Das Leben ist schön

31. Mai 2011, 16:34
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Michelin Challenge Bibendum 2011: Die Beschwörung einer schöneren, gesunderen und lebenswerteren Welt voller individueller Mobilität

Der französische Reifenkonzern Michelin veranstaltet seit 1998 alljährlich seinen Megaevent in Sachen Zukunft der Mobilität, genauer gesagt der Automobilität, benannt nach dem Michelin-Mandl, das Bibendum heißt. Nur in den Krisenjahren 2008 und 2009 fiel die Veranstaltung aus.

Michelin macht im Rahmen dieses Events immer wieder einen konkreten Blick auf die Autozukunft frei. Natürlich wäre die Michelin Challenge ohne eine Vielzahl an Partnerunternehmen und Teilnehmern nicht möglich. So einen Aufmarsch an alternativ angetriebenen Fahrzeugen gibt es sonst nirgends auf der Welt, auch wenn eine ganz erhebliche Zahl an Bastlerarbeiten darunter ist.

Heuer fand die Challenge auf dem Gelände des aufgelassenen Flughafens Tempelhof in Berlin statt, der nicht nur eine beeindruckende Kulisse, sondern auch eine gut geeignete Arena darstellte. Viele der - vor allem großen europäischen - Autohersteller und Zulieferer, die sich in Sachen Elektroauto und Wasserstoff in letzter Zeit zu Wort gemeldet haben, waren vertreten. Es fiel allerdings auf, dass BMW nicht erschien.

Einer der Beiträge des Veranstalters selbst war ein Radnaben-Motor-Modul, das schon seit drei Jahren auf Autosalons hergezeigt wird. Nun wird aber offensiv nach einem Hersteller dafür gesucht. Michelin will nämlich nicht selbst unter die Autoproduzenten gehen, denkt aber, dass dieser Radnabenmotor als Zulieferteil Chancen hätte. In dieser Nabe ist nicht nur ein Elektromotor enthalten, sondern auch ein elektromotorisch gesteuertes Federelement. So wäre es gerade für kleinere Hersteller künftig einfacher und wirtschaftlicher, unter Zukauf dieses Teils ein Elektroauto zu bauen.

Die ganze Bedeutung des Events wurde spätestens beim sogenannten Leaders Forum gegenwärtig. Top-Führungskräfte aus Weltpolitik und Autoindustrie waren höchstpersönlich zugegen und formulierten in aller Vorsicht ihre Vorstellungen von einer "nachhaltigen Mobilität im Straßenverkehr", wie der Untertitel der Veranstaltung auch lautete. Auch wenn der Inhalt der Vorträge eher oberflächlich erschien, alleine, dass die Herrschaften persönlich erschienen sind, ist schon eine Sensation.

Auto neu erfinden

Einige Aussagen im Detail: Wolfgang Schuster, Stuttgarter Oberbürgermeister: "Mobilität ist nicht nachhaltig, deshalb müssen wir das Auto neu erfinden." Suzana Kahn-Ribero, Uni Rio, Brasilien: "Neue Technologien gibt es ja schon, aber sie brauchen politische Unterstützung." Und: "Wir rechnen die Umweltkosten nie ein. Das müssen wir aber, damit grüne Technologien eine Chance haben." Marc Juhel, Weltbank, Sektion Transport: "Früher wurde Verkehrssicherheit als Kollateralschaden betrachtet, heute ist sie als Wirtschaftsfaktor anerkannt."

Doch die griffigste Formulierung für ein beängstigendes Phänomen fand der Inder Kiran Kapila, Vorsitzender der International Road Federation (IRF) mit Sitz in Genf: "Indien hat mit 130.000 jährlich die meisten Verkehrstoten der Welt. Das entspricht täglich einem Flugzeugabsturz, die Medien greifen es aber nicht auf."

Bei der französischen Finanzministerin Christine Lagarde versagte jedoch sodann sogar das Video, das sie an ihrer statt geschickt hatte. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/27.05.2011)

  • Radnabenmotor, Michelin, 2011.
    foto: skarics

    Radnabenmotor, Michelin, 2011.

  •  Radnabenmotor, Porsche, 1900. Alte Idee, neue Technik.
    foto: stockinger

    Radnabenmotor, Porsche, 1900. Alte Idee, neue Technik.

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