Menschen in ständiger Bewegung

2. Juni 2011, 18:38
  • "Im Schatten"
Erschienen bei Filmgalerie 
451
    foto: filmgalerie 451

    "Im Schatten"

    Erschienen bei Filmgalerie 451

Drei formschöne Filme des deutschen Regisseurs Thomas Arslan

Ein schnörkelloser Einstieg: blauer Himmel mit kleiner Wolke, dann eine Fensterrahmung (ein fast abstraktes Bild), schließlich die Heldin des Films, Deniz (Serpil Turhan), die vor sich hin brütend da sitzt, bis sie einen Entschluss fasst und geht. Thomas Arslan Der schöne Tag (2000) ist das Porträt einer Frau in Unruhe, benutzt dafür aber - ein sehr gewinnender Kontrast - vollkommen ruhige, in gemessenem Schnittrhythmus dahingleitende Bilder.

Wenn man sich noch einmal kundig machen will, was das Label Berliner Schule bedeutet - Arslan wird, neben Christian Petzold, Angela Schanelec oder Ulrich Koehler, zu dieser Gruppe gezählt -, hier mag man es studieren: Deniz, die türkischstämmige junge Frau, die als Synchronsprecherin von Eric Rohmers Sommer / Conte d'été arbeitet, wird im Laufe eines einzigen Tages in ständiger Bewegung gezeigt. Ein Film in aufgeräumten Wahrnehmungsbildern, der den städtischen Raum Berlins als vielseitigen Begegnungsort inszeniert und in strategisch gesetzten Gesprächen sein innerstes Thema, die Liebe, reflektiert.

In der Filmgalerie 451 sind Der Schöne Tag sowie zwei weitere Filme Arslans, Geschwister und Im Schatten, nun als DVDs erschienen: Im Schatten ist der jüngste Film des 48-jährigen Deutsch-Türken, ein "caper-movie" in Berlin, in dem ein Überfall exakt vorbereitet wird, dann allerdings viel schiefläuft. Arslan stellt das Genre in ein lokales Bezugsfeld, in dem er vorbildliche Zonen für die Abwicklung zwielichtiger Geschäfte entdeckt. Wie in Der schöne Tag wird die existenzielle Dimension der Hauptfigur Trojan (Misel Maticevic) in deren Bewegungen anschaulich. Die zielgerichtete Effizienz, mit der sich der Profi seiner Sache annimmt, erzählt mehr über ihn als jede Dialogzeile. Auch Arslan nimmt ein Regelwerk ernst: Ohne Hast spielt er es durch und erfreut sich seiner Funktionalität. (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2011)

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