"Hangover 2": Exzess mit Kapuzineräffchen

2. Juni 2011, 17:45
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Mit "Hangover 2" geht Todd Philipps' US-Erfolgskomödie um ein paar Männerfreunde, die sich im Rausch vergessen, in Serie

Das Prinzip bleibt nahezu gleich - ein paar unverbrauchte Ideen hätten nicht geschadet.

Wien - Von der Weigerung ihrer Protagonisten, erwachsen zu werden, leben zeitgenössische US-Komödien schon geraume Zeit ganz gut. Es gibt die Buben unter den Männern, die lieber unter sich bleiben, als sich mit Frauen einzulassen, und damit das Neo-Genre der "bromance comedy" rund um Produzent Judd Apatow begründet haben. Und es gibt jene, die sich innerlich nie von ihrer College-Zeit getrennt haben und das Leben als eine einzige Abfolge von Räuschen, Sexabenteuern und dummen Streichen betrachten.

Todd Philipps' Komödie Hangover hat dazwischen eine kleine Nische gefunden und damit 2009 weltweit sensationelle 450 Millionen Dollar (bei einem Zehntel der Produktionskosten) eingespielt: Die Helden, der Schönling Phil (Bradley Cooper), der herzensgute Zahnarzt Stu (Ed Helms), selbst der etwas exzentrischere Nerd Alan (Zach Galifianakis) waren amerikanische Durchschnittstypen. Während eines Wochenendes in Las Vegas durften sie all das erleben, was ihnen im bürgerlichen Leben verwehrt blieb.

Ein Exzess mit Deadline - eine eigentlich recht spießige Angelegenheit, die der erste Teil mit anarchischer Geste völlig aus dem Ruder laufen ließ. Die Komik verdankte sich einer gemeinsam erfahrenen Peinlichkeit, die erst am Tag nach dem Absturz in ein paar benebelten Schritten aufgedeckt werden musste, weil jedem die Erinnerung daran fehlte.

Hangover 2, den nun erneut Philipps inszeniert hat, erweitert wie die meisten Sequels eine Erzählung zur Formel, ohne ihr dabei viele neue Einfälle zuzuführen. Statt mit einem Tiger wachen die Freunde diesmal in Gegenwart eines Kapuzineräffchens in einem schäbigen Hotel in Bangkok auf, ein Gesichtstattoo, ein abgeschnittener Finger und der exaltierte Gangster Mr. Chow (Ken Jeong) lassen den Schluss zu, dass es in der Nacht wieder heiß hergegangen ist. Eigentlich in Thailand, um die Hochzeit von Stu zu feiern, begeben sich die Kumpels auf die Suche nach dem verschollenen Teenage-Bruder der Braut, Teddy (Mason Lee) - der Finger gehörte nämlich zu ihm.

Das Biest im Inneren

Natürlich wird daraus wieder eine Konfrontation der Helden mit inneren Dämonen, die sie sich nicht eingestehen wollen. Vor allem Stu stößt auf seine verborgenen Wünsche, "the beast in me", wie er einmal bemerkt, als er von seinen Sexualpraktiken mit einem Transsexuellen erfährt. Das Drehbuch beutet, anders als im runder wirkenden ersten Teil, hier jedoch zu vorhersehbar all jene Stereotype aus, die um Bangkok kursieren: von buddhistischen Schweigemönchen, die mit dem Schlagstock operieren, über Liebesdienste und Drogenmissbrauch bis zu mafiösen Untergrundnetzwerken, die den Film an den Rand der Action-Komödie führen.

Die All-American Guys tauchen durch diese Welt der Laster freilich nur hindurch, bleiben dabei jedoch allzu heil und intakt. Während es in den Filmen der Farrelly-Brüder, auf deren Brachialhumor auch Philipps aufbaut, stets darum geht, die triebhaften, regressiven oder auch nur dämlichen Seiten einer vermeintlichen Normalität anzuerkennen, treten Phil, Stu und Alan am Ende ein wenig selbstsicherer aus ihrem Schlamassel hervor.

Dem Erfolg tut dies keinen Abbruch: Hangover 2 startete in Nordamerika mit 86,5 Millionen Dollar so stark wie noch keine Komödie davor. (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2011)

  • Vier Affen im Auto: Ed Helms (li.), Ken Jeong und Bradley Cooper in 
"Hangover 2".
    foto: warner

    Vier Affen im Auto: Ed Helms (li.), Ken Jeong und Bradley Cooper in "Hangover 2".

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