Drei formschöne Filme des deutschen Regisseurs Thomas Arslan
Ein schnörkelloser Einstieg:
blauer Himmel mit kleiner Wolke, dann eine Fensterrahmung (ein fast abstraktes
Bild), schließlich die Heldin des Films, Deniz (Serpil Turhan), die vor sich hin
brütend da sitzt, bis sie einen Entschluss fasst und geht. Thomas Arslan Der
schöne Tag (2000) ist das Porträt einer Frau in Unruhe, benutzt dafür aber -
ein sehr gewinnender Kontrast - vollkommen ruhige, in gemessenem Schnittrhythmus
dahingleitende Bilder.
Wenn man sich noch einmal
kundig machen will, was das Label Berliner Schule bedeutet - Arslan wird, neben
Christian Petzold, Angela Schanelec oder Ulrich Koehler, zu dieser Gruppe
gezählt -, hier mag man es studieren: Deniz, die türkischstämmige junge Frau,
die als Synchronsprecherin von Eric Rohmers Sommer / Conte d'été
arbeitet, wird im Laufe eines einzigen Tages in ständiger Bewegung gezeigt. Ein
Film in aufgeräumten Wahrnehmungsbildern, der den städtischen Raum Berlins als
vielseitigen Begegnungsort inszeniert und in strategisch gesetzten Gesprächen
sein innerstes Thema, die Liebe, reflektiert.
In der Filmgalerie 451 sind
Der Schöne Tag sowie zwei weitere Filme Arslans, Geschwister und
Im Schatten, nun als DVDs erschienen: Im Schatten ist der jüngste
Film des 48-jährigen Deutsch-Türken, ein "caper-movie" in Berlin, in dem ein
Überfall exakt vorbereitet wird, dann allerdings viel schiefläuft. Arslan stellt
das Genre in ein lokales Bezugsfeld, in dem er vorbildliche Zonen für die
Abwicklung zwielichtiger Geschäfte entdeckt. Wie in Der schöne Tag wird
die existenzielle Dimension der Hauptfigur Trojan (Misel Maticevic) in deren
Bewegungen anschaulich. Die zielgerichtete Effizienz, mit der sich der Profi
seiner Sache annimmt, erzählt mehr über ihn als jede Dialogzeile. Auch Arslan
nimmt ein Regelwerk ernst: Ohne Hast spielt er es durch und erfreut sich seiner
Funktionalität. (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2011)