derStandard.at-Interview

"Bis das Glücksspiel abgeschafft wird, kann es noch Jahre dauern"

Katrin Burgstaller, 30. Mai 2011, 15:39
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    foto: derstandard.at/burg

    Nikolaus Kowall und Eva Maltschnig freuen sich zwar über das Abstimmungsergebnis am SPÖ-Landesparteitag. Dass das kleine Glücksspiel demnächst abgeschafft wird, glauben sie jedoch nicht.

Kowall und Maltschnig von der SPÖ-Sektion 8 erklären, warum sie nicht den Rest ihres Lebens "mit Genossen streiten" wollen

Am SP-Landesparteitag in Wien stimmten die Delegierten für die Abschaffung des kleinen Glücksspiels (derStandard.at berichtete). Warum es eine Besonderheit ist, dass die Delegierten überhaupt über den Antrag abstimmten, und weshalb sich ihr Optimismus trotzdem in Grenzen hält, erklären Nikolaus Kowall, Vorsitzender der Sektion 8, und seine Stellvertreterin Eva Maltschnig im derStandard.at-Interview.

***

derStandard.at: Von der Sektion 8 im Bezirk Alsergrund ging der Antrag zur Abschaffung des kleinen Glücksspiels aus. Die SPÖ-Delegierten haben am Parteitag nun dafür gestimmt. War das eine große Überraschung für Sie?

Maltschnig: Ich hätte mir nie gedacht, dass das so ausgeht.

Kowall: Die SPÖ hat den großen Fehler gemacht, viele Anträge der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter nicht behandeln zu wollen. Auch mit unserer Unterstützung hat die FSG es geschafft, dass ihre Anträge nicht einfach nur dem Gemeinderatsklub zugewiesen werden, was einem Begräbnis gleichkommen würde. Es ist ungewöhnlich für einen Parteitag, dass so viele Anträge gegen den Willen der Parteiführung zur Abstimmung gelangen. Schließlich ist eine Dynamik entstanden, in der wir auch ein Fenster für unseren Antrag gesehen haben.

derStandard.at: Nur knapp, mit 302 zu 294 Stimmen, haben die Delegierten beschlossen, dass über Ihren Antrag abgestimmt werden soll. Wie viele Delegierte haben dann letztendlich für die Abschaffung des kleinen Glücksspiels in Wien gestimmt?

Kowall: Bei der Abstimmung war die Mehrheit so gewaltig, dass Renate Brauner, die die Konferenz geleitet hat, gar nicht mehr gezählt hat. Wenn Häupl jetzt sagt "wir werden das weiter diskutieren müssen, acht Stimmen werden nicht über 60 Millionen Euro entscheiden können," liegt er also falsch, denn eine überwältigende Mehrheit von schätzungsweise 80 Prozent hat letztendlich für die Abschaffung des kleinen Glücksspiels gestimmt.

derStandard.at: Gut, die Mehrheit der SPÖ-Delegierten ist dafür. Wann wird das kleine Glücksspiel in Wien also abgeschafft?

Kowall (lacht): Von den Landtagsabgeordneten haben die allerwenigsten mitgestimmt. Statutarisch müsste sich aber der Klub daran halten, was die Gremien der Partei sagen. Gleichzeitig ist das freie Mandat über die Bundesverfassung abgesichert, was mehr wiegt. In letzter Konsequenz stellt sich die Frage, in welche Richtung sich die Gemeinderäte bewegen. Bis das Glücksspiel in Wien abgeschafft wird, kann es noch Jahre dauern. 

derStandard.at: Ihr Optimismus ist nicht so groß, wie es das Abstimmungsergebnis vermuten lässt.

Maltschnig: Unser Optimismus hält sich in Grenzen, denn ich habe aus den letzten sieben Jahren keinen am Landesparteitag abgestimmten Antrag im Kopf, der gegen den Willen der Führung umgesetzt wurde. Es ist zu vermuten, dass das auch beim Glücksspiel so sein wird. Die Abstimmung vom Samstag ist nur ein erster Schritt.

derStandard.at: Was planen Sie weiter?

Kowall: Die Frage ist, ob wir nicht, jetzt wo wir wissen, wer in der SPÖ auf unserer Seite steht, die Grünen kontaktieren.

derStandard.at: Um was zu bewirken?

Kowall: Um ihnen zu sagen, dass jetzt ihre Chance ist, einen Schritt weiterzugehen und im Gemeinderat Druck zu machen.

derStandard.at: Wer sind die gewichtigsten Kräfte der SPÖ die für die Abschaffung des Glücksspiels sind?

Maltschnig: Es gibt keine.

derStandard.at: Die Abschaffung des Glücksspiels hätte drastische Auswirkungen. 55 Millionen Euro würden der Stadt Wien jährlich entgehen. Wie war die Stimmung nach der Abstimmung bei den Granden der SPÖ ?

Maltschnig: Die SPÖ hat bei der Debatte alles aufgeboten was sie hatte. Es sprachen Rudolf Schicker, Ulli Sima und Jan Krainer. Häupl kann in so einem Fall nicht reden, denn würde er die Abstimmung verlieren, würde der damit eine Führungskrisen-Debatte auslösen. Seine potenziellen Nachfolger können ebenfalls nicht reden, weil sie sich beschädigen könnten. Häupl war nicht bei der Abstimmung dabei, Brauner war nichts anzumerken, aber erfreut waren sie sicher nicht.

derStandard.at: Wie erklärten Sie sich das überraschende Abstimmungsergebnis?

Kowall: Die GenossInnen aus der Josefstadt und weitere Verbündete haben in der zweistündigen Debatte tolle Teamarbeit geleistet. Unsere Bezirksvorsteherin und unser Landtagsabgeordneter haben sich für den Antrag hinausgelehnt. Das Abstimmungsergebnis zeigt auch, dass Engagement Sinn macht. Jeder, der meint, es gehört etwas anders gemacht, ist eingeladen sich zu engagieren.

derStandard.at: Herr Kowall, so manche UserInnen in unserem Forum haben Sie als Nachfolge von Laura Rudas in der Bundesgeschäftsführung vorgeschlagen. Würden Sie den Job annehmen?

Kowall: Nein. Weil man in so einer Einzelposition nichts verändern kann, wenn man nicht zuvor schon Änderungen bewirkt hat. Ich könnte mit dem derzeitigen strukturellen Gefüge und dem derzeitigen politischen Führungspersonal nicht einmal annähernd so agieren, damit es meinen Ansprüchen entspricht und ich mit gutem Gewissen nach Hause gehen kann. Ich würde nach zwei Jahren frustriert das Handtuch werfen. In den derzeitigen Strukturen würde es nichts bringen, wenn man Laura Rudas durch jemanden austauschen würde, der drei kritische Worte sagen kann.

derStandard.at: Haben Sie mit Ihrem unbequemen Antrag auch schon Ihre Karriere in der Partei begraben?

Maltschnig: Es ist nicht unser politisches Ziel, in der SPÖ eine Funktionärskarriere zu machen. Also ist uns das auch ziemlich egal.

Kowall: Wir sind relaxt. Niemand von uns will auf Gedeih und Verderb ein Amt.

derStandard.at: Was plant die Sektion 8 in Zukunft?

Kowall: Wir verstehen uns als Think Tank. Demnächst veranstalten wir einen Workshop zum Thema Steuermythen in Kooperation mit dem Wiener SPÖ-Klub, wo Experten sprechen werden. Wir wollen der SPÖ inhaltliches Rüstzeug mitgeben, dass sie gegen den politischen Gegner verwenden kann. Wir wollen nicht den Rest unseres Lebens mit den Genossen streiten, sondern irgendwann einmal gegen die Konservativen vorgehen. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 30. Mai 2011)

EVA MALTSCHING, geboren 1987 in Zell am See, hat Sozioökonomie und Kunstgeschichte studiert und war zuletzt Generalsekretärin der Österreichischen HochschülerInnenschaft. Sie ist Stellvertreterin in der Sektion 8.

NIKOLAUS KOWALL, geboren 1982 in Wien hat Volkswirtschaftslehre studiert und ist Vorsitzender der Sektion 8 der SPÖ Wien Alsergrund.

Zum Thema: Sima skeptisch über Verbot von Automaten

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tomm.
01
Wer Sozialdemokraten gegeneinader ausspielt ist ein Pröllet

Couchsurfer
10
Es gibt sie doch noch: richtige Sozialdemokraten

Es gibt sie doch noch: richtige Sozialdemokraten

http://www.youtube.com/watch?v=k... re=related

General Cornwell
01
Illusorisch

"Bis das Glücksspiel abgeschafft wird, kann es noch Jahre dauern"

Man kann das Glücksspiel verbieten, man kann es aber genausowenig wie die Prostitution "abschaffen".

rorschach
22
na aber hallo was ist denn da los?

die ersten zwei genossen seit sehrrrrrrrrrrrrrrrrr langer zeit die sowas wie uneigennütziges engagement betreiben - keinen gut dotierten orfirgendwasjob anstreben und keine position haben wollen "wo man nichts verändern kann"

ein lichtblick in der sozialdemokratie?

jeff5
22
31.5.2011, 20:48
kowall wird wenig chancen haben, weil er keine verwandten in der spö hat.

in zeiten der niko pelinkas oder laura rudas kommt ein politik-talent nicht weiter.

da gibts nur töchter und söhne plus lebensgefährten.

deutsch-richter, wehsely-schieder, gaal-gaal, faymann-ludwig, kato-maillarth-pokorny, etc.....

von den blauen und schwarzen wird ja nichts erwartet, das war schon immer so....

liste kann fortgesetzt werden,

sima-oxonitsch ist scheinbar nicht mehr aktuell.

genossen.

Jan Sommer
22
Ja der Nepotismus ist bei Wiens Machthaberern schon lange salonfähig

geworden.

Auch die jeweiligen Bumsereien wirken sehr lange danach noch fördernd.
js

nosferatus3
02
31.5.2011, 19:20
ich erinnere mich noch

welchen repressalien eine spö abgeordnete aus nö ausgesetzt war, weil sie sich der freigabe des glücksspiel widersetzte

Jan Sommer
00
Alles bei gemeinsamen "Bergwanderungen"

mit dem Parteikollegen im Novo - Vorstand sorgfältig geplant worden ?

Die Spatzen pfeifen schon lange lautstark, was man unbedingt nicht glauben will.
js

frauauswien
010
31.5.2011, 14:48
stoppt novomatic facebook gruppe

https://www.facebook.com/Novomatic

man kann es nicht oft genug wiederholen: novomatic = mafia, ruinieren nicht nur existenzen, sondern auch ganze straßenzüge und grätzel. widerlich sind diese kultursponsoring-geschichten, diese seitenblicke-events, diese ganzseitigen inserate. was ist an novomatic bitte besser als an drogendealern?!

nosferatus3
00
31.5.2011, 19:12
ausgezeichnete wortmeldung

ich möchte die waffenhändler, die seit neuestem gesellschaftsfähig sind, mit einschließen. in österreich sind diese gruppen erst seit der blau/schwarzen regierung aus ihren löchern hervorgekrochen

Jan Sommer
11
31.5.2011, 15:52
Na immerhin verschwinden bei der Novomatic

nicht die aus den Taschen der Spieler erwirtschafteten Millionen wie bei den Casinos Austria und Defizit bauen sie auch keines.

Bei www.ots.at unter Suche -Erwin Roth- eingeben und staunen womit man straflos davonkommt!
js

Bioberni31
02
Genau

und Billy the Kid war noch schlimmer als die Daltons..

mightyjust
00
31.5.2011, 17:06
Die "Da schau her der andere ist noch böser" Taktik ist aber schon ziemlich einfallslos.

Nur weil andere auch Dreck am Stecken haben soll man also nichts unternehmen?

Jan Sommer
10
Na immerhin sollte man überlegen,

wer das kleinere Übel ist und/oder weniger Dreck am Stecken hat.

Dank unglaublich eilfertigst die Konkurrenz eliminierender Politiker gibts ja nur eine extrem beschränkte Auswahl.
js

Holzmichl1
00
31.5.2011, 13:29
Das erprobte System

würde über den Haufen geschmissen.
Bisher war man der Meinung man müsse Höhe der Sozialleistungen der Höhe der Einnahmen aus dem Glücksspiel anpassen.
Aus bezahlte Sozialleistungen bringen Wählerstimmen; daher profitiert die SPÖ zweifach vom kleinen Glücksspiel.

Freigeistin1
00
31.5.2011, 13:14

"Verbot der Strassenprostitution!"

Ich werde noch ein "Fan" von Rot-Grün ;-)

nosferatus3
10
31.5.2011, 19:14
eines der grundbedürfnisse der menschen

vorsicht! das ist beim glücksspiel nicht so.

Jose Marcovaldo
02
31.5.2011, 12:33
Wieso abschaffen?

Das Geschäft der Novomatic läuft doch gerade für fast alle Politiker wie geschmiert....
Und sonst hat auch niemand Berührungsängste(Non Olet)....
Besser wäre natürlich eine Einschaltung:"Dieses Konzert/Diese Sendung wurde von der Mafia gesponsert". Da bräuchte ja niemand extra Novomatic sagen und doch kennen sich alle aus...
Im Übrigen bin ich der Meinung, daß nicht nur die Mediaprint zerschlagen gehört...

nosferatus3
00
31.5.2011, 19:16
ich hätte eine andere idee

"dieses konzert ist gesponsert von 200 obdachlosen die ihr leben und ihre zukunft in die automaten von .......geworfen haben."

belgma
 
01
31.5.2011, 12:31

ich seh schon krachende spielsüchtige vor trafiken und tankstellen herumlungern, den euro gezückt, rubbellose schnorrend ....

Christoph Nachname
00
31.5.2011, 12:19

Zuerst die Straßenprostitution, dann das Glücksspiel. Die Grundsäulen unserer Gesellschaft beginnen zu bröckeln.

Freigeistin1
00
31.5.2011, 13:14

???
Ich nehme an dies war sarkastisch gemeint ;-)

North Ace
00
31.5.2011, 13:13

Tja, um bereit für die Zukunft zu sein, muß man manchmal die Fundamente der Vergangenheit abreißen. ;)

Lappe ohne Rentier
00
31.5.2011, 12:13
Nicht erfreut?

"Häupl war nicht bei der Abstimmung dabei, Brauner war nichts anzumerken, aber erfreut waren sie sicher nicht."

Logisch - ist doch das monatliche Schmiergeld der Automatenaufsteller womöglich bald weg...

Bei der ÖVP ist die Lage dramatisch: dort werden Köpfe rollen - real, nicht nur sprichwörtlich. Weil sie das Ungemach für die gewissen Herren nicht verhindert haben.

Herzelichst
Ihr Lappe

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