Junge Choreografen bei den Festwochen im Tanzquartier: "Signed, sealed, delivered"
Wien - Der Wackeldackel ist das Wahrzeichen der Jasager. Mit Jan
Machacek übersiedelt das Tierchen von den Hutablagen des Pkw auf die
Tanz-Bühne. Als Wiedergänger und Warnsignal führt ihn der
österreichische Performanceinstallations-Künstler in seinem Beitrag Show
Ghost für die Reihe Signed, sealed, delivered der Festwochen im
Tanzquartier Wien noch einmal symbolträchtig vor.
Machacek zettelt ein raffiniertes Spiel an. Als Performer lässt er sich
in eine kleine Modellbox projizieren, die einmal Bühne ist, dann ein
Filmkulissen-Zimmerchen und eine Vitrine. In einem ausgeklügelten
Setting aus Kameras, Projektionsflächen und Soundequipment führt der
Künstler durch ein Pandämonium der Illusionen. Er vervielfältigt sich,
tanzt mit seinen Klonen, und sein Kopf wird zu dem eines Wackeldackels.
Über kurze Texteinspielungen aus Rainer Werner Fassbinders TV-Film Welt
am Draht stellt er Verbindungen zur Kritik am Trugbild von den
Science-Fiction-Autoren Daniel F. Galouye und Philip K. Dick über Jean
Baudrillard bis hin zu Peter Weirs Film The Truman Show her. In Show
Ghost geht es hintergründig um die Verbindung zwischen Kunst, Täuschung
und Politik. Nicht ohne Grund wird in den Texten gerade Fassbinders
Figur des Staatssekretärs ins Spiel gebracht.
Die von dem Künstler dargestellte Figur versucht sich in die Vorgaben
der Miniaturisierung von Kunst einzufügen. So macht sie sich selbst zur
Karikatur, zum Wackeldackel einer Politik der Täuschungen und der
Repression. Nicht weniger hintergründig geht es in einem weiteren
Beitrag von Signed, sealed, delivered zu: How far can we talk von
Martina Ruhsam und Vlado G. Repnik. Vor Abraummulden, Paletten mit
Steinen und Containern sprechen verschiedene Künstler über ihre Kunst,
doch ihre Aussagen werden leicht manipuliert, bekommen dadurch neue
Bedeutungen.
In der blendend konstruierten Arbeit der jungen österreichischen
Choreografin und des slowenischen Künstlers werden das Drama des
unvermeidlichen Missverstehens und die Lust am Scheitern von
Kommunikation gegeneinander abgewogen. Den Sieg nach Punkten trägt
Letztere davon. Was von Anna Mendelssohns Stück Art for a lonely heart
(Regie: Yosi Wanunu) nicht behauptet werden kann. Ein im besten Sinn
unerträgliches Stück, in dem sich ein Mann und eine Frau neurotische
Wortgefechte liefern. (Helmut Ploebst/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2011)