"In den Bildern liegt die Macht"

  • Starfotograf, Regisseur und Umweltaktivist Yann Arthus-Bertrand bei den Erdgesprächen in Wien
    foto: markus reissner

    Starfotograf, Regisseur und Umweltaktivist Yann Arthus-Bertrand bei den Erdgesprächen in Wien

Der französische Fotograf, Regisseur und Umweltaktivist Arthus-Bertrand über seine Arbeit

Der studierte Biologe Yann Arthus-Bertrand ist heute einer der bekanntesten Fotografen der Welt. Bereits in den 1970er Jahren schrieben seine Fotografien - damals waren die Motive noch Tiere - Geschichte. Mit "Alltitude" gründete er die erste Fotoagentur, die sich auf Luftaufnahmen spezialisierte.

Die ersten atemberaubenden Fotografien aus dem Hubschrauber wurden in dem Bildband "Die Welt von Oben" veröffentlicht.  Der Bestseller wurde in 24 Sprachen übersetzt, verkaufte sich der Bestseller über drei Millionen Mal. Mit "Sechs Milliarden Andere" - ein Porträt über die Erde aus der Sicht des Menschen - begann er 2003 seine unverwechselbare Bildsprache auch als Regisseur umzusetzen. 2005 gründete der aktive Umweltaktivist die NPO "Good Planet". Weltruhm erlangte Arthus-Bertrand erneut 2009 mit seinem filmischen Meisterwerk "Home", das die Welt aus der Vogelperspektive zeigt.

derStandard.at: Wie ist es zu all Ihren Aktivitäten gekommen? Was sind Ihre Intentionen?

Arthus-Bertrand: Wissen Sie, ich habe früh erkannt, welche Macht in den Bildern liegt. Bereits vor fast 30 Jahren in Kenia hat meine Frau die Untersuchungen der Löwenfamilie mitprotokoliert, während ich unsere Erlebnisse als Fotografien festhielt. Bilder sind seither meine Art und Weise zu kommunizieren. Und hier sehe ich auch meine Aufgabe. Als Fotograf und Regisseur geht es mir dabei um eine klare Botschaft.

Wenn ich mir die Welt heute ansehe - besonders aus der Perspektive von oben - wird schnell klar, dass einiges sehr schief läuft. Die Luftaufnahmen gerade in "HOME ", meinem letzten Film, zeigen die gegenwärtige Situation der Erde. Was wir aus dieser Perspektive vom Himmel herab sehen, lässt uns begreifen was wir theoretisch schon lange wissen: Wir muten der Erde mehr zu als sie verkraftet. Wir konsumieren zu viel und beuten ihre Ressourcen aus.

derStandard.at: Was hat Sie immer weiter vorangetrieben?

Arthus-Bertrand: Aus der Luft sind die Wunden der Erde sehr gut zu erkennen. "Home" zeigt das, besteht aber gleichzeitig darauf, dass es eine Lösung gibt. Der Untertitel des Films könnte lauten: Es ist zu spät, um noch Pessimist zu sein. Wir stehen an einer Wegscheide: Es müssen jetzt wichtige Entscheidungen getroffen werden, um die Welt zu verändern.

Jeder kennt eigentlich die Fakten, die gezeigt werden, aber niemand ist bereit, wirklich daran zu glauben. Bei meinen Projekten geht es mir darum den Argumenten der Umweltorganisationen durch Bilder mehr Gewicht zu verleihen. Es geht darum zu verdeutlichen, dass es höchste Zeit wird für einen vernünftigen gemeinsamen Neuanfang und eine Veränderung unseres Lebensstils. Diese Idee und der Glaube daran, wie jeder Mensch einen Beitrag dazu leisten kann, ist auch was mich stetig vorantreibt.

derStandard.at: Sie sagen jeder Einzelne kann etwas bewirken. Wie sehen Sie die Verantwortung von Unternehmen?

Arthus-Bertrand: Auch jedes Unternehmen besteht aus Menschen. Wir können die Welt nur von innen heraus verändern. Jeder hat dabei eine Aufgabe und kann einen Beitrag leisten. Es gibt einige namhafte Unternehmen, die im Umweltschutz sehr aktiv sind. Auch Regierungen widmen sich verstärkt diesem Thema. Doch schlussendlich liegt es an uns allen wie es weitergehen wird.

Ich denke hier ist es auch wichtig optimistisch zu bleiben und den Menschen aufzuzeigen, dass auch gute Dinge passieren. Das glaube ich heute noch mehr als vor drei Jahren als "Home" entstanden ist. Es ist wichtig den Menschen und somit auch den Unternehmen zu verdeutlichen, welche Verantwortung sie haben und das es hier verschiedene Möglichkeiten gibt.

derStandard.at: Welche Möglichkeiten meinen Sie damit?

Arthus-Bertrand: Das muss jeder für sich selbst beantworten. Weniger Fleisch zu essen wäre eine Idee, die jeder umsetzen kann. Doch natürlich müssen auch Unternehmen aufmerksamer werden und je nach den Gegebenheiten reagieren. Konkrete Maßnahmen sind hier schwer zu fassen. Ich versuche mit meinen Bildern die Schönheit der Welt einzufangen, um zu motivieren dafür auch zu kämpfen. Wir müssen hier alle gemeinsam an Lösungen arbeiten.

derStandard.at: Wie gehen Sie mit der Kritik um, dass Sie selbst mit Ihren Bildern durchaus auch reich geworden sind?

Arthus-Bertrand: Das ist schwer zu beantworten. Ich sehe das nicht so. Natürlich habe ich mehr als andere, aber darum geht es mir nicht. Ich komme aus einer Familie, in der das Materielle nicht im Vordergrund steht. Ich besitze wie jeder andere ein Auto, ein Haus und nicht mehr. Dabei stammt das Geld aus dem Buchverkauf von "Die Welt von Oben". An den Filmprojekten verdiene ich zum Beispiel nicht.

Ich habe mit Luc Besson einen Sponsor gefunden und es gibt kein „Copyright". Jeder kann sich "Home" im Internet ansehen. Auch die Ausstrahlung in öffentlichen Kinos, in Schulen, bei Veranstaltungen, etc. ist kostenlos möglich. Das ist auch die Idee dahinter. Es ist mein Ziel, dass möglichst viele Menschen diesen Film sehen und dadurch zum Nachdenken angeregt werden. (Barbara Korak, derStandard.at, 9.6.2011)

Zur Autorin

BARBARA KORAK (29) ist im Bereich PR & Projektmanagement bei Management-Impulse tätig. Das Interview mit Yann Arthus-Bertrand führte sie im Rahmen der ERDgespräche am 24.05.2011 in Wien, wo sie ehrenamtlich die Pressearbeit unterstützte.

Link und Hinweis zum Film

Das filmische Meisterwerk "Home" können Sie gratis hier sehen http://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8

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