Die Schuld der Griechen

Österreich gegen Griechenland

Leser-Kommentar | 31. Mai 2011, 12:32

Zum medial-politischen Match gegen ein neu entdecktes Feindbild

Da wandelt er über den grünen Rasen, die Fleischwerdung des von der österreichischen Öffentlichkeit neu entdeckten Bösen, ein von der wachsamen Boulevardpresse zwischen den randalierenden Rapid-Fans ausfindig gemachter fettleibiger, halbnackter und reichlich tätowierter Hooligan, angeblich, und das ist am wichtigsten: ein Grieche. Gott sei Dank haben sie ihn entdeckt und fotografiert, denn nun weiß man es, die Griechen sind also letztlich schuld an den Ausschreitungen, nicht die guten, anständigen Österreicher. Wie die Griechen ja nun auch ganz alleine schuld sind am drohenden Zusammenbruch der Währungsunion, weil sie sich nicht zusammenreißen können, anders als die immer sparsamen, bescheidenen und fleißig arbeitenden Österreicher.

"Österreich darf nicht Griechenland werden"

Binnen kurzem ist dieses bislang wenig beachtete mediterrane Land im äußersten Südosten der EU zum absoluten Feindbild mutiert. - "Bislang wenig beachtet" freilich, wenn man davon absieht, dass man früher auch einmal gewusst hat, dass in eben demselben Land doch die Wiege von Zivilisation und Demokratie gestanden hat (und nicht in den USA, auch wenn uns Kommentatoren wie Hans Rauscher beständig davon zu überzeugen versuchen) und dass es später als romantisierte, folkloreumwobene Touristendestination Furore machte und Udo Jürgens vom "Griechischen Wein" trällerte.

Damit dürfte es nun vorbei sein. Heute würde man ihm dieses Lied nicht mehr erlauben, ihn dafür vielleicht sogar medial bzw. per wütender Leserbriefe lynchen. Als ich vor kurzem einem Zufallsbekannten erzählte, dass ich die griechische Sprache zu erlernen versuche, machte dieser ein ernsthaft besorgtes Gesicht und meinte, das solle ich lieber nicht allzu laut sagen, damit mache man sich heutzutage keinen allzu guten Ruf. 

"Kein Cent mehr für die Griechen", verkündete Strache vor wenigen Wochen und fasste damit den neu entdeckten Hass auf das einstige Traumland in Worte. Hieß es früher bei der FPÖ: "Wien darf nicht Chicago werden", dann "Wien darf nicht Istanbul werden", so lautet nun demnach der neue Kampfspruch: "Österreich darf nicht Griechenland werden."

Das Opferlamm Griechenland

Es würde beruhigen, wenn man wüsste, dass solches nur von der extremen Rechten und ihren Wählern zu hören wäre. Vor einer "Vergriechenlandisierung Österreichs" warnte aber auch Hans Rauscher in einer Kolumne vom 30. April. "Griechen-Bashing ist in", weiß András Szigetvari in einem Standard-Kommentar vom 28/29. Mai zu berichten: Europäische Politiker, Funktionäre und Banken kritisieren das Land im Südosten heftig - und das, obwohl der griechische Staat sowieso den Sparstift so drastisch ansetzt, dass es soziale Unruhen gibt.

Was will man also dann eigentlich noch von den Griechen? Müsste man nun nicht vielmehr, anstatt sie weiter zu attackieren, zugeben, dass das neoliberale Rezept des Sparens schlicht das falsche war und Griechenland nicht sanieren kann? Diese Warnung hat Christian Felber von Attac bereits am 30. März 2010 (!) in einem Standard-Artikel ("Sündenbock Hellas, Buhmann Keynes") ausgesprochen.

So entbehrlich und sinnlos jedoch auch inhaltlich die wüsten Griechenland-Attacken sind, hat man strategisch allerdings damit etwas sehr Wichtiges erreicht. Die Kapitalismus-Kritik, die beim Ausbruch der Finanzkrise aufzukeimen begann, wurde dadurch geschickt ausgehebelt und zum Schweigen gebracht, alle Gesellschaftskritik nun doch wieder transformiert und eingeengt auf eine Sozialstaatskritik. Keine Rede mehr davon, dass die ganze Krise mit einem vom freien Markt selbst verursachten Zusammenbruch begann, keine Rede mehr davon, wie viele Milliarden man den Banken stecken musste. Nein, die Neoliberalen haben wieder das Sprachrohr an sich gerissen, und nun läuft alles wieder in bewährter rhetorischer Schiene ab: der Sozialstaat ist an allem schuld.

Die Ursachen der Krise

"Man schlägt die Griechen und meint den Sozialstaat", hat in einem sehr intelligenten Kommentar Wall-Strasser vom ÖGB schon vor einem Jahr (14. Mai 2010) im Standard geschrieben. Es scheint, die Rechnung ist aufgegangen. Angesichts der Tiraden gegen Griechenland hinterfrägt niemand mehr die im Kapitalismus gründenden Ursachen der Krise und können die Banker weiterhin ihre der Repräsentation (was heißt, ihrem Herrschaftsanspruch) dienenden und dabei Unsummen kostenden Empfänge ohne jedes schlechte Gewissen einander geben, und, während sie letztlich auf Steuerzahlerkosten Spezialitäten verzehren und vom edlen Schaumwein trinken, sich gar noch beschweren über die uneinsichtigen, am unteren sozialen Rand lebenden Menschen aus dem Land im äußersten Südosten Europas, die nicht einsehen wollen, dass man seine Opfer bringen müsse. (Leser-Kommentar, Ortwin Rosner, derStandard.at, 31.5.2011)

Autor

Ortwin Rosner, geboren 1967, abgeschlossenes Studium der Germanistik und Philosophie in Wien, Diplomarbeit 2003 bei Prof. Wolfgang Müller-Funk mit dem Titel "Körper und Diskurs. Zur Thematisierung des Unbewussten in der Literatur anhand von E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann", erschienen 2006 im Peter Lang-Verlag; lebt als Schriftsteller in Wien.

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vgnuser
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20.6.2011, 20:04
nonsens pur

der gute mann sollte sich ein gläschen barolo zur brust nehmen und über die bienen ( oder ameisen ) nachdenken. aber bitte nicht eine derartige ansammlung von blablaquatschi in einem standard artikel !

Frodo Der Hobbit
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der chauvinismus

in so vielen europäischen ecken, jeder gegen jeden, hauptsache wir können auf andere herunter schauen, das ist eine der hauptursachen der schlechten prognosen, aus den krisen zu kommen.

nichts anderes ist auch die strache-taktik.

ein teil der bevölkerung zieht sich hoch an stars, die sich als die strahlenden sieger verkaufen, indem sie auf anderen herum hacken. das machte vielleicht sinn zu metternichs zeiten, und im biedermeier duckmäusertum. nicht mal da konnte man sich diese nichtnutzung von allgemeinem hausverstand leisten, sondern driftete in den ersten weltkrieg.

natürlich ist die antwort im süden, dass man sich an die eigenen clan-chefs klammert, die sich ebenso selbstherrlich präsentieren.
sachliche entscheidungen unwahrscheinl..

1116er
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vielen dank, für einen der besten kommentare zu diesem thema ever!

eine gestellte frage kann ich beantworten:
"Was will man also dann eigentlich noch von den Griechen? "
--> rache, vergeltung, griechisches blut, griechische tränen.
wir wollen sie im staub kriechen sehen mit tränen der dankbarkeit in den augen ob unserer milden gaben.
nie wieder sollen sie aufgedrängtes geld annehmen.
auf immer und ewig sollen sie eine armbinde mit der aufschrift "ich bin ein fauler grieche" tragen.
und wenn ein angehöriger der nordischen herrenrasse sich in dieses land verirren sollte, dann müssen ihm die griechen die schuhe putzen, mit der zunge!

so jedenfalls der tenor der selbstgefälligen und selbst von vielfältigen transfers profitierenden mehrheit in dieser pöbel-republik!

gibrat
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Wenn ihr Posting ernst gemeint ist, dann ist es noch dümmlicher und polemischer als der Artikel selbst. Reife Leistung.

istros
10
es ist schon faszinierend,.....

wie die Möchtegernklassenkämpfer zu den niederträchtigsten Rassisten mutieren, wenn es um's teilen mit ihrer heißgeliebten Arbeiterklasse auf dem Weltmarkt geht.
Tja liebe Freunde, in einer begrenzten Welt ist teilen angesagt, auch mit den Leuten in diesen Ecken der Welt.
Nur weil man den Klassengegensatz in Dritte-Welt-Diktaturen "outgesourct" hat, ist er noch lange nicht aus der Welt. Auch wenn es die "Bürgerlichen" die letzten Jahre gewohnt waren, nur mehr den schönen Sachen im Leben zu fröhnen.
Nun teilen wir halt auch wieder die materiellen Sorgen mit dem Rest der Welt - ist doch auch eine Art Verteilungsgerechtigkeit.

istros
22
ich konnte es kaum erwarten

endlich die Wirtschaftsanalyse eines Germanisten und Philosophen - und die sogar abgeschlossen!
Und aus einer winzigen österreichischen Perspektive mag das sogar stimmen, nur überträgt man das ganze auf eine europäische Ebene oder gar globale sieht es schon ganz anders aus.
In Wahrheit funktioniert der Verteilungsmechanismus des Marktes ganz gut. Oder kann mir einer der intellektuellen Klugschei..er einmal erklären, welche moralische Berechtigung es hat, dass in Europa jeder Sozialhilfeempfänger zu Hause vor dem Fernseher gammeln kann, während der Billiglohnsklave im Fernen Osten, der das Gerät zusammenschraubt sich mit einer Schüssel Reis begnügen muss? Es ist schon faszinierend,.....

Reich sein muss sich lohnen!
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Natürlich funktioniert der Verteilungsmechanismus des "Marktes"

Aber dieser geht eben von unten nach oben.

Und deshalb kann der Sozialhilfeempfänger hier vorm Fernseher sitzen. Er steht in der Verteilungspyramide eben weiter oben als der Billiglohnsklave aus Fernost.
Und ein Grasser kann sich so auch X Häuser leisten, er steht eben noch weiter oben.

Ist halt mehr ein Ausbeutungsmechanismus als ein Verteilungsmechanismus.

Kontra
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der Verteilungmechanismus von Unten nach Oben beginnt nicht mit dem Markt, sondern mit den Zinsen, die ein Staat für seine Schulden zahlt. Der 2. Überproportionale Hebel dafür ist die Infaltion, die die Einkommenszuwächse auffrißt.
Daher ist die sozialste Politik ein Land mit möglichst wenig Schulden und geringer Inflation.

istros
10
Diese Verteilungspyramide ist aber gerade eben sehr im Wanken begriffen

Es tut mir leid (auch für mich!) aber die Wohlstandsblase der Europäer ist an ihre größte Ausdehnung gelangt.
Die verträglichste Lösung ihr die heiße Luft zu entziehen, ist sie langsam aber stetig entweichen zu lassen, bis wir wieder auf einer Augenhöhe mit dem Rest der Welt sind.
Beim derzeitigen Stand der Dinge sieht es wohl eher so aus, dass man den Luftballon mit einer Nadel zum Platzen bringt.
Global betrachtet hat dieses Verteilungssystem jedoch mehr Gewinner erzeugt als Verlierer - aber die konzentrieren sich eben in den ehemaligen Hochburgen der (jetzt nicht mehr ganz so) industrialisierten Welt.

Tschurndorf
24
ist es eigentlich

zwingend vorgeschrieben in jedem kommentar "neoliberal" zu verteufeln, und attac zu loben, oder gibt es dazu auch ausnahmen?

Reich sein muss sich lohnen!
00

Lesen sie den "Krisenfrey", der wird ihnen gefallen.

Corno Primo
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Wie ging das Sprichwort: Euros nach Athen tragen,...

Gebüschdieb
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Heute regnets. Sicher auch Schuld des Neoliberalismus.

Stimmts?

Vielleicht ist das ja eine spießig-unmoderne bzw neoliberalistisch-sozialsadistische Extrem-Meinung, aber ich denke trotzdem, dass man nicht auf Dauer mehr ausgeben als einnehmen kann, ohne pleite zu gehen. (Aber ich lasse mir gerne von attac etc erklären, wie das gehen soll.)

Ist das Saldo negativ, muss man a) mehr einnehmen oder b) weniger ausgeben.
Ist man ehrlich, kann man die Massen von Reichen, die es angeblich gibt, zwar schröpfen, wird aber damit nicht auskommen. Also muss man sparen. Und sparen trifft naturgemäß immer die, für die das Geld ausgegeben wurde.

Das Ganze gilt für Griechenland wie für Österreich.
Seltsam ist es aber, dass defizitäre Länder die Ausgaben anderer zahlen sollen, damit die nicht sparen müssen.

super Typ
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In den letzten Wochen wird das immer so einfach dargestellt, mit dem Hausverstand, mit Großmutters Weisheiten der Haushaltsführung: Die Griechen haben eben mehr ausgegeben als sie eingenommen haben und müssen sie sparen.

Eine Frage rückt dabei völlig in den Hintergrund: Was ist da passiert, dass die Schulden der Griechen, die seit langem hoch sind, von heute auf morgen zu so einem virulenten Problem werden konnten?

Die Frage stellt sich umso mehr, wenn man auf Irland sieht. Auch die Iren brauchen Hilfe, obwohl ihr Staatshaushalt vorbildlich war.

edurkheim
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Das ist Vernunft nicht (nur) Hausverstand

Wenn sie dem Hausverstand in dieser Frage nicht trauen, dann zeigen sie mir eine VWL-Theorie die auch langfristig immer mehr Ausgaben als Einnahmen rechtfertigt und für möglich erachtet.

super Typ
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Es ist natürlich eine Binsenweisheit, dass man nicht auf Dauer mehr ausgeben kann, als man einnimmt. Aber das erklärt die Griechenlandkrise nicht.

Wie lange ist "auf Dauer"? Offensichtlich ist es nicht so, dass es für das mehr Ausgeben, als man einnimmt, eine Grenze gäbe, eine natürliche Barriere, die mich kontinuierlich zum Sparen zwänge. Ich kann immer weiter Schulden machen und diese Schulden (und die Zinsbelastungen) durch neue Schulden abdecken. Für die Gläubiger sind mehr Schulden mehr Geschäft, sie haben also eigentlich kein Interesse an einer baldigen, endgültigen Rückzahlung, die das Ende der Zinserträge bedeuten würde. Wie lange kann das gutgehen? Wodurch wird der plötzliche Zusammenbruch ausgelöst?

edurkheim
01

Spätestens wenn sie die Zinsen nicht mehr aus dem Steueraufkommen bedienen können ist (mathematisch) Schluss. Praktisch viel früher.

Man kann nicht ewig Schulden machen - auch nicht theoretisch.

super Typ
00

Geld hat kein Mascherl. Ich kann natürlich immer weiter Kredite aufnehmen und daraus (auch) Zinsen zahlen. Man kann so lange Schulden machen, bis man niemanden mehr findet, der darauf vertraut, dass man Schulden und Zinsen irgendwie zurückzahlt. Solange man immer weiter Schulden machen kann, gibt es auch für Gläubiger keinen Grund, nicht darauf zu vertrauen, dass man Schulden zurückzahlen kann. Man kann ja immer die alten Schulden durch neue Schulden abdecken. Das ist tatsächlich im Prinzip endlos möglich. Bis ein Gläubiger kalte Füße bekommt. Dann bricht alles zusammen. Denn wenn ein Gläubiger kalte Füße bekommt, bekommen die anderen auch kalte Füße.

Reich sein muss sich lohnen!
21
Wenn es nur so einfach wäre...

Wir müssten ja alle einfach nur mehr einnehmen als ausgeben.
Das mag isoliert betrachten funktionieren, gesamtwirtschaftlich läuft das aber nicht.

Unser Geldsystem basiert auf Schulden.

Wenn jemand mehr einnimmt als er ausgibt, dann muss jemand anderes mehr ausgeben als er einnimmt, also Schulden machen.

Und auch als Staat kann man nicht so einfach weniger Ausgeben.
Denn die Leute die Unterstützung vom Staat bekommen geben das Geld ja wieder aus. Mit diesem Geld enstehen Einkommen oder Unternehmensgewinne.

Mal angenommen sie vermieten eine Wohnung. Nun streicht der Staat ihrem Mieter die Wohnbeihilfe. Er kann sich die Wohnung nicht mehr Leisten.
Das heißt ihre Wohnung steht leer, sie verlieren also ihre Mieterträge.

istros
00
.

Unser Geldsystem basiert zunächst einmal darauf, dass es als Vehikel dienen soll, um den Tausch von Waren und Dienstleistungen auf einem Markt zu erleichtern - dieser Markt sind nun mal heute nicht mehr die Bauern, die sich einmal in der Woche am Stadtplatz treffen um, sagen wir Fleisch gegen Gemüse zu tauschen, sondern heute gigantische Volkswirtschaften mit vielschichtigen Interessen.
Als Europäer sollten wir nicht vergessen, dass wir auf diesem Markt etwas feilbieten, dass im Interesse der anderen Markteilnehmer ist. Ansonsten kann unser Sozialstaat bald jedem 1 Million Euro ausschütten - zu kaufen wirds dafür dennoch nichts mehr geben.

Reich sein muss sich lohnen!
00
Sie verwechseln da was

Der Zweck das Geld ist das Tauschmittel bzw. das Kapital.
Der Ursprung des Geldes liegt aber in Schulden.

istros
01
Der Ursprung des Geldes liegt in Schulden?

Der Ursprung der Schulden liegt zuerst mal im Versprechen!
Leihe ich mir als Bäcker das Geld von einer Bank, um mir einen Sack Mehl zu kaufen, wird mir diese Bank das Geld wohl nur leihen indem ich ihr das Versprechen abliefere daraus einen Mehrwert zu produzieren - in der Regel einen Laib Brot, der ihn selbst und den Banker ernähren kann - und damit sein Versprechen einlöst bzw. seine Schuld damit tilgt - ist er dazu nicht in der Lage ist mit dem Sack Mehl auch der Gegenwert in Geld bei der Bank vernichtet, den Verlust tragen praktisch beide Parteien.
Dass ich keine Versprechen abgebe, die ich nicht einzuhalten vermag ist wohl kein Fehler des Zins-Systems sondern eine des Charakters - siehe Ihren Kommentar zu Grasser!

Heefcleeve
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Der Mythos vom Sparen für eine heile Welt

Das ist die alte Vorstellung, alles würde super, wenn nur alle sparen würden. Dann hätten wir doch alle Guthaben oder? Und es gäbe keine Schulden mehr...

Nein, so funktioniert das in der Wirtschaft nicht. Waren sind nicht einfach so zum Tauschen vorhanden. Wertschöpfung muss vorfinanziert werden.
Geld ist im übrigen auch kein Mittel zum Tauschen, kein Ding, sondern kommt immer als Schulden/Guthaben-Pärchen in die Welt. Darum kann man auch kein Geld "netto" ansparen, ohne damit die Rückzahlung von Schulden zu blockieren. Aufgrund einer solchen Blockade müssen nämlich immer neue Schulden gemacht werden - sonst würde das System zusammenbrechen...

Sepp Unterwurmbacher
02
so was kommt raus

wenn sich bwl-er als große volkswirtschaftler aufspielen.

Gebüschdieb
01
Auch Volkswirtschaftler sehen das so.

Keynes, der Säulenheilige der Schuldenfans, meinte zB mit Deficit Spending nicht permanent Schulden zu machen.
Er wollte die Schulden, die er in Zeiten der Krise zum Ankurbeln der Wirtschaft machen wollte, in Zeiten des Booms zurückzahlen. Davon ist aber heute keine Rede mehr. Läuft die Wirtschaft, kann man bekanntlich noch höhere Schulden machen, um neue Sozialleistungen zu erfinden, die man in Krisenzeiten nie mehr zurücknehmen darf.
(Ganz abgesehen davon, dass Keynes eine MARKTwirtschaft wollte, während das was attac etc wollen, mit Markt nichts mehr zu tun hat.)

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