Wenn bei Frauen Kopfschmerzen und Menstruation gekoppelt sind, scheinen Migränebeschwerden mit der Menopause abzunehmen
Lissabon - Eine italienische Forschungsgruppe hat untersucht, warum manche Frauen, die während ihrer fruchtbaren Jahre unter Migräne leiden, nach der Menopause weniger Kopfschmerzen haben, anderen hingegen mehr. Zudem ging sie der Frage nach, ob das Auftreten von Migräne-Attacken nach der Menopause vorhersagbar ist. Die neue Studie, die beim
21. Jahreskongress der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS) in
Lissabon präsentiert wurde, liefert Hinweise für die Behandlung von Migränepatientinnen, die in die Menopause kommen.
"Wir können künftig maßgeschneiderte Therapieprotokolle entwickeln, je nachdem welche postmenopausale Prognose eine Frau aufgrund ihrer Risikofaktoren hat. Bei den einen muss eine aggressivere Behandlungsform gewählt werde, bei den anderen reicht es, abzuwarten, weil davon auszugehen ist, dass sich der Zustand einer Frau nach der Menopause ohnehin spontan verbessert", erklärt die Hauptautorin der Studie, Cecilia Condello von der Universität Turin in Italien.
Suche nach Prädiktoren
Schwankungen im Hormonhaushalt können massive Kopfschmerzen verursachen - diese qualvolle Erfahrung machen viele Frauen im Laufe ihrer furchtbaren Jahre. Üblicherweise nimmt die Prävalenz für Migräne mit dem Alter ab, aber mit Einsetzen der Menopause kann Migräne abnehmen, zunehmen oder unverändert bleiben. Die Gründe dafür waren bislang noch unklar. Forscher der italienischen Universitätskliniken Turin und Novara untersuchten nun 367 Patientinnen, die bereits in der Menopause sind, davon 291 aus biologischen Gründen und 76 aufgrund einer Operation. Sie alle leiden unter Migräne gemäß der internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-II. Erforscht wurde, ob und warum sich Merkmale ihrer Migräne nach der Menopause veränderten. Darüber hinaus analysierte die Forschungsgruppe, ob es für Migräneattacken nach der Menopause Prädiktoren gab, etwa eine Verbindung zwischen Menstruation und Migräne, die Zahl der Schwangerschaften, die Einnahme von bestimmten Hormonpräparaten oder ob auch die Mütter der Patientinnen unter Migräne litten.
Menstruation nicht Hauptgrund für Migräne-Attacken
Die Ergebnisse der Studie sind überraschend: Nach der Menopause nahmen die Migränebeschwerden bei 16,5 Prozent der Frauen ab, die aus biologischen Gründen in den Wechsel gekommen sind, sowie bei 14,3 Prozent der Studienteilnehmerinnen, die aufgrund einer Operation keinen Zyklus mehr haben. Zwischen den beiden Gruppen war kein wesentlicher Unterschied feststellbar. Bei 44 von 48 Frauen (91,7 Prozent), deren Kopfschmerzen nach Einsetzen der Menopause besser geworden waren, hingen die Migräne-Attacken vom Zyklus ab. Nur 174 (71,6 Prozent) der Patientinnen, deren Migräne sich mit der Menopause verschlechterte oder gleich blieb, wiesen diese Verbindung auf. (red, derStandard.at)