Marktplätzchen der guten Laune

29. Mai 2011, 20:33
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Auf der "Real Vienna" fiel der Unterschied zwischen den osteuropäischen EU-Ländern und den Ex-Sowjetrepubliken auf

Mit den großen Immobilienmessen ist die Real Vienna nicht zu vergleichen. Die nunmehr sechste Fachmesse für Immobilien und Investments in Zentral- und Osteuropa wird nicht nur von Jahr zu Jahr kleiner, sondern gleicht auch einer Bühne für Weinverkostung und Schulterklopferei. Anstatt die Möglichkeit zu nutzen, sich einen Überblick zu verschaffen und neue Kontakte zu knüpfen, drängten sich die Besucher dort, wo die Gläser klirrten. Viele Aussteller standen allein in ihren Kojen.

Das größte und stolzeste Projekt war der neue Wiener Hauptbahnhof. Gleich zweimal war das riesige Architekturmodell in der Halle D der Messe Wien ausgestellt: einmal bei der ÖBB Immobilienmanagement GmbH und einmal bei der Erste Group Immorent AG. Das Areal ist bereits parzelliert, das Projekt entwickelt, die Kundenakquise eröffnet.

Auch andere Aussteller lockten mit weit gediegenen oder schon realisierten Projekten und waren entsprechend gut besucht - etwa die Immofinanz Group, die Raiffeisen Bank International, die UniCredit Bank Austria, die Wien Holding oder die S+B Gruppe. Präsentiert wurden vor allem Projekte in den neuen EU-Ländern. Die Renderings und Modelle stahlen vielen kleineren Ausstellern die Show.

Kroatiens modernstes Einkaufszentrum

Im Gesamtüberblick auffällig war nicht nur die große Bandbreite der präsentierten Projekte aus insgesamt 20 Ländern, sondern auch der Unterschied in der inhaltlichen Gewichtung der rund 150 Aussteller. Während im westlichen CEE-Raum in erster Linie Büroimmobilien auf den Markt gebracht werden, locken die SEE-Länder und Nachfolgestaaten der Sowjetunion mit Hotelprojekten, Shoppingcentern und Logistik-immobilien. So soll etwa auf dem Sofia East Ring ein Build-to-suit-Logistikpark mit 120.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen.

Eines der aufsehenerregendsten Bauvorhaben auf der diesjährigen Real Vienna war die Mall of Split, ein rund 62.000 Quadratmater großer Shopping-Komplex mit 205 Shops und diversen Entertainment-Facilities. "Die Mall of Split ist das erste Projekt Kroatiens mit einer Leed-Zertifizierung in Gold", erklärt Marija Ibrisimovic, Head of Office beim Developer Tulipan Grupa. "Das ist das modernste und ökologischste Einkaufszentrum des ganzen Landes."

Die Durchschnittsmieten von rund 25 Euro pro Quadratmeter - das Spektrum reicht von 13 bis 55 Euro - seien zwar am oberen Ende angesiedelt, weiß Arndt Schilkowski, Projektleiter beim Investor Mejasi Prvi. "Doch das Produkt wird stark nachgefragt. 35 Prozent der Flächen sind bereits unterschrieben, weitere 25 Prozent sind in Verhandlung." Betrieben wird die Mall von der ECE Projectmanagement GmbH. Anfang Juni ist Baubeginn. Im Herbst 2012 sollen nach 14 Monaten Bauzeit die Pforten geöffnet werden.

Kleiner dimensionieren

"In vielen Länden im CEE- und SEE-Raum wurden die Center viel zu groß dimensioniert", meinte Friedrich Wachernig, Vorstandsmitglied der Sparkassen Immobilien AG, bei einem der Property Talks. Das liege daran, dass die Kaufkraft in Ländern wie etwa Rumänien und Bulgarien noch zu klein sei. Ralph Scheer, Geschäftsführer von Drees & Sommer, schlug daher vor, "Shoppingcenter in Zukunft kleiner zu bauen und eventuell Erweiterungsmöglichkeiten vorzusehen, damit man im Bedarfsfall erweitern kann. Man muss nicht mit der Maximalfläche an den Start gehen."

Während der Shoppingcenter-Boom in Österreich zu Ende ist - das EKZ Gerasdorf ist vorerst das letzte, derzeit in Bau -, konzentiert man sich hier lieber auf Leisure und Tourismus. Michaeler & Partner präsentierte ein Projekt, das drei Jahre in der Schublade gelegen hatte. Am Margaretengürtel in Wien soll das Hotel Falkensteiner gebaut werden, ein Vier-Sterne-Superior-Hotel aus der Feder des britischen Architekten David Chipperfield. "Die Lage ist gut, das Hotel ist öffentlich gut angebunden", sagt Geschäftsführerin Martina Maly. "Warum sollte man also nicht auch am Gürtel ein Stück hochwertiger, internationaler Architektur schaffen?" Im September startet die Baustelle, die Eröffnung des 184-Zimmer-Hauses ist für Anfang 2013 geplant.

Ungetrübter Elan

Ob der Wiener Markt in Bereich der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels noch nicht gesättigt sei? "Wien ist besser ausgelastet als viele andere europäische Großstädte, aber für gute Produkte mit Unique Selling Propositions ist am Markt immer noch Platz", so Maly.

Mit diesem ungetrübten Elan ging die Real Vienna 2011 nach zwei Tagen zu Ende. Gute Stimmung ist eine gute Sache. Nächstes Jahr wird sich zeigen, ob die strahlende Laune der Aussteller vorweggegriffen war oder nicht. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.5.2011)

  • Real Vienna 2011: In Wien entsteht ein Hotel von David Chipperfield, ...
    foto: fmtg

    Real Vienna 2011: In Wien entsteht ein Hotel von David Chipperfield, ...

  • ... in Kroatien wird die Mall of Split gebaut.
    foto: tulipan grupa

    ... in Kroatien wird die Mall of Split gebaut.

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