Gebarungsprüfung soll "sämtliche Vorwürfe gegen den Direktor" entkräften - Ausstellungen zulässige Nebentätigkeiten
Wien - Die Vorwürfe bezüglich zu hoher Reisespesen und laxer
Abrechnungsregelungen gegen die Kunsthalle Wien und deren Direktor
Gerald Matt werden von einem neuen Prüfbericht entkräftet. Laut der
von der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei IB
Interbilanz Hübner durchgeführten Gebarungsprüfung entbehren
"sämtliche Vorwürfe gegen den Direktor" jeder Grundlage, wie
Kunsthallen-Präsident Thomas Häusle am Donnerstag in einer
Aussendung mitteilte. Matt habe sich "korrekt und im Sinne der
Zielsetzungen und Aufgaben des international agierenden
Ausstellungshauses verhalten".
Überprüft wurden im Auftrag der Kunsthalle die im Zeitraum 2008
bis 2010 durchgeführten Dienstreisen, vier Ausstellungen sowie das
Buchprojekt "Voyage autour de ma chambre". Bereits Anfang Mai war ein
Prüfbericht über das vom Parlament finanzierte Buchprojekt
"Gespräche. Österreichs Kunst der 60er-Jahre" veröffentlicht worden,
der die diesbezüglichen Vorwürfe ebenfalls als haltlos bezeichnete.
Im Bezug auf die Dienstreisen wurden die Jahre 2008 und 2010
lückenlos überprüft, für 2009 wurde das zweite Halbjahr betrachtet.
Diese Vorgehensweise sei aufgrund der begrenzten zeitlichen Mittel
für die Durchführung der Prüfung gewählt worden, wie es im
Prüfbericht heißt. Die allgemeinen Reisekosten pro Jahr, von der
Kunsthalle mit maximal 18.500 Euro festgeschrieben, wurden nicht
überschritten, kritisiert wurde allerdings, dass Reisekostenanträge
von Matt "in der Regel keine Kostenschätzungen" anführen und die vom
Kassier unterschriebenen Genehmigungen keine Datumsangabe aufweisen.
Somit könne meist nicht überprüft werden, ob die Genehmigungsfrist
von 14 Tagen vor Reiseantritt eingehalten werde.
Ebenfalls ohne Datumsangabe erfolge die vom Kassier am Ende des
Jahres durchgeführte Belegprüfung, die aber verantwortungsbewusst und
genau erledigt werde. Matts Reisekosten schwanken im Verhältnis zum
Gesamtprojektaufwand zwischen 0,11 bis 3,67 Prozent, wobei
Tätigkeiten als Kurator oder Gruppenausstellungen meist höhere Spesen
nach sich ziehen. Grundsätzlich würden günstige Hotels und
Verkehrsmittel gebucht, höhere Kosten treten in diesem Zusammenhang
meist bei Großveranstaltungen wie Biennalen oder Messen auf.
Insgesamt kommt der Prüfbericht aber zum Schluss, dass "die Höhe der
einzelnen Reisekosten als angemessen" erachtet werden könne.
Die ebenfalls geprüften Ausstellungen "Under the Pain of Death",
"1989" und "Videorama" im Österreichischen Kulturforum New York,
Ausstellungsobjekte im Österreichischen Parlament sowie das Buch
"Voyage autour de ma chambre" seien von Matt entweder als
Nebentätigkeit konzipiert respektive durchgeführt worden,
beziehungsweise - im Fall der Parlamentsausstellungen, die 2008 und
2009 stattfanden - als offizielle Kooperationen mit der Kunsthalle
geführt worden, womit Matts Leistungen Teil des dienstlichen Auftrags
waren. Das Buchprojekt wurde drittfinanziert, ein hinzugezogener
Mitarbeiter der Kunsthalle erfüllte seine Lektoratstätigkeit in
seiner Freizeit.
Nebentätigkeiten sind Matt in einem Ausmaß von 15 Prozent der
Gesamtdienstzeit gestattet, zur Unterstützung herangezogene
Mitarbeiter der Kunsthalle seien laut Prüfbericht nicht von der
Kunsthalle entlohnt worden. Allfällige Tätigkeiten, die dennoch im
Rahmen der regulären Arbeitszeit vonstatten gegangen seien (hier wird
vor allem das Senden von E-Mails angeführt), seien vertretbar
gewesen. (APA)