The European: Guntram Wolff

Griechenlands Weg aus der Krise

Guntram Wolff, 1. Juni 2011, 11:00

Wichtig ist momentan vor allem, die verschiedenen Optionen zur Rettung der griechischen Wirtschaft offen zu diskutieren

Die griechischen Daten sehen nicht gut aus. Der Neuverschuldung musste erneut nach oben revidiert werden und die Gesamtverschuldung liegt bei fast 160 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Zudem gibt es keine sichtbaren Fortschritte bei der Privatisierung. Die meisten Ökonomen denken deshalb, dass eine Umschuldung unabweisbar ist. Eine unbegrenzte Verlängerung und Erweiterung der Hilfsprogramme ist jedenfalls dem Wähler nur schwer zu vermitteln.

Entscheidend ist, wie man die Umschuldung gestaltet

Entscheidend ist nun, wie man die Umschuldung gestaltet. Wichtig ist, dass eine ungeordnete Insolvenz wie bei Lehman verhindert wird. Das Problem könnte sich bereits in wenigen Wochen stellen, wenn die EU und IWF ihren Prüfbericht vorlegen und entscheiden sollten, Griechenland die nächste Tranche der Hilfskredite zu verweigern. Das wäre ein erheblicher Schock. Die negativen Folgen einer Umschuldung für das Eurosystem müssten möglichst klein gehalten werden. Hierzu benötigen wir einen genauen Plan, den nur eine europäische Institution wie z.B. der neue Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) entwickeln kann. Weder die Mitgliedsstaaten selber noch die Eurogruppe haben die Kapazitäten, alle wichtigen Aspekte einer Umschuldung zu berücksichtigen. Dies führte dazu, dass die Minister bei dem letzten Eurogruppen-Treffen zu keiner Lösung kommen konnten und anschließend mit teilweise widersprüchlichen Aussagen die Unsicherheit an den Märkten weiter erhöhten.

Mehrere Aspekte müssen bei einem Umschuldungsplan beachtet werden. Eine Umschuldung führt zu Abschreibungen in den Banken. Hier erwarte ich zunächst keine großen Probleme, die Marktteilnehmer rechnen schon seit Längerem mit einer Umschuldung. Eine Umschuldung würde natürlich dazu führen, dass die griechischen Banken kein Eigenkapital mehr hätten. Man müsste dann das griechische Finanzsystem stabilisieren, sodass es keine weitere Ansteckung z.B. auf Osteuropa gibt und das Zahlungssystem in Griechenland weiterhin funktioniert. Dieses Problem ließe sich teilweise durch eine Übernahme durch ausländische Institute lösen. Dann gibt es den indirekten Kanal über den CDS-Markt, der genau analysiert werden muss. Schließlich müssen wir natürlich die Marktpsychologie beachten, also die Ansteckungsgefahr für andere Länder. Dies lässt sich nur schwer einschätzen aber eine klare Kommunikation würde da vieles lösen.

Krisenkommunikation als erster Schritt

Natürlich benötigt man auch die EZB, die bei einer Umschuldung Liquidität für das griechische Bankensystem zur Verfügung stellen müsste. Hierzu müsste die EZB ihre Sicherungsbedingungen für einen Übergangszeitraum anpassen. Dies ist möglich. Die EZB hat mit Hinweis auf die Finanzmarktstabilität bisher eine Umschuldung abgelehnt. Sollte die EZB aber tatsächlich denken, dass eine solche Umschuldung die Finanzmarktstabilität in Gefahr bringt, dann hätte sie schon lange das ESRB einschalten müssen. Das hat sie bisher nicht gemacht. Die EZB wird sich deshalb einer Lösung, wie sie in der Eurogruppe beschlossen wird, nicht verschließen. Der berühmte Ökonom Nouriel Roubini hat kürzlich argumentiert, dass eine geordnete Umstrukturierung eine relativ geringe Gefahr darstellt. Sollte diese Einschätzung einer detaillierten und öffentlichen Beurteilung durch die EU-Institutionen nicht standhalten, dann müsste natürlich über weitere Hilfen nachdacht werden. Insgesamt ist es jetzt wichtig, einen transparenten Plan zu haben. Eine Vogel-Strauß-Politik wird schiefgehen. (derStandard.at 1.6.2011)

Autor

Guntram Wolff, The European, der Wissenschaftler der Brüsseler Denkfabrik Bruegel war zuvor in der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der europäischen Kommission tätig. Davor arbeitete Wolff als Ökonom für die deutsche Bundesbank, wo er die Forschungsgruppe zur Fiskalpolitk leitete. Er promovierte an der Universität Bonn und arbeitete als Stipendiant am Zentrum für europäische Integrationsforschung (ZEI). Momentan ist Wolff auch als Berater des Internationalen Währungsfonds (IMF) tätig.

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Posting 1 bis 25 von 69
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Frodo Der Hobbit
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umstrukturieren..

ja, die physische wirtschaft umzustrukturieren, das wäre mal ein anfang.

privatisieren? wo wird das denn besser als was die treuhand gemacht hat, und tchernomyrdin?
man hört doch hinter vielen kommentaren so richtig den speichel tropfen...

umgekehrt muss ein usus gefunden werden, dass die verwaltung der infrastrukturen, und vor allem auch der ausbau und die optimierung, weniger korrupt abläuft, und unter stärkerer demokratischer kontrolle durchaus auch länderübergreifend, denn die position dieser weltgegend bedarf gemeinsamer europäischer verantwortung, statt dass man es den grossmächten überlässt, mit bekannten folgen.

diese sparerei und unsicherheit, die menschen sind doch schon lethargisch und mutlos genug!
geht nur gemeinsam..

Sidlo
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Im geordneten Rahmen, also mit umfassender

Absicherung gegen Großbanken- und Länderkonkurse, ist nicht nur eine Umschuldung möglich und denkbar, sondern auch ein kompletter Austritt der Problemländer aus dem Euroverbund, und damit eine Lösung des Problems an der Wurzel. Natürlich würde das der EU etwas kosten, aber doch viel weniger als einfach so weiterzumachen als bisher. Nur müsste dann die EU auch zugeben, dass sie bei der EUroeinführung einen gigantischen Megapfusch gebaut hat, und um das zu vermeiden, wird sie auch weiter am falschen Weg festhalten, bis die Sache ganz unberrschbart wird.

Benu
00
Alle wollen etwas gegen den Geruch tun, aber keiner spricht über den Elefanten im Zimmer.

Es gibt auf lange Sicht kein Entkommen, auch nicht für andere Staaten.
Die einzigen Auswege meiner Meinung nach:
- Verzicht/Verlust bei den Gläubigern und/oder
- Einführung einer zinslosen Umlaufwährung

Solange Geld so in Umlauf gebracht wird, wie dies zur Zeit gemacht wird, muss es zum Bankrott kommen.
Der Elefant im Zimmer ist, dass Geld nur als zinsenbehaftete Schuld existiert. Eigentlich wollen wir damit aber nur einfacher Tauschgeschäfte abwickeln und nicht Zinsen für die Benutzung zahlen.

franz der freie
 
01
alles wischi waschi.

gr hat kein einkommen, um schulden oder auch nur zinsen bezahlen zu können. beim abverkauf der letzten assets, können später keine steuern mehr generiert werden. die gewinnbringenden hafenanlagen und fährverbindungen wurden gegen kredite schon an china verkauft. wie will man dann geld in die kassa bringen ? ein haircut würde deutsche, französische und vor allem amerikanische banken mit einem vielfachen der schulden treffen wegen der eingegangenen gehebelten kreditausfallsversicherungen. diesen finanztsunami versucht man vergeblich zu verhindern. so long euro und dollar. hello gold and silver.

presumption of innocence
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indem sie die Euros in neue Drachmen umwechseln und diese sofort inflationieren, 20, 40 und 70%.

Das wissen Lagarde und die Banken und deshalb akzeptieren sie lieber eine Umschuldung. Es wird aber nichts nützen wenn die Griechen ihre korrupten Politiker in die Wüste schicken und auf die EU pfeiffen.

Island hat es bewiesen, dass mit eigener Währung und neuer Regierung eine solche Krise besser zu bewältigen ist.

presumption of innocence
10
Griechenland kann die Schulden bezahlen:

selma v. hayek
10

Die reichen Zentren des Kapitals haben zuviel desselben. Zur marktkonkurrenziell erzwungenen, ewigen (?) Vermehrung desselben müssen sie sich allerhand einfallen lassen:

sie verzehnfachen es (als Buch- bzw. Kreditgeld), vergeben dies an die Randgebiete (wie etwa GR), sodass diese damit auch noch die Warenüberschüsse kaufen können (müssen) und obendrauf noch horrende Zinsen zahlen (müssen).

Kurz: GR+co sind arm WEIL Ö+co REICH sind.
Die Rechten phantasieren wie üblich Gegenteiliges.

Wie auch immer: historischer Usus ist Staatsbankrott. Wegen der strukturellen Überakkumulation von Kapital kommen sowieso wieder Gelder ins Land.

Jepedaia Springfield
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kann es sicher nicht!

Wolfgang Bodem1
 
01

das glaubst aber net im ernst...

presumption of innocence
00
Mir brauchst net glauben, aber vielleicht dem hier von der Strategic Planning Group:

http://rt.com/programs/... er-report/

.

bye bye austria
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und die erde ist eine scheibe:

"...Abschreibungen in den Banken. Hier erwarte ich zunächst keine großen Probleme..."
"...dass die griechischen Banken kein Eigenkapital mehr hätten. Man müsste dann (nur) das griechische Finanzsystem stabilisieren..."
"...Liquidität für das griechische Bankensystem zur Verfügung stellen müsste. Hierzu müsste die EZB ihre Sicherungsbedingungen für einen Übergangszeitraum anpassen (!)..." (wann endet der dann ?)

Die EZB und andere (wer eigentlich?) sollen also noch rd 100 Mrd. nachschießen und am Ende de facto die "Umschuldung" (=Pleite) zweimal tragen, damit nur ja "niemand angesteckt wird..."

Besser: Lassen wir sie gleich voll absaufen, vielleicht fährt unseren Politikern der Schrecken dann ordentlich in die Glieder und sie lernen was

Tullner Liebe
011
Keiner postet zu den wirklichen Ursachen der Pleite,

nämlich ein nicht funktionierendes und korruptes Rechtssystem, zwei Clans, die sich seit mehr als 4 Jahrzehnten die Macht teilen und die seit damals nur Clientelpolitik machen.

Da können Sie Geld reinschütten ohne Ende, ich sage Ihnen dann, wo das letztendlich hinfließt!

Ohne grundlegende Reformen - keine Chancen.

Übrigens sehe ich auch Ö diesen Weg gehen!!

franz der freie
 
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ich sehe die österreicher in einigen monaten auch den griechischen weg gehen>

auf die strasse, wenn die ersten sparpakete wegen der "hilfen" an wen auch immer, notwendig werden. gnade gott den politikern, wenn die trägen ösis erst in bewegung sind.

seventy-seven
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wo dass Geld der Griechen...

hinfliesst? Sag ich schon lange. Es liegen ca. 400 Mrd. bei Steuerosen Banken! Der Rest im leeren Topf in Grld. Den stopft jetzt die EU und da immer noch abfliest, wird das Stopfen endlos ! Immerhin "helfen" die Steueroasen mit Kreditvergaben von denen wo die Gelder her sind. Das betrifft nicht nur Griechenland....

presumption of innocence
01
"Eine Vogel-Strauß-Politik wird schiefgehen"

Klar ohne Vogel Strauss-Kahn

Peacefaktor
34
Privatisierungen?

Wenn einer am Boden liegt, dann nimmt man ihm das Letzte, was ihm gehört, damit er sich gar nicht mehr rühren kann.
Im Gegenteil, man müsste nach dem Raubzug der Banken zu aller erst die Banken in Griechenland privatisieren, die Leute, und dazu gehört wahrscheinlich auch Papandreou, der Griechenland zum eigenen Vorteil verraten und verkauft hat, verhaften und deren Vermögen der Staatskassa zuführen.
Griechenland müsste aus dem Euro raus, wie Portugal, Italien und Spanien auch, dann könnten sie abwerten, die Importe würden sich verteuren, die Exporte verbilligen. Es würde ein bisserl die Expoertrekorde der Deutschen bremsen, aber die Staaten wären dann wieder lebensfähig.
Alles andere ist auf einen Halbtoten eintreten.

Nichtschweiger
 
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Sie haben weder von den Ursachen, noch von wirksamen Lösungen...

..der Probleme in Griechenland eine Ahnung! Hören sie also auf Ratschläge zu erteilen - hört ohnehin niemand auf sie!

reallity show
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bei dem schuldenstand ist es egal was gemacht wird. ohne wunder werden die nie getilgt werden können. oder sklaven der banken für jahrhunderte sein. da wird's vorher aufstände geben.

welche regierungskreise haben den die GS-boys reingeholt. die sollen auch dafür zahlen.

Peter Jan
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Das Wunder ist, dass überhaupt bei Privatpersonen Kredite genommen wurden. Wieso sollte ein echter Staat sowas tun?

Das Problem ist, dass die Mehrheit der Menschen nichts weiter als verkleidete Affen sind, die sich einbilden, Gott und die Welt verstanden zu haben, aber im Grunde noch nicht mal in der Moderne angekommen sind.

Igor Gassner
13
Und es schreiben wieder die ganzen TZhink tanks

und Magazine die alle von den lieben Banken bezahlt werden. Das ist jetzt seit 100 jahren beste Angelsächsische Tradition über die EU von uns übernommen und produziert nur eines immer größere immer nachhaltigere Krisen und den Untergang des Westens.

was immer ich am Westen auszusetzen habe er ist es wert gerettet zu werden. Österreich und Deutschland auch Skandinavien haben ihn ebenso geprägt wie die Calvenistische Tradition. Die angelsächsische Tradition des Westens ist an einem Toten Ende angelangt, das ist sie schon lange aber durch ihre macht konnte sie ihre herschaft verlängern aber nun ist es aus Ende und wir müsen einen eigenen Westlichen Weg finden. Eine Neue Tradition die sich vielleicht an der alten Hanse orientieren sollte am eh

Peter Jan
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Stimmt, die Krise wurde von denen eingebrockt, die den ganzen Tag nur abgedroschene Denglisch-Floskeln in ihrem Hirn hören.

Treibhauseffekt
01

Noch ein paar Milliönchen aus der Staatskasse in den griechischen Sumpf versenken, bevor die Pappenheimer vor die Presse treten und mit der ewig gleichen ratlosen Miene eingestehen: Gebracht hat's nix, aber was hätten wir tun sollen?

Die Antwort: Nichts mehr überweisen! Keinen Cent!

So, jetzt können sie zumindest nicht behaupten, es hätte keine Alternative gegeben.

Im selben Ausmaß, in dem hier Geld verschwendet wird, treibt man dem guten HC die Wählerscharen der damit Unzufriedenen in die offenen Arme.

sensortimecom
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Keinen Cent mehr...

Nein, das geht auch nicht.

Man sollte die überlebens-notwendigen Finanzspritzen weiter gewähren. Schließlich waren es ja die anderen, die GR in diese Fall gelotst haben (vorher hatten sie die Drachme und konnten inflationieren und/oder abwerten). Jene Leute, die dafür verantwortlich sind, gehören vor GERICHT.

Es wäre aber zu überlegen ob man die Finanzspritzen nicht auf privater Ebene organisiert (nach Art "Nachbar-in-Not"-Aktionen) damit den Leuten so richtig bewusst wird, welche Schei** angerichtet worden ist und wie hoch der Finanzbedarf ist.

TuringBot
01

Welche Schufte genau haben die armen Griechen in die Eurozone gelotst? Ich dachte, die sind nur mit Tricks und Lügen überhaupt hinein gekommen, scheinen das also selbst freiwillig & absichtlich gemacht zu haben, oder? Also könnten hier wohl bestenfalls griechische PolitikerInnen vor Gericht kommen, das dürfte aber dann auch niemand mehr helfen...

Kiste
00

irgendwo hörte ich dass Golman&Sachs ein wenig mitgeholfen haben - aber das sind doch keine Schufte - besetzen sie doch hohe Ämter in den Staaten.

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