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Hochgefühl: zum ersten Mal das Gleichgewicht auf zwei Rädern finden.

Wie Robert Penn sein individuelles Traumrad zusammenstellt, ist in seinem Buch "Vom Glück auf zwei Rädern" nachzulesen.

Das Werk in der englischen Originalausgabe.
"Im Juni 1894 brach Anna Kopchovsky unter dem Namen Annie Londonderry mit nur einer Garnitur Wäsche zum Wechseln und einem Damenrevolver mit Perlmuttgriff von Boston aus zu einer Weltumrundung mit dem Fahrrad auf."
Gut hundert Jahre danach knüpft der Journalist, Fotograf und Dokumentarfilmer Robert Penn daran an, indem er eine Weltreise zum Rad seiner Träume unternimmt. Er besucht Fahrraddesigner und manufakturen, durchleuchtet dabei die Entwicklung des Fahrrades in Technik, Literatur und Gesellschaft von allen Seiten und hat am Ende sein individuelles Idealrad zusammengebastelt. Nachzulesen sind seine Erlebnisse und Erkenntnisse im Buch "Vom Glück auf zwei Rädern".
Seit Robert Penn erwachsen wurde, ist er so gut wie jeden Tag geradelt. Wann er zum ersten Mal Radgefahren ist, weiß er zwar nicht mehr, der "Moment der Offenbarung" durch die Entfernung der Stützräder das große Gleichgewicht erlangt zu haben, wird ihm dagegen immer in Erinnerung bleiben.
"Pojammern"
Den höchsten befestigten 4.733 Meter hohen Kunjirap-Pass, der Pakistan mit China verbindet, hat Penn gleich zwei Mal überquert und er weiß, "nichts verdirbt dir die Freude an einer Radtour so sehr wie ein wunder Po". Weshalb er ein neues Wort kreiert hat: "Pojammern". Vom Komfort des Sattels schwenkt Penn zu Hemingways Roman "Fiesta" über, zu den maßgefertigten Sätteln des deutschen Rennradfahrers Horst Schütz und zur viktorianischen Gesellschaft, die sich an sechs Tage währenden Hochradrennen ergötzte, bei dem der Schlaf einfach durch kurzes, zwischenzeitliches vom-Rad-Fallen konsumiert wurde.
Sechs Fahrräder für jede Situation besitzt Robert Penn, und seine kurzweilige Schilderungen des Radelns aus purer Lust, des verkehrspolitischen und ökologischen Mehrwerts, der Faszination der Technik oder der ästhetischen Freude am Design hat zweifelsohne das Potenzial, zur Renaissance des Fahrrades beizutragen.
"Nichts Schlimmes widerfahren"
"Vielleicht bestand die größte Wirkung des Rads darin, dass es die bis dahin rigiden Schranken zwischen Klassen und Geschlechtern aufbrach", schreibt Penn dem Fahrrad eine demokratisierende Funktion zu. Denn mit der Massenproduktion und einem aufkeimenden Markt für Gebrauchträder konnte jeder Fahrrad fahren.
Nicht zuletzt fällt die Etablierung des Fahrrades in den USA als Massenfortbewegungsmittel mit der Wende im Kampf um das Frauen-Stimmrecht zusammen. 1896 erklärte die Sufragette Susan Anthony der New York Sunday World: "Ich will Ihnen sagen, was ich vom Radfahren halte. Ich glaube, es hat mehr für die Emanzipation der Frau getan als irgendwas anderes auf der Welt... In dem Augenblick, wo sie sich in den Sattel setzt, weiß sie, dass ihr nichts Schlimmes widerfahren kann, sofern sie nicht vom Rad steigt, und dann fährt sie dahin - ein Bild freier, ungebundener Weiblichkeit."(Eva Tinsobin, derStandard.at, 29.05.2011)
Vom Glück auf zwei Rädern
Robert Penn
224 Seiten, € 18,60
Tolkemitt bei Zweitausendeins, Berlin 2011
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