"Nichtraucherzimmer sind Mitraucherzimmer" - Vor allem der gefährliche ultrafeine Staub kann die Gesundheit schädigen
Wien - Experten der Kommission für Reinhaltung der Luft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) kritisieren die Rauchergesetzgebung in Lokalen: "Nichtraucherzimmer sind Mitraucherzimmer", sagt Umweltmediziner Manfred Neuberger. Sorgenkind der Forscher ist der ultrafeine Staub, mit Größen im Nanometerbereich. Derart feine Stäube werden von Routinemessungen bisher kaum erfasst, es stelle sich aber immer mehr heraus, dass diese Partikel für die menschliche Gesundheit besonders bedenklich sind. Bis entsprechende Geräte für flächendeckende Messungen zur Verfügung stehen, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Bis dahin behelfen sich etwa Mediziner mit dem jeweiligen Wert an Stickstoffdioxid (chemisch: NO2), der als Indikator für ultrafeinem Staub gilt.
Extrem kleine Partikel
Vergleiche von Feinstaubaufkommen und Lungenerkrankungen bei Schulkindern kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Reduktionen an Feinstaub nur dann zu Verbesserungen führen, wenn gleichzeitig auch das Stickstoffdioxid reduziert wurde. Sind nur die Konzentrationen der gröberen Feinstaubanteile reduziert, sind keine positiven Auswirkungen auf die Gesundheit festzustellen. Besonders bedenklich, weil vergleichsweise leicht zu reduzieren, sind speziell in Österreich die ultrafeinen Stäube in geschlossenen Räumen. Tabakrauch produziere große Anteile der extrem kleinen Partikel und diese dringen laut den Experten nachweislich auch in Nichtraucherabteile von Gaststätten vor.
Chronische und akute Gesundheitsgefährdung
Ultrafeine Stäube werden von Medizinern sowohl als chronische wie auch
als akute Gesundheitsgefährdung gesehen. Besonders vorgeschädigte
Personen, etwa mit Herz- oder Gefäßerkrankungen, könnten durch Rauchen
oder durch den Aufenthalt in Raucherräumen unmittelbar krank werden,
etwa einen Infarkt erleiden. Die aufgenommenen Partikel werden durch die
geringe Größe im ganzen Körper verteilt und seien selbst im Gehirn noch
nachweisbar, berichtete Neuberger. Die winzigen Teilchen werden nicht
zuletzt für Entzündungsreaktionen und Störungen der Blutgerinnung in
Verbindung gebracht, dies können letztendlich zu Verschlüssen von
Gefäßen - also Infarkten - führen. Solange in Lokalen geraucht werden darf, sollte man Familien mit Kleinkindern darauf hinweisen, dass nur reine Nichtraucherlokale wirklich sicher sind, betonte auch Marianne Popp, Obfrau der Kommission. (APA/red)