Ein Kornspitz in Afrika

2. Juni 2011, 16:48

Namibia lockt mit wilden Tieren und beeindruckender Natur. Spuren der ehemaligen Kolonie sind heute noch sichtbar: ein Stück Deutschland in Afrika

Klack, klack, klack schnalzt es durch die Wüste. Belinda weiß, was sie ihrem Publikum schuldig ist: Der ausgebildete Guide präsentiert sein Programm nicht nur in Englisch, sondern auch in der eigenen Sprache, die für das westliche Touristenohr so anders klingt. Es ist der Khoisan-Dialekt der Damara - eine Sprache voll ungewohnter Schnalz- und Klacklaute, die sich scheinbar zufällig in das Gesagte einordnen. Hier, mitten in Namibia.
Zehnmal pro Tag führt die Afrikanerin in der Hochsaison (Juli bis September) und natürlich bei Gluthitze Neugierige durch die steinigen Wege von Twyfelfontein, einem Tal im Damara-Bergland des afrikanischen Staates. Sie erklärt Felszeichnungen, ein Kulturgut, das vor geschätzten 6000 Jahren auf die rötlichen Steine gemalt wurde: Giraffen, Antilopen, Elefanten und Löwen gibt es zu sehen.


Wer das Land entdecken will, braucht vor allem eines: Geduld. "Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit", lautet ein beliebter Spruch in ganz Afrika. Wer sich damit nicht abfinden möchte, für den gibt es nur Kleinflugzeuge als Ausweg. Das lässt sich organisieren, kostet aber entsprechend. Alle anderen verbringen Stunden um Stunden im Geländewagen, stets auf der Suche nach tierischer Wildnis, die einem vor die Kameralinse läuft. Das Land ist riesig - Namibia ist etwa doppelt so groß wie Deutschland und mit knapp zwei Millionen Bewohnern gleichzeitig äußerst dünn besiedelt -, die Straßen sind für afrikanische Verhältnisse gut, für europäische schlecht. Fahrstrecken, die mit dem Finger auf der Karte schnell abgefahren sind, können einem im Auto lang werden: Meist wird auf Schotterpisten dahingeschlittert. Hat es geregnet, bremsen tiefe Wasserlacken die Fahrt, bei knochentrockener Piste schleudern Schlaglöcher die Passagiere aus ihren Sitzen.


Nach Stunden im Pkw wird man mit besonderen Erlebnissen belohnt - etwa im Etosha-Nationalpark. Auf rund 22.000 Quadratkilometern findet sich alles, was eine gute Fotosafari ausmacht: Tiere, Tiere und noch einmal Tiere. "Für diesen Stopp soll man schon zwei Übernachtungen einrechnen", empfiehlt die heimische Touristenführerin Hannelise Kendzia, eine Frau, die in und für Namibia lebt. Den Park kennt sie seit ihrer Kindheit, ihr Vater war der erste Wildwart hier. Er hat mitgeholfen, das Naturwunder für Touristen zugänglich zu machen. Heute, Jahrzehnte später, sorgt seine Tochter dafür, dass Reisende möglichst viele Tiere vors Objektiv bekommen. "Gut, zeig dich, brav!", murmelt sie, wenn eine Antilope auftaucht. Oder es gibt ein "Da! Da hinten. Seht ihr's?", und ihre Hand zeigt dorthin, wo Laien nur Sträucher sehen. Löwenohren ragen hervor. Die Objektive wachsen aus den offenen Fensterscheiben. Dank der Raubkatzen heißt es in den Parkvorschriften nämlich: "Öffnen Sie nicht die Autotüren, stecken Sie höchstens Kopf und Schultern aus den Fenstern." Nur den Kopf also. "Namibia ist kein Land für Sissis", erwidert Kendzia auf Beschwerden.


Zurück ins Auto. Bei Sonnenaufgang wird Richtung Park abgefahren, von einer gemütlichen Mittelklasselodge wie das "Eto-sha Safari Camp" mit leistbaren Bungalows - und dann fahren, fahren, fahren. Woran der Tourist erkennt, wo Tiere sind? Ganz einfach: an anderen geparkten Jeeps. Darin werden sehr oft Deutsche sitzen. Sie kommen in Scharen - mehr als 80.000 waren es 2010. Der Grund ist simpel: Namibia war einst deutsche Kolonie. Zumindest an der Oberfläche scheint Deutsch-Südwestafrika (1884-1915) kaum Thema zu sein (Buchempfehlung: Morenga von Uwe Timm oder Herero von Gerhard Seyfried), was zählt, sind die oft fehlenden Sprachbarrieren - und ein Stückchen deutsches Heimatgefühl: Überall finden sich Bäckereien, es wird mit Weißwürsten und Kornspitz geworben, Gästehäuser heißen "Schützenhaus". Und das Dorf Solitaire- ein kleiner Fleck im Niemandsland - hat es mit seiner Spezialität Apfelkuchen sogar in Reiseführer geschafft. "65 Prozent unserer Gäste sind Deutsche", sagt Mannfred Goldbeck, Managing Director der "Gondwana-Collection", die mehrere Lodges besitzt.


Zu Goldbecks Reich gehört auch die "Namib Desert Lodge". Direkt an den versteinerten Dünen der Ur-Namib gelegen, gibt es auch hier die Sundowner-Fahrten. Da heißt es: rauf auf die Düne mit offenem Wagen, die untergehende Abendsonne mit einem Cocktail in der Hand genießen. Nicht zu lange - das Sossuvlei in der Namib-Wüste ruft. Quasi noch in die Nacht hinein fällt der Aufbruch in Richtung dieser Salzpfanne, die sich inmitten eines roten Sanddünenmeeres befindet. Spätestens bei "Düne 45" wird klar: Hier wird die Natur gemeinschaftlich genossen. Deutsche wie Japaner steigen am Kamm entlang die Düne hinauf. Als ob es nur die eine, nicht die Vielzahl an Dünen gäbe, die sich da hintereinander Kilometer um Kilometer aufschwingen. Kendzia führt lieber zur "Big Mama"- einem weiteren Sandberg. Den Blick in die unendlich scheinende Weite gerichtet, fällt ein Satz des Hotelmanagers ein: "Dieses Land kann man nicht besitzen, wir sind bloß die Treuhänder." (Peter Mayr/DER STANDARD/Rondo/03.06.2011)

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  • Lonely Planet/Namibia

Kommentar posten
12 Postings
Cavaliere Austriaco
41
Deutsch-Südwestafrika ist wirklich schön.

anahid
 
00
15.3.2012, 21:04
Namibia

Picassodrücker
 
00
22.9.2011, 19:00
gibt es eine Möglichkeit,

mit Jeeps in kleinen Gruppen (geführt) durchs Land zu fahren so wie in Kenia? Ich war zwar noch nie in Namibia, aber ich könnte mir vorstellen, dass es eher weniger zielführend ist, mit einem Reisebus (ohne Fensterplatz?) durch den Etosha-Park zu gurken.

Club-der-dichten-Toten
11

Leider ein ganz schlechter Artikel, der das Land, seine Besonderheiten und die Eindrücke, die man dort erleben kann in keinster Weise widerspiegelt.

Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen sollte, was zu schreiben, das fängt bei den Antilopen in der Etoschapfanne an (die nimmt man schon gar nicht mehr wahr, so viele gibt es auch ausserhalb des Nationalparks) und hört bei dem Beklagen über die Straßen noch lange nicht auf.

Hinfahren (möglichst nicht im Bus, sondern mit einem Mietwagen), die Weite genießen und die Strecken nicht als Qual sondern als Segen betrachten.

Alles andere ergibt sich von selbst.

Und keine Sorge, die "typischen deutschen Touristen" trifft man kaum, wenn man weiß, wo man hinfahren soll...

Triumph
00
25.2.2012, 17:05
"Hummeldumm" von Tommy Jaud

Jaud beschreibt Namibia und Touristentouren punktgenau.
Besser mit dem Geländewagen selber fahren...

Tolles Land!

Der Post(ing)mann
 
00
:) Richtig

"...Hat es geregnet, bremsen tiefe Wasserlacken die Fahrt..." Da braucht es schon ziemliches Glück um in Namibia Regen zu erleben. Aber vielleicht liegt ja eine Verwechslung mit einem der wenigen kurz nach der "Regen"zeit wasserführenden Flüssen vor. In dem Fall ist man aber außerhalb der Saison dortgewesen und wird tatsächlich kaum auf Scharen von anderen Touristen getroffen sein.

Wer Strecken als Qual betrachtet ist in dem Land aber jedenfalls falsch. In Namibia gilt: der Weg ist das Ziel. Und die Wege sind wunderbar... alleine schon das samtene Dahingleiten wenn die Piste sandig ist. Und ansonsten: Einfach nur schauen!

Club-der-dichten-Toten
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Ich fürchte ja mittlerweile ein wenig, dass der Autor heuer irgendwann im März oder April in Namibia war und daher ein enorm grünes Land mit den meisten Regenfällen seit ewigen Zeiten gesehen hat.
Dort hat's seit Jänner so viel geregnet, dass sogar im Soussusvlei einen See gab und dass sogar das Revier bis nach Swakopmund gelaufen ist...

Aber nicht mal das würde erklären, warum es keine eigenen Fotos gibt, sondern nur welche von pixelio...

Der Post(ing)mann
 
00

War es tatsächlich wieder so feucht?

Ich war im März 2006 dort. War ebenfalls ein sehr feuchtes Jahr mit Wasser im Sossusvlei und leichtestem Grünschimmer auf den Dünen und trotzdem ist es mir nur einmal gelungen einen Regentropfen auf der Haut zu spüren - und der war innerhalb von Sekunden verdampft. Aber immerhin müssten wir zwei wasserführende und ein paar "vertreibsandete" Reviere durchqueren... :)

Verdammt, ich will wieder hin!

Club-der-dichten-Toten
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Im Jänner sind wir vor der Regenfront im Nordosten geflüchtet, haben die Namibia/Botswana Tour abgebrochen und (wieder) in eine West-Namibiatour umgewandelt.

Unser Guide (~ 60 Jahre) hat mir dann geschrieben, dass er sich nicht erinnern kann, dass es von Jänner bis April jemals so viel geregnet hätte in Namibia...

tagessuppe
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naja

wenigstens die buchempfehlung Herero...
lest man wirklich ein gutes buch bevor man hinfährt

tiggerle
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bin mit dem eigenen auto durch halb afrika gefahren, und man muss explizit sagen, namibia und südafrika unterscheidet sich punkto infraksturktur komplett vom rest; es ist wohl das europäischste/westlichste, was man finden wird auf dem kontinent. ganz auf der oberfläche: es gib in windhoek genügend straßenschilder auf deutsch. und die hauptverkehrsstraßen sind 1A zustand, ganz wie in österreich, auch die pisten sind auch in wunderbaren zustand und 80km/h im sand ist eh schon gewagt und auch ausreichend, man will ja etwas sehen. und dass die ganzen nebenstraßen nicht auch alle noch getreert sind: kein wunder, es gibt ja auch vergleichsweise kaum menschen in nambia und nur wenige, die ein auto haben. touristen trifft man allerdings sehr wohl.

Group Captain Lionel Mandrake
10

wie wahr, hab mir ähnliches gedacht.... ein wunderbares land, immer wieder eine reise wert.

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