Oberster EU-Datenschützer kritisiert Vorratsdatenspeicherung

31. Mai 2011, 18:28

Hustinx: Kommission soll Aufhebung von Richtlinie prüfen

Die Vorratsdatenspeicherung greift nach Ansicht des obersten EU-Datenschützers, Peter Hustinx, zu stark in die Grundrechte ein. Die entsprechende Richtlinie erfülle "die Anforderungen der Grundrechte auf Schutz der Privatsphäre und Datenschutz nicht", erklärte der Europäische Datenschutzbeauftragte am Dienstag in Brüssel, nachdem er einen Bericht der EU-Kommission zur Umsetzung des Gesetzes analysiert hatte. Die EU-Richtlinie von 2006 verlangt die verdachtlose Speicherung der Verbindungsdaten von Telefon, E-Mail und Internet für mindestens sechs Monate und höchstens zwei Jahre, um damit schwere Straftaten besser aufklären zu können.

Drei Kritikpunkte

Hustinx machte hauptsächlich drei Kritikpunkte an dem Gesetz geltend: Erstens sei die Notwendigkeit der Speicherung nicht ausreichend nachgewiesen worden. Zweitens hätte sie weniger in die Privatsphäre eingreifend geregelt werden können. Und schließlich lasse das Gesetz "zu viel Spielraum für die Mitgliedstaaten, um zu entscheiden, für welche Zwecke die Daten verwendet werden können, und wem und unter welchen Bedingungen Zugang zu ihnen gewährt werden kann", wie es in der Erklärung hieß.

Umstritten

Die EU-Richtlinie war schon im Gesetzgebungsprozess in Brüssel umstritten, auch danach riss die Kritik nicht ab. In Deutschland wurde die Richtlinie durch durch das "Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen" umgesetzt, das zum Jahresbeginn 2008 in Kraft trat. Das Bundesverfassungsgericht kassierte dieses Gesetz allerdings im März 2010, da es unter anderem gegen das Fernmeldegeheimnis verstoße. Wegen ähnlicher Bedenken setzten andere EU-Länder das Gesetz nicht um.

Zeiten

Auch auf europäischer Ebene ist die Richtlinie erneut in der Diskussion. Zum einen steht noch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg aus. Darüber hinaus kündigte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström vor kurzem an, dass etwa Speicherzeiten, die Art der gesicherten Daten und die Häufigkeit der Abfragen überprüft werden sollen. Sie verwies dabei darauf, dass die Regelung unter dem Eindruck der Terroranschläge in Madrid und London von 2004 und 2005 erlassen worden war. Datenschützer Hustinx ermahnte die Kommission am Dienstag, neben Änderungen auch eine Aufhebung des Gesetzes zu erwägen. An seine Stelle könnte dann möglicherweise eine "gezieltere EU-Maßnahme" treten, erklärte er. (APA)

Taran Seven
09
Terror war ja nur eine Ausrede... in der Kommission sitzt die Contentindustrie

und Politische Kontrolle spielt auch eine wesentliche Rolle.
Man hat mehr Angst vor einem unzufriedenen Volk als vor ein paar Terroristen... wie man in Nordafrika ja sehen kann.

Fritz Meyer
00
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Keyser
00
Es ist zwar schön wenn der werte Herr Oberste Datenschützer dies auch erkennt ...

Die Frage ist nun aber, hat er überhaupt etwas zu "sagen," und was gedenkt er gegen dieses Gesetz zu unternehmen? Was hat er die letzten Jahre gemacht, in denen dieses Unding von Bürgerüberwachung ersonnen, und in einzelnen Ländern umgesetzt - aber gekippt wurde?

Die anderen Parteien planen ja bereits eine Nachbesserung, damit es auch in Ländern wie D eingeführt werden kann (wo es ja gekippt wurde u.a.).

Ich bin schon gespannt, was dabei noch heraus kommt.

Fritz Meyer
02
Das sind die typischen Alibi-Demokraten dieser Institutionen.

Die kommen immer dann daher, wenn das Kind schon längst in den Brunnen gefallen ist, sagen das offensichtliche und ziehen sich dann mit ihrer "Machtlosigkeit" aus der Affäre.

Wenn der vorher gesagt hätte, dass das ein Unding und eine Bedrohung für die Demokratie darstellt, DANN...

Aber dieses DANN... hätte dann wohl das Ende seiner politischen Karriere bedeutet.

märchenonkel
04
31.5.2011, 19:50
Na so was aber auch. Das hat ja niemand wissen können. Was, und verfassungswidrig ist es auch? ui ui ui ...

rasa1
00
31.5.2011, 19:39

was gibts da zu prüfen?

Netsend
02
31.5.2011, 19:28
Unser kleines Österreich........

eh klar wir haben natürlich das volle Program schon durchgewunken!

Würde mich freuen wenn wir nicht bei allem "Ja und Amen" sagen was uns von der EU vorgekaut wird aber so kann man nachher immer sagen die EU wars es war nicht unsere Entscheidung.

Strg-Alt-Entf
04
31.5.2011, 21:25

Natürlich werden sie es immer hinterher auf die EU schieben und behaupten, sie könnten da leider gar nichts machen. Daher kann man gar nicht oft genug wiederholen, dass im Europaparlament die Vertreter der ÖVP geschlossen, sowie die der SPÖ mehrheitlich für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben.

hashtag
01
31.5.2011, 18:51

"Erstens sei die Notwendigkeit der Speicherung nicht ausreichend nachgewiesen worden."

this!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.