Steuerlast der Banken unter Niveau von 2002

31. Mai 2011, 18:07
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Notenbank: Inklusive Bankenabgabe liegt effektiver Steuersatz heuer bei 18,1 Prozent, die Banken dürften eine Milliarde an die Finanz abliefern

Wien - In der SPÖ wurde zuletzt schon lautstark nachgedacht, ob man die Bankenabgabe (budgetiert sind 500 Millionen Euro pro Jahr) nicht noch einmal erhöhen sollte. Als Argument wurde die wieder vergleichsweise gute Gewinnlage der Institute angeführt.

Aber wie hoch ist eigentlich die effektive Steuerlast der Banken? Und wie hat sie sich entwickelt? Auf Anfrage des Standard hat die Notenbank ihre Berechnungen, die im Vorjahr rund um die Bankenabgabe angestellt wurden, aktualisiert.

Das Ergebnis: Rechnet man die Zahlen des ersten Quartals aufs Jahr hoch, ist heuer mit einer effektiven Steuerlast von 18,1 Prozent zu rechnen.

Die bezahlten Steuern werden dabei in Relation zum Jahresüberschuss gesetzt. Es handelt sich aber um unkonsolidierte Daten, das heißt es, können auch bereits versteuerte Auslandsbeteiligungen enthalten sein. Die Notenbank geht aber nicht davon aus, dass es dadurch zu gröberen Verzerrungen kommt. Berücksichtigt wurden aus statistischen Gründen nur jene Banken, die tatsächlich einen Überschuss erwarten.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wird die Steuerlast damit heuer deutlich ansteigen. Allerdings: Sie liegt noch immer unter dem Wert des Jahres 2002 - damals waren es 21,1 Prozent. In den Jahren danach sind die Gewinne zwar deutlich gestiegen, die an den Fiskus abgelieferten Steuern sind allerdings relativ konstant geblieben, was zur Folge hatte, dass die prozentuelle Steuerlast kontinuierlich gesunken ist. Den niedrigsten Wert gab es 2007 mit nur 7,4 Prozent.

Steigerung 2010

Während der Wirtschaftskrise sind sowohl die Steuerzahlungen als auch die Überschüsse deutlich zurückgegangen. 2010 sind sie bereits wieder gestiegen. Der Jahresüberschuss der positiv wirtschaftenden Institute lag vor Steuern bei 4,86 Mrd. Euro. An Steuern wurden knapp 600 Mio. Euro bezahlt.

Heuer dürften die Banken rund eine Milliarde Euro an die Finanz abliefern. Die Bankenabgabe findet sich dabei unter der Rubrik "sonstige Steuern". Was interessant ist: Dieser Wert steigt gegenüber dem Vorjahr nur um 464 Mio. an, nicht um die vom Finanzministerium erwarteten 500 Millionen. Unklar ist aber, ob die Bankenabgabe damit tatsächlich niedriger ausfällt oder andere Steuerarten sinken.

Mit einem effektiven Steuersatz von rund 18 Prozent lägen die Banken in etwa im Schnitt aller Unternehmen. Zwar liegt die Körperschaftsteuer theoretisch bei 25 Prozent, Steuerexperten gehen aber davon aus, dass die faktische Steuerlast wegen diverser rechtlicher Ausnahmen je nach Jahr bei rund 17 Prozent liegt.(Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 1.6.2011)

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    Wie hoch ist die effektive Steuerlast der Banken? Wer rechnet, kommt auf gut 18 Prozent.

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