Das Gespenst der Manipulation

2. Juni 2011, 18:36

Junge Choreografen bei den Festwochen im Tanzquartier: "Signed, sealed, delivered"

Wien - Der Wackeldackel ist das Wahrzeichen der Jasager. Mit Jan Machacek übersiedelt das Tierchen von den Hutablagen des Pkw auf die Tanz-Bühne. Als Wiedergänger und Warnsignal führt ihn der österreichische Performanceinstallations-Künstler in seinem Beitrag Show Ghost für die Reihe Signed, sealed, delivered der Festwochen im Tanzquartier Wien noch einmal symbolträchtig vor.

Machacek zettelt ein raffiniertes Spiel an. Als Performer lässt er sich in eine kleine Modellbox projizieren, die einmal Bühne ist, dann ein Filmkulissen-Zimmerchen und eine Vitrine. In einem ausgeklügelten Setting aus Kameras, Projektionsflächen und Soundequipment führt der Künstler durch ein Pandämonium der Illusionen. Er vervielfältigt sich, tanzt mit seinen Klonen, und sein Kopf wird zu dem eines Wackeldackels.

Über kurze Texteinspielungen aus Rainer Werner Fassbinders TV-Film Welt am Draht stellt er Verbindungen zur Kritik am Trugbild von den Science-Fiction-Autoren Daniel F. Galouye und Philip K. Dick über Jean Baudrillard bis hin zu Peter Weirs Film The Truman Show her. In Show Ghost geht es hintergründig um die Verbindung zwischen Kunst, Täuschung und Politik. Nicht ohne Grund wird in den Texten gerade Fassbinders Figur des Staatssekretärs ins Spiel gebracht.

Die von dem Künstler dargestellte Figur versucht sich in die Vorgaben der Miniaturisierung von Kunst einzufügen. So macht sie sich selbst zur Karikatur, zum Wackeldackel einer Politik der Täuschungen und der Repression. Nicht weniger hintergründig geht es in einem weiteren Beitrag von Signed, sealed, delivered zu: How far can we talk von Martina Ruhsam und Vlado G. Repnik. Vor Abraummulden, Paletten mit Steinen und Containern sprechen verschiedene Künstler über ihre Kunst, doch ihre Aussagen werden leicht manipuliert, bekommen dadurch neue Bedeutungen.

In der blendend konstruierten Arbeit der jungen österreichischen Choreografin und des slowenischen Künstlers werden das Drama des unvermeidlichen Missverstehens und die Lust am Scheitern von Kommunikation gegeneinander abgewogen. Den Sieg nach Punkten trägt Letztere davon. Was von Anna Mendelssohns Stück Art for a lonely heart (Regie: Yosi Wanunu) nicht behauptet werden kann. Ein im besten Sinn unerträgliches Stück, in dem sich ein Mann und eine Frau neurotische Wortgefechte liefern.  (Helmut Ploebst/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2011)

Bis 4. Juni

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