Blutige Offensive der Taliban

30. Mai 2011, 18:26
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Der Krieg in Afghanistan wird immer brutaler - Sowohl die Nato als auch die Taliban wollen eine Position der Stärke für Friedensgespräche - Der deutsche Außenminister Westerwelle zeigt sich hoch besorgt über die Lage

Kabul/Neu-Delhi - Die Männer fuhren 50 Kilometer durch die Nacht zur Provinzhauptstadt Lashkar Gah, um die Leichen ihrer Kinder dem Gouverneur und der Welt zu zeigen. "Seht her", schrien sie, als sie die Leichen durch die Stadt trugen, "sie sind keine Taliban."

Wieder hat die Isaf in Afghanistan versehentlich Unschuldige getötet. In der südlichen Provinz Helmand bombardierten US-Helikopter am Wochenende zwei Wohnhäuser, in denen man Taliban-Kämpfer vermutete. Mindestens fünf Mädchen, sieben Jungen und zwei Frauen starben.

Nun entschuldigte sich die Isaf zwar offiziell dafür. Doch ihr blieb auch kaum mehr anderes übrig, nachdem die Fotos der toten Kinder durch die Presse gingen. Das Endspiel am Hindukusch wird immer blutiger. Und es könnte noch schlimmer kommen. Sowohl die USA als auch die Taliban wollen von einer Position der Stärke aus in mögliche Friedensgespräche ziehen - und schlagen immer brutaler zu.

Der frühere Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hatte den Schutz der Zivilisten vor die Jagd auf Terroristen gestellt. Sein Nachfolger David Petraeus revidierte diesen Kurs. Er setzt in erster Linie auf militärische Härte, um die Taliban in die Knie zu zwingen. Doch oft zahlen Unschuldige den Preis. Obgleich die Taliban für die meisten zivilen Todesopfer verantwortlich sind, wächst der Zorn auf die ausländischen Truppen.

Umgekehrt haben auch die Taliban eine massive Anschlagswelle gestartet. Am Montag wurden in Herat bei einem Doppelanschlag nahe eines italienischen Nato-Stützpunktes erneut mindestens fünf Menschen getötet. Dabei scheinen die Taliban ihre Taktik zu wechseln und immer öfter gezielt Führungsfiguren ins Visier zu nehmen. Am Samstag war ihnen einer ihrer spektakulärsten Schläge gelungen: In Talokan töteten sie den Polizeichef von Nordafghanistan, General Mohammed Daoud. Der deutsche General Markus Kneip wurde bei der Attacke verletzt.

Nato-Abzug erschweren

Dahinter steht Strategie: Bis Ende 2014 will die Nato schrittweise ihre Truppen abziehen und die Verantwortung an die Afghanen übergeben. Als Vorreiterbezirke gelten Regionen im relativ friedlichen, von der Bundeswehr kommandierten Norden. Die Taliban dürften versuchen, dies mit Attacken zu untergraben. So galt Daoud als wichtige Figur im Übergabeprozess. Sein Tod wird die Rückzugspläne erschweren.

Die deutsche Bundeswehr muss sich auf gefährliche Monate einstellen. Auch Außenminister Guido Westerwelle macht sich nichts vor. "Mir macht das sehr große Sorgen", sagte er am Montag in Neu-Delhi. Derweil scheint es, dass sich die USA und Pakistan zumindest in Ansätzen auf eine Strategie verständigt haben.Pakistans Militär will eine Offensive in Nordwasiristan starten, wie es die USA seit langem fordern. Dort soll das Haqqani-Netzwerk sitzen, dessen Milizen immer wieder in Afghanistan zuschlagen und ausländische Truppen angreifen. (Christine Möllhoff, STANDARD-Printausgabe, 31.5.2011)

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    Seit Jahresbeginn starben in Afghanistan 211 internationale Soldaten. Das jüngste Attentat ereignete sich am Montag: Ein Selbstmordattentäter sprengte sich vor einem italienischen Stützpunkt in die Luft.

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