"Mieter-Zeugnis"

Offensive gegen Mietnomaden

Martin Putschögl, 1. Juni 2011, 17:27
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    foto: apa/dpa/wiethoff

    Mietnomaden werden von Hausverwaltern als großes Problem wahrgenommen, die üblichen Kautionen von drei bis sechs Monatsmieten sollen aber ohnehin schon einen gewissen Schutz davor bieten.

Ein großer heimischer Hausverwalter startet eine Aktion zur "Belohnung braver Mieter" und hofft auf zahlreiche Nachahmer

In eine Mietwohnung einziehen, monatelang keine Miete zahlen und schnell wieder ausziehen, bevor der Vermieter ein Räumungsurteil in der Hand hat - so genannte "Mietnomaden" machen Vermietern oft das Leben schwer. Eine große Wiener Hausverwaltung, die Rustler-Gruppe, will diesen Schwerenötern nun den Kampf ansagen: Sie hat in der vergangenen Woche damit begonnen, an ihre "braven" Mieter eine Art "Zeugnis" zu verschicken, in dem etwa bestätigt wird, dass der Mieter stets pünktlich die Miete gezahlt hat und auch sonst "nix ang'stellt hat im Haus", wie Geschäftsführer Martin Troger im Gespräch mit derStandard.at die Kriterien kurz umreißt.

"Die 'Guten' belohnen - eine unösterreichische Lösung"

Wer sich in der Vergangenheit nicht ganz nach dem Wunsch der Hausverwalter von Rustler verhalten hatte, bekam ein solches Schreiben - rund tausend wurden bereits verschickt - selbstverständlich nicht. Troger konnte am Mittwoch keine genauen Angaben über das zahlenmäßige Verhältnis der "guten" zu den "bösen" Mietern machen, sprach aber von einem "niedrigen Prozentsatz" jener, an die kein solches "Mieterzeugnis" versendet wurde. Generell wolle man mit der Aktion jedenfalls "nicht die 'Schlechten' bestrafen, sondern die 'Guten' belohnen - eine sehr unösterreichische Lösung", wie der Immobilien-Manager lakonisch meint.

Vorbild Kanada

Der Rustler-Manager betont, dass die Aktion für die Mieter mit keinerlei Kosten verbunden sei. Verschickt werden sollen die Bestätigungen von nun an alle zwei Jahre - denn die Mieter würden sie ja im Regelfall schon bei der Suche nach der nächsten Wohnung benötigen, und nicht erst beim Auszug aus der alten. Als Vorbild für die Offensive nennt Troger Kanada, wo es bereits "gang und gäbe" sei, solche Bescheinigungen bei der Unterzeichnung eines neuen Mietvertrages mitzubringen.

Troger wünscht sich, dass sich die das "Mieterzeugnis" als Standard in Österreich etabliert und verweist darauf, dass sich dadurch für die Mieter ja auch Vorteile ziehen ließen, etwa nur zwei statt drei Monatsmieten an Kaution für die neue Wohnung.

Datenschutz-Bedenken

Abgesehen davon, dass Kritiker der Aktion betonen, der Sinn einer Kaution sei eben genau der Schutz des Vermieters vor "Mietnomaden", ist man in der Branche mit dem Vorpreschen von Rustler alles andere als glücklich. Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilientreuhänder (ÖVI), hält die Sache grundsätzlich zwar für ein "taugliches Instrument", allerdings wäre es - auch aus Datenschutzgründen - "besser, wenn das auch mit Verbraucher- und Konsumentenschützern akkordiert wird". Das Thema sei grundsätzlich nicht neu, sondern kursiere "immer wieder" in der Branche, denn es sei eben auch der Job eines Hausverwalters, die Eigentümer der von ihm verwalteten Häuser vor Mietnomaden zu schützen.

Mietnomaden würden auch "professionelle Vermieter eher scheuen", also eher bei Vermietern mit weniger Erfahrung buchstäblich unterkommen, meint Holzapfel. Und das Problem sei in Deutschland viel größer als in Österreich.

Mindestens zwei von Tausend sind "Mietnomaden"

Wie groß, das weiß Jürgen Ruprechter. Der Geschäftsführer der Onlinehausverwaltung & Immobilientreuhand GmbH berichtet im Gespräch mit derStandard.at, dass etwa drei bis vier Prozent der Mieter ihre Miete anstatt am Monatsersten erst nach dem 5. eines Monats überweisen würden. Zu tatsächlichen Mietausfällen kommt es bei der Onlinehausverwaltung dann in einem von 500 Fällen - also etwa zwei Promille aller Mieter. Bei anderen Hausverwaltungen bzw. Hausbesitzern mögen die Zahlen erheblich höher sein, so Ruprechter, bei der Onlinehausverwaltung sehe man sich nämlich die künftigen Mieter "sehr genau an".

Grundsätzlich sei das Problem der Mietnomaden "mit Sicherheit etwas, wo man Überlegungen anstellen muss", sagt er. Das Wort an sich klinge allerdings so, "als ob da immer in böser Absicht gehandelt werde. Es steckt aber nicht immer Vorsatz dahinter", betont er. "Manche Mieter schätzen ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu positiv ein, manche sind auch in der Verfolgung ihrer Pläne einfach zu spontan."

Kostenfrage

Von den Überlegungen dieser "Mieter-Zeugnisse" weiß er, sein Unternehmen sei aber nicht darin involviert.

Auch ÖRAG-Geschäftsführer Thomas Lang gefällt die Idee "gut", er führt aber genauso wie ÖVI-Mann Holzapfel Datenschutz-Bedenken ins Treffen. Mietnomaden seien ein "massives Problem für einzelne Hausbesitzer", ob man es der Rustler-Gruppe gleichtun werde, müsse man sich aber "erst anschauen". Neben dem Datenschutz hat Lang auch Bedenken, was die Möglichkeiten der Weiterverrechnung der Kosten an die Hausbesitzer betrifft. (Martin Putschögl, derStandard.at)

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Posting 1 bis 25 von 1031
Langschluss
01
10.6.2011, 09:34

Find ich gut.

Allerdings sollte man als Mieter auch ein Zeugnis ueber die Hausverwaltung ausstellen können. Wird man als Kunde behandelt oder als letzter Dreck? Sind die Verträge einwandfrei oder versucht der Vermieter eine zu beschei*en? Wird auf gemeldete Schadensfälle schnell reagiert? Wird das Stiegenhaus sauber gehalten?
Leider heutzutage alles nicht mehr selbstvertändlich.

paradiselost
10
vom sinn solcher zeugnisse...

sinnvoll sind die doch nur, wenn einer oft die wohnung wechselt und sich daher bei skrupuloesen vermietern mit einer referenz bewerben muss.

die meisten menschen ziehen haeufig um, weil sie die miete nach diversen "anpassungen" nicht mehr bezahlen koennen. und darin liegt der "knackpunkt" begraben: mieten sind schon lange nicht mehr leistungsadaequat, d.h. bezogen auf den tatsaechlichen (hardware) wert einer wohnung und die real durchgefuehrten instandhaltungsarbeiten.

mietwohnungen sind zum spekulationsobjekt geworden, wobei die miete steigt, wenn die kommune z.b. strassen saniert und gruenflaechen anlegt oder das viertel besser mit oeffis erschliesst.
die wertsteigerung zahlt die oeffentliche hand, den profit kassiert der vermieter.

Pauli Feuerstein
00
genau,

darum, versuchen die sozis ja die stadt in transdanubien und anderen gegenden zu erschliessen ... genau ... für die hauseigentümer! ... :)

Saurer Zivi
01
Versagen doch die meisten Hausverwaltungen schon, was die lückenlose und korrekte Legung von Abrechnungen betrifft.

Fragt man nach, wie die Abrechnung der HMZ-Reserve ist: ist soooo viel Arbeit, dafür haben wir keine Zeit.

Aber Zeit dann noch "Zeugnisse" auszustellen. Schwachsinn zum Quadrat!

Wenn ich erkranke und meine Miete 1x nicht zahlen kann, werd ich herabgestuft?

Schwachsinn!

Jedem Vermieter stehen - wie unten ein Poster bereits erwähnt - wahrlich ausreichende Instrumente zur Verfügung, wenn er bezüglich des Mieters skeptisch ist (Kaution und Mietzinsvorauszahlung).

Also bitte im Keim ersticken diese Idee und im Gegenzug endlich Leistung von den Hausverwaltungen fordern!

Pauli Feuerstein
12
Es sollte eigentlich ein Mietnomadenregister geben,

Mietnomaden werden eingetragen und dürfen ein Schleiferl um den Arm tragen ...

Seriously, eine Bestätigung der alten HV, dass alles i.O. war ist absout sinnvoll!

Soph Isticus
02
ich kann Ihnen versichern, dass sich einige Hausverwaltungen aber schon gar nicht an geltende Gesetze halten.

Diese dann mit der Macht auszustatten, über Menschen zu befinden - total unmöglicher Gedanke!

Salz Burger
11

Mich wundert, dass es so was nicht schon längst gibt. Jetzt, wo praktisch jeder Internet zur Verfügung hat, dürfte es doch kein Problem sein.

gj_Wien
 
00
Es ist doch ein positiver Ansatz

wenn der Hausverwalter einem "guten" Mieter sagt, dass er ein solcher ist; wozu eine schwarze Liste führen, die nie vollständig ist. Mietinteressenten, die auch von anderen Verwaltungen gelobt wurden, sind ebenso erwünscht wie Mitarbeiter mit guten Dienstzeugnissen.

Pauli Feuerstein
00
frag mich auch warum!

Das Liebenswürdige Scheusal
 
51
Mietnomaden sind eine erfindung

der hausverwaltungen um ihre auftraggeber besser betrügen zu können.

General Cornwell
12
Welches Problem sollte ich als Mieter bitteschön mit so einem

Zeugnis haben.

Wenn ich ein ordentlicher Mieter bin und daran interessiert bin einfach nur in Ruhe und anständig zu wohnen, da bin ich doch froh, wenn ich eine schriftliche Bestätigung von meinem Vermieter bekomme, damit ich bei der nächsten Wohnungssuche schneller und effizienter, ohne Probleme etwas finden und zertifiziert habe, dass ich keine Probleme mache, sondern nur in Ruhe wohnen will.

Wolf X
00
Ja,

aber die Blender, Trickser und Querulanten wollen doch auch so ein Zeugnis.

gj_Wien
 
00
Sollen sie kriegen

warum soll ein Trickser und Blender keine Bestätigung erhalten, wenn er pünktlich seine Miete bezahlt und nix im Haus ruiniert?

General Cornwell
11
Am besten wäre, niemand würde mehr in Immobilien

investieren, sondern stattdessen in Aktien investieren. Dann gäbe es keine pöhsen Vermieter mehr.

Aber ups, dann gäbe es auch keinen Wohnraum mehr. Die Schuldigen würden aber trotzdem nicht aus ihrem Sündenbockimage rauskommen - statt pöhsen Vermietern, wären Sie dann eben ultrapöhse Spekulanten. Warum müssen Sie auch überhaupt was anlegen? Geld verdienen ist ja schändlich und Besitz sowieso Diebstahl...

violavioletta
 
00
..na komisch

dass das keinen mieter interessiert: für 3.5 jahre die gesamte whng sanieren können und dann ausziehen dürfen und dafür noch kaution bezahlen...ja genau die armen vermieter!!

http://www.brezina.at/immo.php?... a&obj=6650

gj_Wien
 
16
In Deutschland ist so was seit Jahren selbstverständlich - und noch mehr

um einen neuen Wohnungsmietvertrag in einer vernünftigen privat vermieteten Wohnung z.B. in Berlin zu bekommen brauchst Du nicht nur eine Bestätigung des alten Verwalters, dass Du laufend Deine Mieten bezahlt hast und die Wohnung nicht angezündet hast. Ausserdem mußt Du noch eine Bestätigung der SCHUFA besorgen; da steht drin, ob Du ein brauchbares Bankkonto hast oder gegen Dich gerichtliche Exekution betrieben wird, oder ob Du Deine fällige Telefonrechnung seit Monaten nicht bezahlst.
Darüber regen sich nur Leute auf, die Probleme mit den beiden Zetteln haben. Für alle anderen ist das eine selbstverständliche Angelegenheit. Du regst Dich ja auch nicht auf, wenn die Bank einen Meldezettel oder eine Lohnbestätigung sehen will.

Sagan
 
00

Vollkommen richtig, so läuft es bei der Wohnungssuche in Deutschland und keiner regt sich dort darüber auf.

Mein Name ist Bill.
10

Nichts kapiert.

General Cornwell
13
Selbstverständlich

aufregen tun sich ja nur die, die glauben Sie könnten auf Kosten anderer wohnen und leben.

Soph Isticus
11
das deutsche Rechtssystem lässt sich aber bitte schön NICHT mit dem ö vergleichen.

in Ö steht es jedem Vermieter offen, eine Mietzinsvorauszahlung auf 3,5, 10, 15, 20, ... Jahre zu begehren.

ZB. 50% der Bruttomiete.

Solange hier ein Zeitraum angeführt wird, erachten die Gerichte dies als noch erlaubt.

Daher ist eine Zeugnisausstellung mit Beurteilung der Mieter bestenfalls unnötig.

Es ist ein absolut ausreichendes Instrumentarium für die Absicherung der Interessen des Vermieters vorhanden: Kaution (bis 6 BMM) plus Mietzinsvorauszahlung im gewünschten Umfang.

Wer Gegenteiliges behauptet, hat anderes im Sinn als die Wahrung der berechtigten Interessen der Vermieter.

violavioletta
 
22
und alleinerziehende mütter...

mit halbtagsjob sollen dann unter der brücke wohnen? oder frauen in karenz mit befr. mietvertrag auch? laut google.at sind 300.000 Haushalte in Österreich sind überschuldet oder haben massive Schuldenprobleme, sollen die auch am besten unter der brücke schlafen damit sie nie mehr die gelegenheit bekommen arbeiten zu gehen und die schulden abzahlen können? das sind aber keine klassischen mietnomaden sondern personen die in ihrem leben mal geschlittert sind und das kann jedem passieren nach scheidung, tod eines partners, unfall, krankheit, pflege der eltern, jobverlust, behindertes kind etc....

Wolf X
13
Ganz im Gegenteil!

Damit wird ja verhindert, dass sich jemand verschuldet indem er eine Wohnung anmietet, die er sich auf Dauer nicht leisten kann.

violavioletta
 
00
aja

und sie wissen was in 5 jahren ist und welches einkommen sie dann haben? na gratuliere!

Salz Burger
00

In 5 Jahren kann man ja dann umziehen, wenn man eine andere Wohnung braucht. Wo soll hier das Problem sein?

violavioletta
 
20
in welche whng denn???

in 5 jahren sind die ja noch teurer! man kann nicht immer davon ausgehen dass jeder doppelverdiener ohne kids ist. vielleicht mal an die anderen denke und nicht immer so gierig sein würde uns allen weiterhelfen.

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