Ein Großteil der Fußballer kehrt zum Sport zurück - Selbst schwere Verletzungen hindern die meisten nicht daran
Kopenhagen - Eine neue schottische Studie zeigt, dass Fußballspieler, die Brüche an Armen oder Beinen erlitten, danach großteils wieder zu ihrem Sport zurückkehren konnten. Mehr als acht von zehn Rückkehrern spielten sogar auf dem gleichen oder sogar einem höheren Niveau weiter, als vor der
Verletzung. "Diese Ergebnisse demonstrieren eindrucksvoll die Möglichkeiten der modernen Unfallchirurgie, verletzte Areale soweit wiederherzustellen, dass sie sogar derart komplexen Anforderungen wie denen des Fußballsports genügen können", sagte Gregory Robertson (Edinburgh Royal Infirmary Hospital) im Rahmen des Europäischen Orthopädie-Kongress von 1. bis 4. Juni in Kopenhagen.
Ein Sport, der auf die Knochen geht
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Fußball die häufigste Ursache für sportbedingte Knochenbrüche ist, es gab bisher aber kaum Daten über Behandlungserfolge. Die Studie analysierte die Daten fußballbedingter Frakturen, die in den Jahren 2007 und 2008 in der schottischen Lothian-Region um Edinburgh aufgetreten waren. Die Verläufe von 366 behandelten Brüchen bei 357 Patienten wurden über 24 bis 36 Monate nachverfolgt. "32 Prozent dieser Frakturen waren solche der unteren Extremität, deren Verlauf für uns von besonderem Interesse ist, weil verbleibende funktionale Probleme in den Beinen oder Füßen die Rückkehr zum Sport mit viel größerer Wahrscheinlichkeit verhindern, als solche nach Arm- oder Handverletzungen", so Robertson.
Meist reicht ein Gips
Die häufigsten Frakturen der unteren Extremität waren solche des Knöchels (38 Prozent), eines Mittelfußknochens (22 Prozent), des Schienbeins (14 Prozent), und der Zehen (9 Prozent). Während zwei Drittel der Patienten konservativ mit einem einfachen Gipsverband behandelt werden konnten, erlitt rund ein Drittel kompliziertere Frakturen, die umfangreichere Eingriffe erforderten, etwa die Implantation von Nägeln oder Schienen, um die gebrochenen Knochenteile in der für die Heilung korrekten Position zu fixieren.
Hohe Rückkehr-Raten
Insgesamt kehrten 91 Prozent der konservativ behandelten Patienten bald (durchschnittlich 17 Wochen nach der Verletzung) zu ihrem Sport zurück. Von jenen, die operiert werden mussten, kehrten 84 Prozent auf den Fußballplatz zurück, allerdings nach einer längeren Heilungsperiode von durchschnittlich 41 Wochen. Insgesamt konnten 88 Prozent der Verletzten die sportliche Betätigung wieder aufnehmen, von denen 83 Prozent auf demselben oder sogar einem höheren Qualitätsniveau weiterspielten. "Die hohe Rückkehrrate bei den konservativ Behandelten war für uns wenig überraschend", so Robertson. "Die Zahl der chirurgisch Behandelten jedoch stellt ein exzellentes Zeugnis dessen dar, was eine optimale state-of-the-art-Behandlung auch sehr komplexer Brüche zu leisten vermag."
Beschwerden nach dem Bruch
In vielen Fällen bedeutete die Heilung des Bruchs und sogar die Rückkehr zum Sport aber dennoch keine Rückkehr zu gesundheitlicher Normalität. 43 Prozent der in der Studie eingeschlossenen Patienten berichteten über 24 Monate nach der Fraktur über fortgesetzte Probleme, meist waren es Schmerzen. Auch Probleme mit Metallimplantaten und Steifheit des dem Bruch nächstgelegenen Gelenks kamen vor. "Zum Teil sind diese Symptome natürliche Begleiterscheinungen des Heilungsprozesses und werden vergehen, teils könnten sie bleiben", erläuterte Robertson. "Das spiegelt den beträchtlichen Grad von Beeinträchtigung wider, die fußballbedingte Frakturen trotz allem, was die orthopädische Chirurgie anzubieten hat, immer noch mit sich bringen." (red)