Europa-Vergleich

Österreich bremst Bildungschancen von Türken der zweiten Generation

1. Juni 2011, 13:46
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    grafik: apa

Eltern sind im europäischen Vergleich gut gebildet - 40 Prozent der Befragten besuchten keinen Kindergarten

Wien - Dass in Österreich das Bildungsniveau der Eltern jenes ihrer Kinder mitbestimmt, wurde bereits in vielen Studien belegt. Migranten der zweiten Generation, deren Eltern aus der Türkei stammen, können von dem im europäischen Vergleich sehr hohen Bildungsgrad ihrer Eltern allerdings nicht profitieren: Sie haben in Österreich ein vergleichsweise geringeres Bildungsniveau. Das besagen erste Ergebnisse der seit zehn Jahren laufenden, in acht Ländern durchgeführten Studie "The Integration of the European Second Generation", aus der die Bildungsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger bei den "Wiener Bildungsgesprächen" am Dienstag Abend erste Ergebnisse präsentiert hat.

In Österreich wurden dafür persönliche Interviews mit rund 700 Personen zwischen 18 und 35 Jahren geführt, deren Eltern aus der Türkei stammen, die aber selbst bereits in Österreich geboren wurden. Die gesamte Studie erscheint Ende des Jahres im Band "The European Second Generation Compared. Does the Integration Context Matter?" bei Amsterdam University Press.

Nur 14 Prozent mit Hochschulausbildung

Ein Drittel der türkischen Migranten der zweiten Generation in Österreich schließt maximal die Sekundarstufe I ab, bis zur Matura schaffen es 22 Prozent, eine postsekundäre (Kolleg etc.) oder Hochschulausbildung machen nur 14 Prozent. In Schweden haben hingegen lediglich zehn Prozent nur einen Pflichtschulabschluss, 57 Prozent maturieren und 33 Prozent machen danach eine weitere Ausbildung. Ähnlich schlecht wie Österreich schneiden hingegen Deutschland und die Schweiz ab, in denen es ein ähnliches Bildungssystem gibt.

Das hohe Bildungsniveau der türkischen Migranten der ersten Generation war für die Forscher selbst eine Überraschung: In Österreich ist bei den Vätern der untersuchten Gruppe der Anteil derer, die eine mittlere Schule abgeschlossen haben am höchsten (50 Prozent), der Anteil derer mit maximal Volksschulabschluss hingegen am geringsten (28 Prozent). Zum Vergleich: In Schweden sind es 29 bzw. 48 Prozent. Auch die Mütter der Türken der zweiten Generation haben in Österreich ein vergleichsweise besseres Bildungsprofil.

"Rückkehrorientierung" forciert worden

Für ihre berufliche Position können sie das allerdings nur schlecht nutzen, so Herzog-Punzenberger. Stattdessen wurden Personen mit Lehrabschluss oft als Hilfsarbeiter eingesetzt und bleiben es für den Rest ihres Berufslebens. Dazu komme, dass die Politik in den vergangenen 40 Jahren bei Migranten in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern weniger stark auf Weiterqualifikation gesetzt habe. So wurden etwa in Schweden schon vor 40 Jahren angeworbene Arbeitskräfte in der Arbeitszeit kostenlos in Sprachkurse geschickt, was sich wiederum positiv auf die Aufstiegsmöglichkeiten ausgewirkt hat.

Österreich habe bewusst niedrig qualifizierte Arbeitskräfte gesucht, "sie wurden als konjunkturabhängige Verschubmasse gesehen", so Herzog-Punzenberger. Dementsprechend sei auch nicht deren Integration, sondern "Rückkehrorientierung" forciert worden, damit diese bei schlechterer Konjunktur wieder in ihre Heimat zurückgeschickt werden konnten. Während Schweden schon in den 70ern klar wurde, dass diese Menschen im Land bleiben würden, sei in Österreich noch in den 90ern eine Rückkehrorientierung erwünscht, in Deutschland über Prämien sogar aktiv gefördert worden. "Das sind schlechte Rahmenbedingungen für Spracherwerb", so die Forscherin. Dazu komme, dass langansässige Drittstaatsangehörige in Österreich nach wie vor nicht rechtlich gleichgestellt seien.

Kein Kindergarten

In Österreich haben - entsprechend der damaligen gesellschaftlichen Normalität - 40 Prozent der Befragten keinen Kindergarten besucht. Dementsprechend habe ihnen der Sprachkontakt und die Förderung in einer sehr sensiblen Phase gefehlt. Dazu komme die frühe Selektion: Während etwa in Schweden alle Kinder zwölf bis 13 Jahre gemeinsam in eine außerfamiliären Institution wie Schule oder Kindergarten gehen, sind es wegen des differenzierten Schulsystems in Österreich nur fünf bis sechs und damit die kürzeste Dauer in allen untersuchten Ländern. Zusätzlich haben durch die Halbtagsschule das Lernen zu Hause, Hilfe der Eltern bei der Hausübung und der Kontakt mit den Lehrern in Österreich wesentlichen Einfluss auf die Bildungskarriere der Kinder.

Dass in Schweden weder der soziale Hintergrund noch die Herkunft der Eltern die Bildungschancen wesentlich beeinflussen, stimmt Herzog-Punzenberger auch für Österreich optimistisch. "Es gibt Handlungsspielraum jenseits der Herkunftskultur." Gleichzeitig warnte sie davor, Aufgaben des Staates an die Eltern zu delegieren: "Solange es nicht optimale Förderbedingungen für alle Kinder gibt, sollten wir die Eltern ihre Schichtarbeit machen lassen, ohne dass sie abends müde aus einem Buch vorlesen, das sie selbst nicht verstehen." (APA)

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D/E
04
Die neue Überschrift schafft endlich Klarheit:

Der Inhalt der Studie ist völlig gleichgültig. Hier geht es um Ideologie.

Für diejenigen, die der Sachverhalt interessiert: Die Studie sagt natürlich nichts dergleichen, sondern sie stellt nur fest, dass türkische Schüler/innen der 2. Generation in D und Ö tatsächlich schlecht abschneiden.

Übrigens nehmen sie bereits in der Primarstufe durchschnittlich seltener am Unterricht teil als andere Schülergruppen.

Tja.

Daran ist wahrscheinlich auch die Schule schuld.
Oder die Lehrer.

Jedenfalls niemals die Eltern.

Freigeistin1
07
Falsche Politik!

Es leben in Österreich lt. Statistik über 100 ethnische Minderheiten.Wenn man von den Deutschen absieht ,gibt es auch mit vielen anderen Volksgruppen (Chinesen, Koreaner und Tai bis Kroaten, etc.) kaum Probleme.Und bei fast allen sprechen ihre Kinder akzeptabel deutsch (oft ohne d. KiGa besucht zu haben)Wieso wird eine eindeutig geringer integrationswillige Volksgruppe derartig gegenüber den anderen Zuwanderern und auch den autochthonen bevorzugt.Integration ist eine Bringschuld die die meisten anderen Zuwanderer (geringe Ausnahmen bestätigen die Regel) gerne erbringen.Anstatt die integrationswilligen und autochthonen zu fördern, fördert man die integrationsunwilligen und wundert sich wenn Rechtspopulisten Zulauf erhalten.

D/E
33
Ich vermute einmal, dass man Probleme mit Chinesen

z. B. kaum mitbekommen wird, weil gerade diese Volksgruppe sehr vieles ohne öffentliche Wahrnehmung abhandelt. Nur eine Anekdote: Dass das Verwenden desselben Ausweisdokuments für völlig verschiedene Personen durchaus gebräuchlich ist, habe ich bereits miterlebt.

Ich habe beruflich mit afrikanischen Studenten zu tun (haupts. Nigeria und Burkina Faso). Da kommt einem allerlei unter: Deutsch sprechen gerade diese Herren praktisch nie -- trotz Studiums in Ö. (Die meisten studieren auch nicht wirklich.)

marie berg
63
na,

haben wir jetzt tolle vorurteile gedroschen? - "die meisten afrikanischen studenten auch nicht wirklich." BRAVO, herr lehrer - ich habe berufmäßig viel mit lehrern zu tun: die meisten lehrer arbeiten auch nicht wirklich.

Sche
43
Lustig...

...anderen Vorurteile zu unterstellen und dann sowas vom Stapel zu lassen:
"die MEISTEN lehrer arbeiten auch nicht wirklich."

Ihre Aussage "ich habe berufmäßig viel mit lehrern zu tun" bestätigt meine These, dass sie dafür bezahlt werden, hier zu posten, was Ihre Postings allerdings auch nicht besser macht.

Auf eine Antwort kann ich verzichten!

D/E
23
Man kann die Beiträge der Bergmarie auch ignorieren.

Es fällt immer leichter.

marie berg
42
ja,

wer ironie nicht erkennt, dem kann ich auch nicht helfen.

rigil kent
00
12.6.2011, 20:01

Sie machen es einem aber nicht so leicht, das tatsächlich ironisch Gemeinte aus all Ihren Postings herauszuerkennen!

Thomas_Mueller
 
11

Gibt auch andere Zahlen: Eine Auswertung des Mikrozensus von 2010 zeigt das Gegenteil, 88% der Eltern (45-59 J.) haben nur die Pflichtschule besucht, davon 21% ohne Abschluss. Bei deren Kindern waren es demnach nur mehr 43%. Matura (und höher) hat sich von 3% auf 17% erhöht. Also eine der Studien hat sich irgendwo bei den Eltern vertan.

Siehe der Beitrag von August Gächter in http://www.studienverlag.at/page.cfm?... titnr=4832

anders and
 
15
die Überschrift ist falsch gewählt!

Ich bin mir sicher, dass die schlecht qualifizierten Türken deutlich mehr Kinder bekommen als die gut qualifizierten.

Tatsächlich dürfte das Bildungsniveau türkischstämmiger Kinder leicht über dem Bildungsniveau ihrer jeweiligen Eltern liegen und es zu keinem bildungsmäßigen Abstieg innerhalb der einzelnen Familien kommen.

marie berg
31
ja und

da sollte sich mal jemand hinsetzen und überlegen, WARUM hierzulande die gutausgebildeten frauen deutlich weniger kinder bekommen. liegt es etwa an unvereinbarkeit von karriere und familie? an unsäglichen ansätzen wie: die mütter sollten müttergeld bekommen (WARUM sollte das eine gutausgebildete frau dazu bewegen, kinder zu bekommen?).

anders and
 
01
weil immerall und überwo

die besser gebildeten Frauen im Durchschnitt weniger Kinder bekommen - das ist so etwas wie eine weltgeschichtliche Konstante.

D/E
21
Das ist so nicht haltbar.

Es gibt nur zwei eindeutige Konnotationen: Einerseits entscheidet der Bildungszugang für Frauen über die Anwendung von Empfängnisregelung, andererseits erhöht die gesellschaftliche Toleranz gegenüber den Bedürfnissen von Erziehenden (etwa durch die Bereitstellung von Betreuungseinrichtungen nach Bedarf!) die Reproduktionsrate.

Weiters spielen noch Sicherheitsaspekte eine Rolle: Hohe Kindersterblichkeit, Kriege, das Fehlen einer Altersversorgung haben immer zu (temporärer) Überbevölkerung geführt.

Offensichtlich erreichen familienfreundliche Länder (wie F, S, Dk), die Berufstätigkeit von Eltern als selbsrtverständlich ansehen, die ideale Reproduktionsrate.

mikromalist
 
00
Trefflich analysiert und beschrieben.

Da gibt es nichts zu maulen.
Mit der kleinen Ergänzung, die "ideale Reproduktion" ist auch eine Funktion der gefühlten Bevölkerungsdichte. S können Sie nicht mit AT vergleichen.
Und natürlich ist "familienfreundlich" ein ideologischer Begriff.

Thomas_Mueller
 
01

Dass es in Österreich derzeit nur mehr 1,4 Kinder pro Frau gibt und in Frankreich und Schweden mehr als 2 hat mit Weltgeschichte wenig zu tun. Und konstant war da überhaupt nie was, siehe Bevölkerungsexplosion um Mittelalter.

anders and
 
01

hing die nicht mehr mit der Mortalität als mit der Fertilität zusammen?

Natürlich habe ich übertrieben, aber einen Durchschnitt von über drei Kindern pro Frau gibt es heute halt nur noch in ärmeren Ländern oder speziellen ethnischen Bevölkerungsschichten mit geringer formaler Bildung.

mikromalist
 
00
Mütter sollen KEIN Müttergeld,

Kindergeld oder was immer bekommen, damit sie endlich aufhören Kinder als Sozialhilfe zu betrachten.
Kinder sind zwar Rechtspersönlichkeiten, aber Privatsache.

D/E
01
Genauso sollte das Pensionssystem Privatsache sein.

Und die Krankenvorsorge.

Und überhaupt ist der Sozialstaat pfui.

So gesehen war das Viktorianische Zeitalter ja ein Idyll.

mikromalist
 
32
Schon wieder Strawmenargumente.

Sie wissen genau, dass "mein" Sozialstaat auf alle sozial Benachteiligten zielt. Ist es nicht eher Ihr mittelalterliches Familien- und Erziehungsbild?
Mein reichliches Steuergeld können Sie für Betreuungseirichtungen fuer Jung- und Alt haben, Krankheit, Arbeitslosigkeit, ... aber nicht fuer faule Frauen in goldenen Käfigen und faule Lehrer.

D/E
11
Tut mir leid, ich lese nur Borniertheit.

mikromalist
 
31
Das ist einfach zu erkennen.

Sie lesen das, was Sie im Kopf haben.

D/E
03
Und damit wir uns gleich richtig verstehen:

Es ist völliger Blödsinn, so zu tun, als ob man sich Kinder als Einkommensersatz zulegen könnte.

Den üblichen Schwampf von wegen faulen Lehrern will ich gar nicht kommentieren. Wie gesagt, nichts als Borniertheit. (Ich z. B. habe für Forumsrenommisten wenig übrig, mache aber kein Tamtam darum.)

D/E
01
Und dass es hierzulande kein Müttergeld gibt, sollte man

eventuell auch wissen, bevor man sich zum Thema ausbreitet.

mikromalist
 
30
Sie sollten vielleicht lesen,

dass dies eine Antwort auf eine Forderung ist?
Dazu müssten Sie aber Strawmen aufgeben, Ihr Steckenpferd.

G. Bitte!
110

Strache ist jetzt schon (knapp) auf platz eins und das obwohl die Bekennerquote zur FPÖ in Umfragen traditionell niedrig ist. Der grund dafür ist einzig und alleine dass die Migrationsprobleme von SPÖ und ÖVP entweder komplett igrnoriert oder beschwichtigt werden. Die Leute fühlen sich abgekanzelt, unverstanden und machtlos. Und deshalb werden sie strache wählen, um die Notbremse zu ziehen. Dass das auch nix nutzt wissen sie ja noch nicht.

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