Samsung Serie 9 im Test: Angriff aufs MacBook Air

1. Juni 2011, 11:09
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Nachahmung ist das schönste Kompliment, heißt es und Samsungs superflaches Air-Imitat ist sehr gelungen

Schneller als andere Konkurrenten hat der koreanische Hersteller Samsung das Erfolgsrezept Apples nachgeahmt, zuerst mit dem Galaxy S, einem iPhone-artigen Android-Handy, dann mit dem Galaxy Tab, das ein verkleinertes iPad sein könnte. Für Apple scheint seit einiger Zeit die Schmerzgrenze überschritten, der iPhone- und iPad-Hersteller verklagte seinen Lieferanten Samsung - die Koreaner liefern Chips und Displays - wegen Urheberrechtsverletzung. Originellerweise verlangt Samsung jetzt bei Gericht, dass Apple ihm seine künftigen iPhones und iPads zeigen muss - damit es nicht neuerlich "versehentlich" das Design abkupfert.

Jetzt kommt ein weiteres Samsung-Produkt in den Handel, das seine Verwandtschaft mit Apples superflachem Notebook Air nicht ganz leugnen kann: das Samsung-Notebook 900X3A3, das bereits zu Jahresbeginn gezeigt wurde.

Hochwertig verarbeitet

Die "Serie 9" - Andeutung, dass in dieser Bauweise weitere Geräte folgen sollen - ist ein elegant designtes, an der stärksten Stelle gerade 16 Millimeter messendes Notebook (Air: 17 mm) mit 13,3-Zoll-Display, das auch bei hellem Tageslicht gut zu lesen ist. Wie das MacBook Air glänzt es durch ein solides Metallgehäuse, allerdings in schwarzem Duraluminium statt dem silbernen Alulook der Apple-Geräte. Flach und leicht (1,31 Kilogramm vs. 1,32 beim Air), ordnet es sich in Taschen gut unter. Möglich wird die kompakte Bauweise durch den Verzicht auf ein DVD-Laufwerk.

Samsung hat in seinem Windows 7 Notebook die jüngste Intel-Chipgeneration Core i5 verbaut, was ihm etwas mehr Leistung als dem Air gibt (das zuletzt im Vorjahr aktualisiert wurde und vermutlich im Juni ein Update erfährt). Jedenfalls erweist es sich im Betrieb als sehr schnelles Gerät. Speicherchips statt Festplatte tragen zum Tempo und zu schneller Startzeit bei. Mit dieser desktopartigen Leistung wird man bei anspruchsvollen Aufgaben wie dem Schnitt von HD-Videos gut bedient. Dem entspricht auch die sehr lichtstarke Display-Qualität im Breitleinwand-Format von 1366 x 768 Pixeln. Allerdings bietet der Schirm vor allem in der Höhe weniger Platz als das Air-Display (1440 x 900 Pixel).

Gestensteuerung

Das Serie-9-Notebook verwendet ein großes tastenloses Touchpad zur Steuerung. Der "Mausklick" erfolgt durch Antippen oder durch Anklicken des Touchpads. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dabei, dass je nach Position des Fingers beim Anklicken oder Antippen die linke oder die rechte Maustaste imitiert wird. Auch Fingergesten sind möglich, etwa um durch Webseiten zu scrollen.

Samsung hat dem Gerät etwas mehr Schnittstellen als Apple dem Air verpasst; und es verwendet den jüngsten USB-3.0-Standard, was das Übertragungstempo erhöht - vorausgesetzt, das angeschlossene Gerät, etwa eine Videokamera, kann damit dienen.

Teurer und durstiger

Der Akku ist im Gerät verbaut und kann nicht gewechselt werden, auch das ein Feature, das Apple seit geraumer Zeit bei seinen MacBooks eingeführt hat. Beide Firmen nennen sieben Stunden Laufzeit, was das Samsung Notebook jedoch nur bei sehr sparsamem Gebrauch erreichen kann; realistischer erscheinen vier bis fünf Stunden Laufzeit. Beim Preis liegt Samsung dafür mit 1500 Euro über Apple (1300 bis 1600 Euro).

Air und Serie 9 sind Vorboten weiterer flacher "Ultrabooks", wie dies Intel nennt. Bei der eben laufenden taiwanischen Computershow Comdex sagt der Präsident von Intel China, Sean Maloney, diesen flachen Notebooks bis Ende 2012 bereits 40 Prozent Marktanteil voraus. (Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 1.6.2011)

  • Samsungs Serie 9
    foto: samsung

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