Jérôme Valcke, FIFA-Generalsekretär

Ein General, der zweimal ins eigene Tor traf

Eigentore von Spielmachern sind im Fußball selten. Dem Franzosen Jérôme Valcke sind in seiner an sich beachtlichen Managerkarriere aber schon zwei passiert, spektakuläre noch dazu. Das erste kostete den Fußballweltverband (Fifa) rund 100 Millionen Dollar. Das zweite, erst am Montag ruchbar geworden, könnte teurer kommen.

Valcke, der Generalsekretär der Weltregierung des Fußballs, unterstellte in einer von einem Gegenspieler veröffentlichten E-Mail dem Emirat Katar, den Zuschlag für die WM-Endrunde 2022 gekauft zu haben. Er muss wissen, was seit dem sensationellen Zuschlag am 2. Dezember des Vorjahres nicht nur von den Mitbewerbern Katars vermutet wird. Der 50-jährige Pariser gehört ja seit einem Jahrzehnt zu den engsten Vertrauten von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter. Und der Schweizer sitzt dem Exekutivkomitee vor, das die weltweit lukrativste Sportveranstaltung vergibt.

Die Erklärung für die E-Mail missriet dem sonst so gewandten und im persönlichen Umgang stets charmanten Valcke völlig. "Was ich sagen wollte, ist, dass die Sieger ihre finanzielle Kraft genutzt haben, um Lobbyarbeit zu betreiben", ließ der Spross einer Ärztedynastie wissen. Katar droht mit rechtlichen Schritten, sogar die Neuausschreibung der WM scheint möglich. Valcke wäre in der Fifa erledigt, wie er es 2007 schon einmal zu sein schien.

Damals setzte er als Marketing-Chef einen 180 Millionen Dollar schweren Sponsorvertrag in den Sand, weil er trotz vertraglich zugesicherten Vorkaufsrechts für Mastercard widerrechtlich auch mit Visa verhandelt hatte. "Für Vertragsverhandlungen gelten andere Regeln als für ein Fußballspiel", verantwortete sich der ehemalige Journalist des französischen TV-Senders Canal+ vor Gericht. Fair Play? No way! Mastercard stimmte einem Vergleich zu, Blatter stellte Valcke frei, holte ihn aber bald wieder zurück - als ersten nichtschweizerischen Fifa-General seit mehr als 50 Jahren. Schließlich habe er vor dem Mastercard-Debakel dafür gesorgt, dass die verschuldete Fifa in finanziell lichte Höhen aufstieg.

Valcke hat die schweren Zeiten nicht vergessen. Der Liebhaber schneller Autos zog nach dem Scheitern seiner durch zwei Kinder gesegneten Ehe mit einer bekannten französischen Künstleragentin von Paris nach Zürich und steht fest an Blatters Seite. "Die Fifa", sagt er, "hat nicht nur dunkle Seiten." "Manchmal geht es nicht ohne eine Notlüge", hat Valcke übrigens auch einmal gesagt. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 1.6. 2011)

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