Die Straßen werden sowieso immer schlechter

2. Juni 2011, 16:53
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VW steigt spät in ein Marktsegment ein, und dann wird dort gebestsellert wie nur was. Mit der Modellpflege wird der Tiguan nun zum Mini-Touareg

Sieben Uhr Früh. Keine Wolke am Himmel. Kein Auto auf dem Rundkurs. Gewissenhaft Gurte verzurren im Schalensitz. Gesäß zehn Zentimeter überm Asphalt. Das wird ein herrlicher Tag. Startknopf drücken. Des Lamborghini Aventador V12 brüllt auf, dass es ... "Du wirkst irgendwie abwesend heute früh", reißt Monika M., Terminchefbeauftragte von Porsche Austria, den Standard-Berichterstatter aus den Gedanken. Der da gerade am Flughafen sitzt und wartet, dass es losgeht nach München.

Denn, richtig, es wird ein herrlicher Tag, aber ein völlig anderes Auto. Statt Flach- ist Hochbau angesagt, Fahrzeughöhe 1,70 m statt 1,14. VWs Tiguan wurde generalüberholt, harrt auf die erste Prüfung seiner Fähigkeiten - und so geht's von München in die Tiroler Großhügellandschaft bei Ellmau und retour. Autobahn, Landstraße und Schotterwege, was dorten wallende Wandersleut' wenig freut.

Das sollte aber kein Testkriterium sein, sondern eher das, was der Tiguan nach dem "Frischekick" (VW) dort leistet. Die Wahl der Waffen fiel auf: 2,0 TDI BMT mit 140 PS, 7-Gang-DSG, Start-Stopp und 4motion (Allrad). Quasi eine Idealmotorisierung, jetzt nicht gemessen an einem Aventador, sondern in Tiguan'scher Weltsicht. Normverbrauch 6,0 l / 100 km. Ein Wert, den nur der frontgetriebene 110-PS-Diesel unterschreitet (5,3 l / 100 km) und den lediglich der 2,0 TSI (180 PS, 7-Gang-DSG) mit 8,6 l / 100 km erkennbar übertrifft.

Und wie fährt er sich, der Tiguan? Auf der Autobahn unbeirrt stabil wie ein Pkw - was Wunder, greift er doch auf die aufwändige Achs- und Fahrwerkskonstruktion des Golf zurück. Erstaunlich agil das Landstraßen-Kurvenverhalten. Und so eine Schotterstraße bewältigt er natürlich auch locker (auf Wunsch gibt's nun sogar elektronische Differenzialsperre).

Das ist denn auch ein Aspekt der Existenzberechtigung der Gattung SUV - die Straßen werden nämlich sowieso immer schlechter, seit alles Steuergeld zum Stopfen von Budget- statt Schlaglöchern verwendet wird. Der andere hauptsächliche ist ein demoskopischer: Die Menschen werden immer älter in Österreich, ungebeugt einsteigen und angenehm hoch sitzen ist da schon ein Thema.

Etliche neue Assistenzsysteme wie Müdigkeitserkennung haben Einzug gehalten in den Tiguan. Besonders gut getan hat ihm aber die stilistische und inhaltliche Erneuerung. Der beliebte Allrounder wirkt nun nicht mehr wie ein aufgeplusterter Golf, sondern fast wie ein Mini-Touareg. Gut so.

Modellpflege ist, wenn ein gepflegtes Modell herauskommt. Im vorliegenden Fall: Der Tiguan wirkt nicht mehr wie ein aufgeplusterter Golf, sondern wie ein kleiner Touareg. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/03.06.2011)

  • Modellpflege ist, wenn ein gepflegtes Modell herauskommt. Im vorliegenden Fall: Der Tiguan wirkt nicht mehr wie ein aufgeplusterter Golf, sondern wie ein kleiner Touareg.
    foto: werk

    Modellpflege ist, wenn ein gepflegtes Modell herauskommt. Im vorliegenden Fall: Der Tiguan wirkt nicht mehr wie ein aufgeplusterter Golf, sondern wie ein kleiner Touareg.

  • Schluss mit klobig, jetzt machen wir auf schnörkellos fein: Dem Tiguan hat die Frischzellkur auch im Interieur erkennbar gutgetan.
    foto: werk

    Schluss mit klobig, jetzt machen wir auf schnörkellos fein: Dem Tiguan hat die Frischzellkur auch im Interieur erkennbar gutgetan.

  • Link     Volkswagen
    grafik: der standard
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