In Österreich gelangten womöglich mit dem EHEC-Keim belastete Gurken, Paradeiser und Melanzani in den Verkauf – Eine Rückholaktion läuft - In Deutschland endeten zehn Fäll tödlich
Mit dem EHEC-Erreger belastete Gurken könnten auch in österreichischen Geschäften verkauft worden sein. In der Nacht auf Sonntag gab die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) in einer Aussendung bekannt, dass "geringe Mengen von spanischen Gurken, die im Verdacht stehen, mit EHEC-Keimen belastet sein zu können, über deutsche Großhändler auch nach Österreich gelangt sind". Die Bakterien verursachen Durchfallerkrankungen, die zum Tod führen können.
33 Biogeschäfte in Österreich haben verdächtige Ware geliefert bekommen. Es ist nicht sicher, ob das Gemüse die Keime wirklich aufweist. Die Lebensmittelaufsicht werde Montagfrüh in den betroffenen Geschäften vorhandenes Gemüse beschlagnahmen, so es noch nicht von den Händlern selbst entfernt wurde, kündigte die Ages an. In einem Labor soll dann geklärt werden, ob die Waren mit Bakterien verunreinigt sind. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass belastetes Gemüse verkauft wurde, ersucht die Ages, Gurken, Paradeiser und Melanzani der betroffenen Geschäfte keinesfalls zu verzehren, sondern diese zu entsorgen. Wer sich generell schützen will, sollte besondere Sorgfalt bei der Küchenhygiene walten lassen.
Aus Deutschland "importierte Fälle"
In Österreich sind zwar bereits EHEC-Erkrankungen aufgetaucht, es dürfte sich aber um "importierte Fälle" handeln, sagte die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, Pamela Rendi-Wagner. Zwei Deutsche, die sich als Radurlauber in Oberösterreich aufhielten, wurden positiv auf den Keim getestet. Beide dürften sich bereits in ihrem Heimatland infiziert haben. Die Fälle verliefen ohne Komplikationen, ein Deutscher war bereits am Samstag wieder zu Hause. Bei einem dritten Mann, einem Schauspieler aus Deutschland mit Durchfallsymptomen, standen die Testergebnisse noch aus.
In Deutschland sind inzwischen insgesamt zehn Menschen, davon neun Frauen, an dem von dem EHEC-Erreger ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gestorben. Im gesamten Land wurden 1000 bestätigte sowie EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Erkrankungen tauchten auch in anderen Ländern auf: Am Wochenende waren es 25 nachgewiesene Fälle in Schweden, sieben in Dänemark, einer in der Niederlande und drei in Großbritannien.
Erreger "sehr aggressiv"
Die Welle an EHEC-Darmerkrankungen in Deutschland ist der europäischen Gesundheitsbehörde zufolge eine der größten ihrer Art weltweit. "So etwas gab es noch nie", sagte der Leiter des Instituts für Hygiene an der Universitätsklinik Münster, Helge Karch. Der EHEC-Erreger vom Stamm Husec 41 sei sehr aggressiv. In einem Gefahren-Gutachten geht das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm (EDCD) zudem davon aus, dass "die Quelle der Infektionen noch aktiv ist", da die Zahl der Erkrankten weiter steige.
Außergewöhnlich sei, dass hauptsächlich Erwachsene an dem von dem EHEC-Erreger ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten. "Gewöhnlich wird HUS bei Kindern unter fünf Jahren festgestellt. Diesmal sind 87 Prozent der Betroffenen Erwachsene und hauptsächlich Frauen (68 Prozent)", teilte die Behörde mit.
Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hielt am Wochenende an der Warnung vor dem Verzehr von rohen Gurken, Blattsalaten und ungekochten Tomaten fest. Mehr als die Hälfte der Deutschen verzichtet als Konsequenz auf viele Gemüsesorten. Betroffene Bauern beklagen Riesenschäden. Deutsche Erzeugerverbände meldeten unterdessen nach Labortests ihre Ware "EHEC-frei". (APA/dpa/Reuters, spri, DER STANDARD, Printausgabe, 30.5.2011)