Nach Freispruch sagt Kachelmann wieder Wetter an

31. Mai 2011, 18:15

Die ARD will ihn nicht gleich zurück haben - im Gegensatz zu privaten Radiostationen

"Der Angeklagte Jörg Andreas Kachelmann wird freigesprochen." Als Michael Seidling, Vorsitzender Richter am Landgericht Mannheim, am Dienstag um kurz nach neun Uhr den entscheidenden Satz ausspricht, brandet im Gerichtssaal in den Reihen der Gerichtskiebitze spontan Jubel und Applaus auf.

Kachelmann selbst zeigt keine Regung. Auch die Miene seiner ehemaligen Lebensgefährtin Sabine W., die ihn wegen Vergewaltigung und Körperverletzung angezeigt und damit den Fall ins Rollen gebracht hatte, ist zunächst ausdruckslos. Erst später weint sie und verlässt das Gericht durch einen Nebenausgang.

Neun Monate lang hatte das Gericht versucht, die Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 zu rekonstruieren und zu klären, ob Kachelmann damals tatsächlich in der Wohnung der Frau in Baden-Württemberg über sie hergefallen war. Am Dienstag, am 43. Tag des Prozesses, wurde Kachelmann schließlich freigesprochen. Allerdings nicht, weil das Gericht letztendlich von seiner Unschuld überzeugt war, sondern weil nicht genug eindeutige Beweise für die mögliche Tat vorlagen.

Es stand Aussage gegen Aussage, Gutachten waren zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen, dem "Opfer" Sabine W., aber auch Kachelmann, hatte das Gericht einige Lügen nachweisen können. "Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld des Angeklagten überzeugt ist und im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin. Er (Kachelmann) war deshalb nach dem Grundsatz in dubio pro reo freizusprechen", betonte Seidling.

Doch die aufgeheizte Stimmung, in der der Prozess stattgefunden hatte, fand auch am Tag der Urteilsverkündung kein Ende. Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn erklärte zwar: "Mit diesem Urteil muss man zufrieden sein." Doch gleichzeitig warf er dem Gericht vor, eine "erbärmliche" Urteilsbegründung abgegeben zu haben, da die Kammer Kachelmann "nur zu gern" verurteilt hätte. Richter Seidling hatte zuvor die vielen parallelen Beziehungen Kachelmanns vor dessen Verhaftung 2010 ins Spiel gebracht und erklärt: "Seine manipulativen Fähigkeiten setzte er nicht nur bei der Nebenklägerin, sondern auch bei anderen Frauen ein."

Das Gericht machte aber auch deutlich, dass trotz des Freispruchs Makel auf beiden Seiten bleiben werden: "Wir entlassen den Angeklagten und die Nebenklägerin mit einem möglicherweise nie mehr aus der Welt zu schaffenden Verdacht, ihn als potenziellen Vergewaltiger, sie als potenzielle rachsüchtige Lügnerin."

Und auch die Medien bekamen ihr Fett ab. In Meinungsforen, Blogs und Kommentaren im Internet seien die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der Nebenklägerin "immer wieder mit Füßen getreten" worden, rügte Richter Seidling. Und: "Statt der gebotenen Zurückhaltung gegenüber einem laufenden Verfahren prägten vorschnelle Prognosen, das einseitige Präsentieren von Fakten und mit dem Anschein von Sachlichkeit verbreitete Wertungen die Berichterstattung."

Revision wird geprüft

A propos Medien. Kachelmann wird nach dem Freispruch wieder voll bei dem von ihm gegründeten Wetterdienst Meteomedia einsteigen. Er will zunächst beim Schweizer Privatsender Radio Basel und dem deutschen Privatsender Radio Primavera verstärkt das Wetter kommentieren.

Meteomedia kündigte außerdem "spannende neue Produkte" an und erklärte, auch "zusätzliche öffentliche Auftritte sind in Zukunft nicht ausgeschlossen." Ob es ein Comeback bei der ARD geben wird, ist noch unklar. "Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und ein Urteil Rechtskraft erlangt hat, sieht die ARD in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf", sagte ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft prüft noch, ob sie in Revision geht. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 1. Juni 2011)

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Prolet
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Wenn es war ist wie in "Hartaberfair" dargestellt, Beweise für das Einüben der Aussage gab, wäre ich für einen Freispruch 1. Klasse eingetreten!

Gusti Rentner
 
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Seine derzeitige tatsächliche ehegattin, die ihn, ungeachtet der 1 Monat zuvor erfolgten Anzeige gegen ihn, unerschrocken geheiratet hat, wohl auch...

Wurde die auch als Zeugin befragt, oder kamen nur die enttäuschten abgeblitzten "Möchtegerns" zu Wort?

A.B. Artig1
00

Es wurden alle befragt.

Gusti Rentner
 
10
Ehegattin

timtoms
00

recht oder unrecht,verlierer sind beide parteien!

frei raum
67
Menschlich ist er ein *loch...

freispruch hin oder her. mitleid will bei mir einfach nicht aufkommen.

frei raum
43
Menschlich ist er ein *loch...

freispruch hin oder her. mitleid will bei mir einfach nicht aufkommen.

Priscillah
25
eigenartig...

...finde ich, dass die frage eines möglichen motivs nie debattiert wurde. was sollte kachelmanns motiv gewesen sein?
weiters handelt es sich meiner meinung nach sinngemäss um den vorwurf einer vergewaltigung zweiter klasse. ich finde es absurd in welcher weise hier versucht wird ein exemplarisches beispiel samt signalwirkung herbeizureden.
das kachelmann-urteil würde mich keine sekunde lang davon abhalten eine vergewaltigung anzuzeigen. es würde mich höchstens davon abhalten eine vergewaltigung zu behaupten um jemandem zu schaden.

kritisch sein und kritisch bleiben
41
g*eilheit??? macht?? sonst noch fragen??

JosefGott
00
Und mit 6 Freundinen hat er es offenbar nötig die eigene Frau zu besteigen?

ente gut alles gut
00

Gott, bist du blööd und v.a. ungebildet. "Es nötig haben" macht noch lange keinen zum Vergewaltiger. Der Beweggrund einer Vergewaltigung ist Machtdemonstration und die kann auch in einer Beziehung/Ehe stattfinden!

Es macht einen Mann übrigens auch nicht zum Sexprotz, wenn er sich 30 Freundinnen parallel "hält", sondern einzig zu einem (mehr oder weniger) interessanten pathologischen Fall.

lex femina
155
ekelhafte männerkumpanei in diesem forum

von prominenten vergewaltigte frauen werden es in hinkunft noch schwerer haben, zu ihrem recht zu kommen, denn -wie man hier sieht- wird ihnen a priori lüge, wichtigmacherei, öffentlichkeitsgeilheit auf kosten des natürlich unschuldigen opfers unterstellt.

Nebukadnezzar
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Das hat nix mit Geschlecht sondern mit Hirn zu tun ;)

Jonathan Möwe
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Ich misch mich da nur sehr ungern ein, weil mir dieses Thema schon ordentlich zum Hals raushängt: woher ausser aus rein persönlichen Motiven beziehen Sie ihre Gewissheit, daß Kachelmann die Anklägerin tatsächlich vergewaltigt hat?

Ein Mann
34

was für ein unsinn. vielmehr ist es ekelhaft, wenn eine frau wie diese "zeugin" wiederholt nachweisbar lügengeschichten erzählt, um jemanden anzuschwärzen. SIE und frauen wie schwarzer sind schuld daran, dass echten opfern weniger geglaubt wird.

A.B. Artig1
00

Der Tathergang wurde defintiv nicht als unglaubwürdig dargestellt. Die Recherchen im Vorfeld sehr wohl.

Markus Sagmeister
04

Bei allem Respekt, aber das Gericht hat das einzig richtige getan, was es auf Grund der Beweislage
zu machen war und wie Frau Friedrichsen (Gerichtsreporterin) ja richtig sagt, Jörg
Kachelmann muss damit leben, das hier
immer ein Verdacht mitschwingt und das
die Nebenkägerin damit Leben muss nicht
wirklich glaubwürdig zu sein.

Ich kann mir nicht vorstellen das Missbrauchsopfer
es schwerer haben werden. Das Gericht muss schon abwegen, ob es genug Beweise gibt und die Nebenklägerin hat sich daurchaus auch selbst in eine
Lage der Unglaubwürdigkeit manöviert. Was passiert ist wissen letztendlich nur die beiden
Hauptbeteiligten.

Die Beziehungsgeschichten, sprich der Umgang mit
den Frauen ist zwar geschmacklos, aber eben keine Straftat.

phil sophie
12

frau friedrichsen hat sich in der bildzeitung sofort zur verteidigerin dieses herrn gemacht, nicht vergessen! erst diese unkritische haltung hat frau schwarzer auf den plan gerufen, und das war gut so.

Thomas Felder1
52

eher ekelhafte frauenkumpanei

Roky Erickson
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Endlich wieder besseres Wetter

Es wird dem Wetter sicher gut tun, wenn es endlich wieder von Herrn Kachelmann angesagt wird.

Gottfried Barnauld
10
Ja sie werfen die eigentliche Frage auf,

wie kann so jemand das Wetter voraussagen?

Deathflyer
04

Bin ich eigentlich der einzige, der von Medien neutral informiert werden, und nicht (wie bei Spiegel, Zeit, Bild, Bunte,...) vor Prozessende eine Laienmeinung über Schuld oder Unschuld lesen möchte?

Bedenklich vor allem, wenn man weiß, dass die Presseleute bei einem großen Teil des Verfahrens ned mal dort waren.

Und ich versteh überhaupt ned, wieso der Staatsanwalt an die Presse geht.

Ein Mann
13

Die professionelle Spiegel-Prozessbeobachterin WAR da.
Die vollkommene Laiin Schwarzer war oft NICHT da.
Die Spiegel-Frau hat nach dem Auffliegen der ersten Lügengeschichten (Beweismittelfälschung) des vermeintlichen "Opfers" geschockt reagiert, dass es nicht gleich Freispruch gab - vor allem aber, dass Schwarzer und Co noch immer so taten, als wäre diese Frau glaubwürdig.

A.B. Artig1
21

Frau Friedrichsen hat, ebenso wie Schwarzer, eine von Anfang an feststehende Vorverurteilung gelebt. Abgesehen davon hat die versucht, und auch geschafft, hinter den Kulissen Fäden zu ziehen- siehe Schwenn und Birkenstock.

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