Vielzelliges Leben in drei Kilometern Tiefe gefunden

4. Juni 2011, 18:00
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Unbekannte Fadenwurm-Spezies in jahrtausendealtem Wasser in Goldmine entdeckt

London - Das Leben tief unter der Erdoberfläche blüht vielfältiger als bisher angenommen: Wo Experten bislang ausschließlich das Reich einzelliger Lebewesen glaubten, existieren auch Vielzeller. Forscher entdeckten Fadenwürmer (Nematoden), darunter eine bisher unbekannte Art, in jahrtausendealtem eingeschlossenem Wasser in mehreren Minen Südafrikas.  Die Fähigkeit der Fadenwürmer, so tief unter der Erde zu gedeihen, müsse auch bei der Suche nach Leben auf dem Mars oder anderen Planeten unseres Sonnensystems berücksichtigt werden, schreiben die Forscher in "Nature" (auch ohne exobiologischen Bezug bleibt ihre Entdeckung aber interessant).

Insgesamt fanden die Forscher um Tullis Onstott von der Princeton University in zwei von fünf untersuchten Minen drei Vertreter der Fadenwürmer. In Tiefen von 0,9 bis 3,6 Kilometern unter der Erdkruste bohrten sie dazu Wasservorräte an, die im Gestein eingeschlossen waren. In der Beatrix-Goldmine entdeckten die Wissenschafter eine bisher unbekannte Art und tauften sie auf den Namen Halicephalobus mephisto - in Anlehnung an die griechische Bedeutung des Namens Mephistopheles: "Der das Licht nicht liebt" - unter anderem ist es auch ein Name des christlichen Teufels. In einer weiteren Mine fand man zumindest DNA-Spuren eines Fadenwurms.

Die Fadenwürmer sind bis zu einem halben Millimeter groß. Sie vermehren sich asexuell, tolerieren hohe Temperaturen um fast 50 Grad Celsius und ernähren sich von Bakterien. Die Forscher stellten auf verschiedene Arten sicher, dass die Fadenwürmer tatsächlich aus dem Wasser stammten - und nicht etwa als Verunreinigung bei Bohr- oder anderen Minenarbeiten dort hineingetragen worden waren. Das Alter des Wassers geben die Wissenschafter mit 3.000 bis 12.000 Jahren an.  (APA/red)

  • Die Schokoladenseite von Halicephalobus mephisto: Dieser Wurm wurde in 1,3 Kilometern Tiefe porträtiert.
    foto: property of the university ghent, belgium - gaetan borgonie

    Die Schokoladenseite von Halicephalobus mephisto: Dieser Wurm wurde in 1,3 Kilometern Tiefe porträtiert.

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