Ried siegt vor 14.500 Zusehern im Ernst Happel-Stadion gegen Austria Lustenau und schafft den österreichischen Pokalsieg
Der ÖFB hat auf der Kameraseite keine
Karten abgesetzt, außer im VIP-Klub. Auf der Gegenseite wurden
einige Sektoren in den Klubfarben abgedeckt. Man bemühte sich, die
Kulisse nach etwas aussehen zu lassen. Das konnte nicht darüber
hinweg täuschen, dass die Zahl von 14.500 Augenpaaren und ein zu
zwei Dritteln leeres Ernst Happel-Stadion eines Cupfinales an sich
nicht würdig ist. Aber zum Einen haben wir schon schlimmeres erlebt,
zum anderen soll das nicht als Vorwurf an die beiden Klubs verstanden werden. Sie mobilisierten ihre Anhänger durchaus gut.
Die Rieder Anhänger waren in der
Überzahl, füllten zwei Ränge ihrer Kurve gut aus, die Lustenauer
hatten etwa ein Viertel davon mit. Von neutraler Seite hätte das Finale
mehr Interesse vertragen. Dazu müsste sich der ÖFB aber auch
endlich ein attraktiveres Konzept überlegen.
Sehenswerte erste Hälfte
Beide Teams
beginnen das Spiel auf dem bewässerten Boden positiv, mit offensivem
Pressing und dem Versuch schnell nach vorn zu kommen. Die erste
Möglichkeit gehörte bei strahlendem Sonnenschein und perfekten
Fußballtemperaturen den Lustenauern. Ein Freistoßschuss aus 25
Metern nach drei Minuten fand seinen Weg durch die Mauer, allerdings
mit einer Kollision und Ried-Keeper Thomas Gebauer kam heraus um ihn
zu sichern.
Auch am Einsatz mangelte es beiden
Teams nicht – übertrieben hatte es in der 20. Minute aber Harald
Dürr. Der Vorarlberger hatte Glück, dass sein unnötiges
Foul mit hohem, kaum angewinkelten Bein gegen Florian Mader nur mit
der Gelben Karte bedacht wurde.
Es entwickelte sich eine engagiert
geführte Partie, der vorerst die Torszenen fehlten. Die Rieder kamen
in der 17. Minute durch einen Schuss von Ivan Carril erstmals
gefährlich vor das Tor der Lustenauer. Die ließen als Zweitligaklub
mit ihrem 4-3-3 durchaus keine Minderwertigkeitskomplexe erkennen und
spielten skrupellos mit Kombinationsfußball auf Sieg. In der 25.
Minute fand ihr Druck vorerst seinen Höhepunkt. Erst ein Freistoß,
dann ein Schuss nach einer Ecke wurden von Boller allerdings am Tor
deutlich vorbei gezirkelt.
Bei den Riedern machte sich
Verunsicherung breit. Die Mannschaft von Paul Gludovatz stand tief in
ihrer Hälfte, machte im Spielaufbau unter Druck zu viele Fehlpässe.
Ein Konter hätte die Partie dann aber schnell auf den Kopf stellen
können (28.). Markus Hammerer verpasste einen Querpass von Daniel
Royer, Carril konnte aus kurzer Distanz denn Ball nicht im Tor
unterbringen.
Die größte Chance von „Luschnou“
gab es in der 39. Minute, eine gefinkelte Flanke von Rot erreichte
ein Stürmer gerade nicht, der Ball sprang deshalb an Gebauer vorbei
und an die Stange des langen Ecks. Der „Keine Sorgen“-Schriftzug
am Rücken von Gludovatz wurde unglaubwürdig.
Doch praktisch im im Gegenzug kam es in
der 41. Minute zu einem Eckball, den Hammerer im Fünfer zu
unbedrängt einköpfeln konnte. Zwei Minuten später hätte die Partie
entschieden sen müssen, doch nach hervorragendem Stefan
Lexa-Außenristpass auf den in der Mitte stehenden Carril warf sich
ein Lustenauer heldenhaft in dessen Abschlussversuch und lenkte den
Ball über die Latte.
Mehr Ried im zweiten Durchgang
Es ging mit 1:0 in die Kabinen, Ried
durfte sich geschmeichelt fühlen, hatte andererseits aber auch
bereits die ein oder andere Großchance vergeben. Nach der Pause
änderte sich das Bild etwas. Die Rieder taten ihrerseits mehr für
das Spiel, Lustenau fehlte der Elan in den Kontern. Vorerst gelang
den Riedern aber wenig mehr, als sich einige Eckbälle zu erobern.
Ein Konter (59.), dessen letzter Lexa-Pass und Ewald Brenners
Abschluss nicht nach Wunsch verliefen, war das höchste der Gefühle.
Ein Schuss von Hammerer (65.) machte
Alexander Kofler auch noch nicht zu schaffen. Gludovatz nahm
Jan-Marc Riegler vom Platz und brachte Marc Prettenthaler. Der hatte
aber nichts damit zu tun, dass Royer in der 67. einen Schuss im
Strafraum anbrachte, dessen Abpraller Hammerer per Kopf nur noch über
die Linie nicken musste. 2:0 für die Rieder, die die Sache
mittlerweile doch gut unter Kontrolle hatten.
Lustenaus wirkungslose Schlussoffensive
Die Lustenauer sahen ihre Felle
davonschwimmen, Edmund Stör machte einen Doppeltausch. Für Dursun
Karatay und Mario Leitgeb kamen Dominik Rotter und Gerald Krajic.
Unmittelbar darauf platzierte der Ried-Spanier Carril einen Freistoß
unter die Latte, doch Kofler konnte schlimmeres verhindern. Die
Innviertler konnten sich nun voll auf den Konter verlassen, wo
Hammerer der Abwehr mit seiner Schnelligkeit zu schaffen machte.
Nach einem solchen Gegenstoß sah
Lustenau-Kapitän Jürgen Kampel wiederum eine sehr orange scheinende
Gelbe Karte, als er seine Kung Fu-Tauglichkeit unter Beweis stellte.
Nicht viel weniger ruppig war das Einsteigen von Krajic wenige
Sekunden später in der Gegnerhälfte. Die bis dahin gezeigte
Austria-Spielkultur wurde nun doch mit der sichtbaren Härte von
Frust und Verzweiflung angereichert. Die nötigen Torchancen brachte
das nicht mehr ein. Zu mehr als einem würdevollen Finale reichte es
bei der Austria nicht mehr. Die Fans nahmen es mit Fassung und schenkten ihrer Mannschaft auch am Ende den verdienten Applaus.
So ein Tag wie heute, der sei
wunderschön, meinten die Rieder, leisteten frenetischen
Abgangsapplaus für ausgewechselte Spieler. Die Feiern der
Oberösterreicher begannen bereits Minuten vor dem Schlusspfiff. Die
SV Ried schaffte es, dass der Cup die kleinere der möglichen
Sensationen brachte. Sie krönten ihre starke Saison mit dem Titel,
dürfen im Herbst ihr Glück in der Europa League versuchen und
müssen dazu erst eine Runde nach Salzburg und Austria Wien antreten.
(tsc, derStandard.at, 29.5.2011)
SV Josko Ried - SC Austria Lustenau 2:0 (1:0)
Wien, Ernst-Happel-Stadion, 14.500 Zuschauer, SR Manfred
Krassnitzer
Tore:
1:0 (41.) Hammerer
2:0 (67.) Hammerer
Ried: Gebauer - Stocklasa, Glasner, Riegler (63.
Prettenthaler) -
Brenner, Mader, Schrammel - Lexa, Carril (82. Hadzic), Royer -
Hammerer (86. Nacho)
A. Lustenau: Kofler - Zech, Stückler, Kampel, Soares - Dürr,
Leitgeb (71. Rotter) - Micic, Roth, Boller (88. Honeck) - Karatay
(70. Krajic)
Gelbe Karten: Lexa bzw. Dürr, Kampel, Krajic