal tot sein".

Ist das die dreimalkluge Art Taschner´s uns klarzumachen, dass ein lebender Mensch nicht gleichzeitig tot sein kann und umgekehrt ? Das ist doch die Logik Taschners dahinter: Wenn ein Mensch ist, dann lebt er, und wenn er lebt, dann ist er nicht tot.

Aber es gibt zweifellos auch Menschen, die verstorben sind, nicht mehr leben, tot sind.

Taschner sollte nicht so sehr am Wort, an den Buchstaben hängen bleiben, sondern den Sinn erfassen.

Im Übrigen ist das nur ein Scheinproblem, wenn man weiß, dass es mehrere Bedeutungen von "sein" gibt.

Marvin Lasky
00
Ist da irgendwo ein Ignoranten-Nest?

Kopie eines früheren Postings an einen Herrn/ eine Frau "wolf49" oder so ähnlich...
Folgepostings siehe dort!
........
Epikur, vor ca. 2400 Jahren:
"der Tod, hat also keine Bedeutung für uns; denn solange wir da SIND, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann SIND wir NICHT da.“
Shakespeare, auch den werden Sie nicht kennen, schrieb den bedeutensten Text der westlichen Kultur zu diesem Thema (Unterschied zwischen dem Leben und dem Tod) - und er verwendet dafür den (englischen) Infinitiv des Verbs SEIN:
"To be or not be...."
Na, und das heißt nun einmal "SEIN oder NICHT SEIN..."
Übrigens, in welchem Dodel-Parallel-Universum unterscheidet man zwischen Sprachphilosophie und Grammatik? Sprachphilosophie ist grundsätzlich Grammatik

Jonathaan
00
kein Widerspruch zu Epikur

Wer kennt den Willi nicht? Ist er doch der Nestroy von GB.

Sind Sie autoritätsgläubig und vermeiden es, selbst zu denken???

Falls Sie die Geschichte der Philosophie kennen, dann wüßten Sie, dass es die Geschichte der Irrtümer ist. Es gibt keinen Philosophen, der nicht auch falsche Aussagen tätigte. Sogar Kant (hat nichts mit der Kantwurst zu tun) passierten Fehler.

Die ganze Diskussion ist wie die teilweise falschen Aussagen der Stoiker zum Leben/Tod: Non fui, fui, non sum.
Wenn ich lebe, kann ich (subjektiv) sagen, non fui, also, ich bin nicht gewesen, und ich kann auch sagen, ich bin, aber wenn ich tot bin, kann ich nicht mehr sagen, non sum,also, ich bin nicht.

Das kann man nur mehr objektiv sagen, also Dritte können das sagen !!!

Friederich Adalim
00
Zuerst einmal: Ironie muss man können! Sie können's nicht!

Auch ist Ihr etwas ranziger Oberlehrer-Ton ziemlich verfehlt, denn wenn man Ihr Posting liest, bleibt der Eindruck eines Dr-Roland-Abbrechers, der über seinen intellektuellen Verhältnissen dahinschreibt... Sie haben die Sache nicht verstanden, was man auch daran erkennen kann, dass Sie falsifizierbare Behauptungssätze der exakten Wissenschaften auf die Philosophie anwenden wollen! Oh, heilige Einfalt... Der Willi als Nestroy von GB und die Kantwurst, werden Sie, wenn's auch nur einen Hauch Gerechtigkeit gibt, als Untoten im Viertelsbildungs-Purgatorium herumlatschen lassen. Soll heißen, bei Ihnen ist eh wurscht ob Sie tot SIND oder NICHT. Wo wäre denn, bei fehlendem Bewußtsein, der Unterschied? Also..

Jonathaan
00
Der böse Friederich,

der ist ein arger Wüterich.....

Ja, ja, so ist er.

Dieses unschuldige Hilfszeitwort "sein" ist schon vielen zum Verhängnis geworden. Es ist halt vieldeutig. Die Nichtbeachtung dieser Vieldeutigkeit und der gedankenlose substantivische Gebrauch dieses unschuldigen Hilfszeitwortes durch "scheinbar bedeutende Philosophen", von denen jeder etwas anderes unter seinem "Sein" versteht, läßt diese "Seinspest" (Stegmüller) nicht und nicht "tot sein".

alles ist lächerlich...
00

"die größten a.....löcher sind die so genannten intellektuellen" ( thomas bernhard)

Peter Ebner1
00
Ohne diese Intellektuellen

würden Sie heute noch in Höhlen wohnen und Jäger und Sammler sein. Heute können Sie sich dafür den Luxus erlauben, straflos andere zu beleidigen. Gratuliere!

mikromalist
 
00
Übrigens, Herr T.,

Sie sind, wie ich, ein Programm.
Als Ergebnis einer Schöpfung eines Gottes wären wir ein schrecklicher Pfusch.
Als Ergebnis evolutionaeren Programmierens sind wir ein Wunder.

teuerzahler
33
zynischer und kaltschnäuziger geht's nimmer!

natürlich ist es wichtig, dass kriegsverbrecher vor ein gericht gestellt werden. da geht es überhaupt nicht um rache oder die frage, was das an dem leid der opfer und ihrer hinterbliebenen ändert!

da geht es einfach darum, dass diese verbrecher sich für ihre taten verantworten müssen und die hinterbliebenen der opfer bzw. evtl. noch überlebende und zeugen der massaker ernst genommen werden. es geht einfach darum, dass verbrechen nicht ohne kommentar zu den akten gelegt werden.

ich möchte den selbstverliebten herrn professor sehen, wenn einer ihm nur die krawatte abschneidet oder den kaffee aufs sakko schüttet. bei mladic u. co. gehts um massenmord! und der eitle geck sagt, eh wurscht .....

widerlich.

Peter Ebner1
00
Hier ging es nur um die Frage ob der Gerechtigkeit genüge getan ist!

und nicht darum in Frage zu stellen, ob Kriegsverbrecher vor ein Gericht gestellt werden müssen oder nicht. Hier geht es um philosophische Betrachtungen ob dies alles ausreicht. Und er hält eben Gerechtigkeit für eine Illusion. Das wars. Daraus Zynismus und Kaltschnäuzigkeit abzuleiten, zeigt dass Sie diesen Artikel überhaupt nicht verstanden haben. Und Sie beleidigen einen Wissenschaftler, der unserem Land sehr viel gegeben hat und noch gibt. Allerdings nicht auf der Ebene eines Politikers oder Arbeitgebers, der Brot, Geld oder sonst irgendetwas Handfestes zu verteilen hat. Es muss erlaubt sein auf philosophischen Niveau Gerechtigkeit hinterfragen zu dürfen. Die Kleinarbeit erledigen Politiker und Justiz.

teuerzahler
00
dass gerechtigkeit eine fiktion ist,

eine fiktion der mächtigen, zur unterdrückung der ohnmächtigen, das steht für mich ausser frage. das ist aber keine neue erkenntnis.

gerechtigkeit in philosophischer sicht, ist so sinnlos und leer wie die frage nach der willensfreiheit, nach gottes existenz oder nach gut und böse.

alles leere begriffe, geeignet als wichsvorlage für geister, denen fad ist.

aber der feine herr sagt wörtlich, dass die gerichtliche verhandlung der kriegsverbrechen '... den Menschen, die in Srebrenica ihre Familie verloren haben ...' nichts 'bringe'! das ist zynisch und menschenverachtend.

allein die anerkennung der kriegsverbrechen 'rehabilitiert' die toten opfer und lässt sie für die überlebenden endlich 'ruhen'!!

klar kent
37
die mathematiker hier..

..zeigen wieder einmal, dass sie das typische klischeebild eines assozialen nerds erfüllen, die nicht fähig sind außerhalb ihrer eitlen idealisierten ansichten zu denken. hier gehts nicht, ob taschner ein toller mathematiker ist oder was er alles tolles geleistet hat. hier gehts um den mensch taschner und seine persönlichen ansichten. aber das verstehen die nerds natürlich nicht, weil man das nicht in eine gleichung packen kann.

Jonathan Möwe
01

Uh Oh. Jetzt haben Sie sich aber ein bissl weit aus dem Fenster gelehnt. Wenn man Taschner als äußerst zweifelhaften Mathematiker outet, ist man gleich ein assozialer(!) nerd. Viel Spaß noch Herr Kent.

beliar
01

und was haben sie geleistet?

mikromalist
 
03
Ja, die blöden Nerds,

sollen gefälligst schauen, dass uns die chemischen Reakturen nicht um die Ohren fliegen, keine Flieger herunter patzen, das Wetter von morgen stimmt, .. und sonst die Go halten.
Wir beurteilen hier die Ansichten eines Mensch in Proffessorenrang, der sich als Mathematikwizzard verkleidet hat und uns die Welt Gottes vorzaubert.
Ja, ich trau mich das! Wirklich.

Und, natürlich sollen auch blinde Groupies zu Wort kommen.

klar kent
40

es sprach ein beleidigter nerd? in ihrer eitelkeit verletzt? gibs nicht irgendwelche gleichungen zu lösen wie ihre jungfräulichkeit?

The Use and Abuse of Social Science
02
"An den Satz "Voilà, das war das Leben, alles vorbei" glaube ich nicht."

Nun, dann kann man aber auch tot sein. :-)

Wunder Wuzzi
34
das dieses doch eher witzige

interview derart viele poster auskotzen lässt keimt in mir die frage, wie wohl das wort "idioten" - das sicherlich am besten zu den o.a. passt - am besten zu so unterzubringen ist, dass es derzensor nicht standardisiert....
also probier ichs einfach: idioten!

Hellsicht
23
Ein Schlaumeier, der überall seinen Senf dazugibt

Der sollte bei den von ihm erlernten Wissenschaften bleiben.

Von Napoleon bis zu Al-Kaida, von Dollfuß bis zu Mladic - zu allem hat er etwas zu sagen. Auch wenn das meiste davon ein belangloses, diffuses Blabla ist. Z.B. seine Relativierung von Kriegsverbrecherprozessen mit den Worten:

"Man muss anderswo ansetzen. Der Begriff Krieg hat sich verändert. Früher gab es eine Kriegserklärung, dann wurden Söldner eingestellt fürs Kämpfen, die wussten, dass es um ihr Leben geht ..."

Was hat das mit der Frage zu tun, ob Mladic oder Bin Laden vor ein Gericht gehören bwz. gehört hätten?

Artefix
11
Was Taschner zum Thema Krieg

zu sagen hat ist noch verzichtbarer als seine anderen Weisheiten, die aus dem kleinen Handbuch des konservativen eitlen Agnostikers (bin selbst OB) kommen mögen.

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