Alle rätselten über Erkrankung von 26-jähriger Ärztin, die aus Thailand zurück gekommen war - Es waren simple Masern
Grado - Wer sich auf Fernreise begibt, sollte seinen Impfstatus überprüfen lassen. Spezialimpfungen, ausgefuchste Malariaprophylaxe etc. schützen nämlich nicht davor, nach der Rückkehr in die "Mangel" eines intensiven Spitalaufenthaltes samt Abklärung von "Allem und Jedem" zu kommen. Manchmal fehlt nämlich eine simple Masern-Impfung, hieß es Dienstagnachmittag bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (bis 4. Juni).
Der Fall, der von der Wiener Spezialistin Judith Leithner von der Universitätsklinik für Innere Medizin IV am AKH präsentiert wurde: Eine 26-jährige junge Ärztin, Tochter eines Kinderarztes mit mehreren Kindern, war nach einer ausgedehnten Thailand-Reise erkrankt, hatte Fieber bekommen. Sie nahm ein Antibiotikum und ein fiebersenkendes Mittel ein. Das half, aber nur kurz. "Ab ins Spital", hieß die Devise, als sich auch noch - zunächst im Gesicht - ein Ausschlag einstellte, der sich binnen eines Tages auf den größten Teil des Körpers ausbreitete.
Da lief schon die mächtige Medizin-Maschinerie an, samt Labor- und Fachärzte-Konsultationen. Die Laborwerte bzw. Blutbefunde zeigten keine offensichtliche Ursache an. Für den Hautausschlag hatte ein Dermatologe auch eine Cytomegalie-Virus-Infektion oder einen Ausschlag durch das fiebersenkende Mittel als Erklärung anzubieten.
Bis sich am Ende herausstellte: Es waren Masern. Die Patientin war offenbar im Kindesalter aus irgendeinem Grund sogar durch das sonst über die Familie des Arztes dicht gespannte "Impfnetz" geschlüpft und nie gegen Masern-Mumps-Röteln immunisiert worden.
Der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch: "Bei uns sind Masern eine seltene Erkrankung, in Südostasien sind sie häufig." Für die Kontrolle des ganz normalen Impfstatus' - eventuell auch mit Antikörper-Untersuchungen - sei die Vorbereitung auf eine eventuelle Fernreise ein guter Zeitpunkt.
Das Problem, das in dem Fall noch zusätzlich auftrat: Weil in dem Krankenhaus die Masern so spät diagnostiziert wurden, war wegen der enorm hohen Infektiosität der Erkrankung dort erst recht Alarm angesagt. Man hatte die Patientin nämlich nicht isoliert. In einem aufwendigen Verfahren mussten alle Kontaktpersonen gesucht und auf ihren Impfstatus angesprochen werden. In Europa gehen derzeit die Masern um, auch das österreichische Gesundheitswesen hat bereits zur Überprüfung des Impfstatus, besonders unter jungen Erwachsenen, aufgerufen. (APA)