Das Leben des Nobelpreisträgers Eric Kandel

2. Juni 2011, 11:55
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Dokumentation "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" am Freitagabend auf arte

Einem großen und - wie so viele andere auch - in der Nazi-Zeit vertriebenen Österreicher ist eine Dokumentation gewidmet, die am Freitagabend auf arte zu sehen ist: Eric Kandel. Im Jahr 2000 hatte der Neurowissenschafter zusammen mit dem Schweden Arvid Carlsson und dem Amerikaner Paul Greengard für Entdeckungen betreffend der Signalübertragung im Nervensystem den Medizin-Nobelpreis erhalten.

Seit über 50 Jahren widmet sich Eric Kandel der Entschlüsselung molekularer Prozesse im Gehirn, die dem menschlichen Gedächtnis zugrunde liegen. Er entdeckte das CREB-Bindeprotein, das eine Schlüsselrolle bei der Speicherung von Ereignissen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis spielt. Dieser Vorgang ist die Voraussetzung für Lernen und Erinnern. Kandel hat untersucht, wie geistige Vorgänge biologische Veränderungen erzeugen, und nachgewiesen, dass Lernen neuronale Schaltkreise verändert und Wissen eine anatomische Veränderung im Gehirn bewirkt.

Erinnerungen aus wissenschaftlicher und sehr persönlicher Sicht

"Die Erinnerung versieht unser Leben mit Kontinuität; ohne die bindende Kraft der Erinnerung würden unsere Erfahrungen in ebenso viele Bruchstücke zersplittern, wie es Momente im Leben gibt. Wir sind, wer wir sind, aufgrund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern." Nach Kandel ist seine Gedächtnisforschung stark mit seiner Lebensgeschichte verbunden. In Wien geboren, musste er 1939, nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland im Alter von neun Jahren in die USA emigrieren.

Er selbst schreibt über den Einfluss seiner Biografie und seiner traumatischen Kindheitserlebnisse im Wien der Naziherrschaft und des Holocaust auf seine Arbeit in seiner Autobiografie "Auf der Suche nach dem Gedächtnis", die im März 2006 mit großem Medienecho erschienen ist: "Ich bin davon überzeugt, dass mein späteres Faible für den menschlichen Geist - dafür, wie sich Menschen verhalten, wie unberechenbar ihre Motive und wie dauerhaft Erinnerungen sind - auf mein letztes Jahr in Wien zurückgeht. Nach dem Holocaust lautete das Motto der Juden: 'Niemals vergessen!' - wachsam gegen Antisemitismus, Rassismus und Hass zu sein ... Meine wissenschaftliche Arbeit widmet sich den biologischen Grundlagen dieses Mottos: den Prozessen im Gehirn, die uns zur Erinnerung befähigen."

Der Filmemacherin Petra Seeger ist es als Erster gelungen, in enger Zusammenarbeit mit Kandel einen Film zu drehen. Die eineinhalbstündige, um Spielszenen ergänzte Dokumentation "Auf der Suche nach dem Gedächtnis" ist über zwei Jahre hinweg in Paris, Wien und New York gedreht worden. (red)


"Auf der Suche nach dem Gedächtnis. Der Hirnforscher Eric Kandel", 94 Min.: 3.6., 21.40 auf arte

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Website des Films

  • Spielszene aus "Auf der Suche nach dem Gedächtnis": Der kleine Eric bekommt zu seinem 9. Geburtstag am 7. November 1938 ein ferngesteuertes Modellauto geschenkt. Nur zwei Tage später, in der Reichspogromnacht, wird die Familie Kandel aus ihrer Wohnung vertrieben und die Wohnung geplündert. A
    foto: wdr

    Spielszene aus "Auf der Suche nach dem Gedächtnis": Der kleine Eric bekommt zu seinem 9. Geburtstag am 7. November 1938 ein ferngesteuertes Modellauto geschenkt. Nur zwei Tage später, in der Reichspogromnacht, wird die Familie Kandel aus ihrer Wohnung vertrieben und die Wohnung geplündert. A

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